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WHO-Leitlinie: Schwangerenvorsorge (Antenatal Care)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Vorsorgemodell mit mindestens 8 Kontakten wird empfohlen, um die perinatale Mortalität zu senken.
  • Zur Prävention von Anämie und Frühgeburten wird die tägliche Einnahme von 30-60 mg Eisen und 400 µg Folsäure empfohlen.
  • Ein Ultraschall vor der 24. Schwangerschaftswoche wird zur Bestimmung des Gestationsalters und zum Fehlbildungsscreening empfohlen.
  • Routine-CTG und Routine-Doppler-Ultraschall werden bei unauffälligen Schwangerschaften nicht empfohlen.
  • Bei asymptomatischer Bakteriurie wird eine 7-tägige Antibiotikatherapie empfohlen.
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Hintergrund

Die WHO-Leitlinie zur Schwangerenvorsorge (Antenatal Care, ANC) zielt darauf ab, Frauen eine positive Schwangerschaftserfahrung zu ermöglichen. Dies umfasst nicht nur die Prävention von Mortalität und Morbidität, sondern auch den Erhalt der physischen und soziokulturellen Normalität. Ein zentraler Paradigmenwechsel ist die Erhöhung der empfohlenen Vorsorgekontakte.

Ernährungsinterventionen und Supplementierung

Eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität werden allen Schwangeren empfohlen, um eine übermäßige Gewichtszunahme zu vermeiden. Die Empfehlungen zur Mikronährstoff-Supplementierung sind klar definiert:

WirkstoffDosisIndikationEvidenz
Eisen & Folsäure30-60 mg Eisen + 400 µg Folsäure tägl.Prävention von Anämie, Sepsis, FrühgeburtEmpfohlen
Kalzium1,5-2,0 g tägl.Bei niedriger alimentärer Zufuhr zur Präeklampsie-PräventionKontextspezifisch empfohlen
Vitamin A-Nur in Endemiegebieten zur Prävention von NachtblindheitKontextspezifisch empfohlen
Zink, Vit. C, D, E, B6-Verbesserung maternaler/perinataler OutcomesNicht empfohlen
Multiple Mikronährstoffe-Verbesserung maternaler/perinataler OutcomesNicht empfohlen
  • Koffein: Bei einer Zufuhr von >300 mg/Tag wird eine Reduktion empfohlen, um das Risiko für Schwangerschaftsverluste und ein niedriges Geburtsgewicht zu senken.

Maternale und fetale Diagnostik

Die Leitlinie definiert klare Standards für die Routineuntersuchungen während der Schwangerschaft.

UntersuchungMethode/InterventionEvidenz
Anämie-ScreeningGroßes Blutbild (alternativ: Vor-Ort-Hämoglobinometer)Kontextspezifisch empfohlen
Asymptomatische Bakteriurie (ASB)Mittelstrahlurin-Kultur (alternativ: Gram-Färbung)Kontextspezifisch empfohlen
UltraschallEin Ultraschall vor der 24. SSW (Gestationsalter, Anomalien)Empfohlen
Routine-CTGRoutinemäßige antenatale KardiotokographieNicht empfohlen
Routine-DopplerRoutinemäßiger Doppler-Ultraschall fetaler GefäßeNicht empfohlen
KindsbewegungenTägliches Zählen der Kindsbewegungen (z.B. Kick-Charts)Nur im Rahmen von Studien
  • Gesundheitsdienstleister sollten routinemäßig nach Tabakkonsum, Alkohol- und Substanzgebrauch sowie Gewalt in der Partnerschaft (IPV) fragen.

Präventive Maßnahmen

Zur Vermeidung von Infektionen und schwangerschaftsassoziierten Komplikationen gelten folgende Empfehlungen:

  • Asymptomatische Bakteriurie: Eine 7-tägige Antibiotikatherapie wird für alle Schwangeren mit ASB empfohlen, um Frühgeburten vorzubeugen.
  • Tetanus-Impfung: Wird für alle Schwangeren empfohlen, abhängig vom bisherigen Impfstatus.
  • Malaria-Prävention: In Endemiegebieten wird eine intermittierende präventive Therapie (IPTp-SP) ab dem zweiten Trimenon kontextspezifisch empfohlen.
  • HIV-Prävention: Eine orale Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sollte Schwangeren mit erheblichem HIV-Risiko kontextspezifisch empfohlen werden.
  • Anti-D-Prophylaxe: Die antenatale Routine-Gabe bei Rh-negativen Frauen wird nur im Rahmen von Studien empfohlen.

Management häufiger Beschwerden

Für typische physiologische Schwangerschaftsbeschwerden empfiehlt die WHO verschiedene evidenzbasierte Linderungsmaßnahmen:

SymptomTherapieoptionenEvidenz
ÜbelkeitIngwer, Kamille, Vitamin B6, AkupunkturEmpfohlen
SodbrennenDiät/Lebensstil, Antazida bei hartnäckigen SymptomenEmpfohlen
WadenkrämpfeMagnesium, Kalzium, nicht-pharmakologische OptionenEmpfohlen
Rücken-/BeckenschmerzenRegelmäßige Bewegung, Physiotherapie, Stützgürtel, AkupunkturEmpfohlen
VerstopfungWeizenkleie, BallaststoffeEmpfohlen
Ödeme/KrampfadernKompressionsstrümpfe, Beine hochlegen, WasserimmersionEmpfohlen

Gesundheitssystem und ANC-Modell

Um die Qualität und Inanspruchnahme der Schwangerenvorsorge zu verbessern, hat die WHO das bisherige Modell mit vier Besuchen revidiert.

  • Vorsorgekontakte: Ein Modell mit mindestens 8 Kontakten wird empfohlen, um die perinatale Mortalität zu senken und die Zufriedenheit zu steigern.
  • Mutterpass: Es wird empfohlen, dass jede Schwangere ihre eigenen Behandlungsunterlagen bei sich trägt.
  • Hebammengeleitete Versorgung: Modelle mit kontinuierlicher Betreuung durch eine bekannte Hebamme werden in funktionierenden Systemen kontextspezifisch empfohlen.
  • Task-Shifting: Die Übertragung von Aufgaben (z.B. Gesundheitsförderung) auf ein breites Spektrum von Gesundheitspersonal wird empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie routinemäßig einen Ultraschall vor der 24. SSW durch, verzichten Sie jedoch auf Routine-CTGs und Routine-Doppler-Untersuchungen bei unauffälligen Schwangerschaften.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO empfiehlt ein Modell mit mindestens 8 Kontakten zwischen der Schwangeren und dem Gesundheitspersonal, um die perinatale Mortalität zu senken.
Eine tägliche Einnahme von 30 bis 60 mg elementarem Eisen und 400 µg Folsäure wird routinemäßig empfohlen.
Nein, die routinemäßige antenatale Kardiotokographie (CTG) wird zur Verbesserung der maternalen und perinatalen Outcomes nicht empfohlen.
Es wird eine 7-tägige Antibiotikatherapie empfohlen, um persistierender Bakteriurie, Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht vorzubeugen.

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