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WHO2025

Sichelzellkrankheit in der Schwangerschaft: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Folsäure-Supplementierung: Bis zu 5 mg/Tag (bzw. 400 µg/Tag bei gleichzeitiger Malaria-Prophylaxe).
  • Eisengabe nur bei nachgewiesenem Eisenmangel, keine routinemäßige Supplementierung.
  • Hydroxycarbamid kann nach dem ersten Trimenon nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung fortgeführt werden.
  • Bei i.v.-Flüssigkeitsgabe ist ein engmaschiges Monitoring zur Vermeidung einer Überwässerung zwingend erforderlich.
  • Allen hospitalisierten Schwangeren mit SCD sollte eine Thromboseprophylaxe angeboten werden.
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Hintergrund

Die Sichelzellkrankheit (SCD) ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für mütterliche und fetale Komplikationen verbunden. Die mütterliche Mortalität ist bei Frauen mit SCD 4- bis 11-fach höher als bei gesunden Schwangeren. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Präeklampsie, Frühgeburten, fetale Wachstumsrestriktion und vaso-okklusive Krisen. Da die normalen physiologischen Veränderungen der Schwangerschaft (z. B. Hyperkoagulabilität, erhöhtes Blutvolumen) die pathophysiologischen Prozesse der SCD verstärken, bedarf es einer interdisziplinären und engmaschigen Betreuung.

Medikamentöse Therapie in der Schwangerschaft

Die medikamentöse Einstellung muss an die Schwangerschaft angepasst werden. Routinemäßige Infektionsprophylaxen werden nicht empfohlen; stattdessen sollte ein engmaschiges Screening (z. B. auf Harnwegsinfekte) mit niedriger diagnostischer Schwelle erfolgen.

WirkstoffEmpfehlung / DosierungBemerkung
FolsäureBis zu 5 mg/TagStandardempfehlung außerhalb von Malaria-Endemiegebieten.
Folsäure (bei Malaria-Prophylaxe)400 µg/TagBei Einnahme von Sulfadoxin-Pyrimethamin (SP), da höhere Dosen die Antimalaria-Wirkung hemmen.
EisenNur bei nachgewiesenem MangelKeine Routinegabe! Gefahr der Eisenüberladung (insb. bei Transfusionsanamnese).
HydroxycarbamidIndividuelle AbwägungFortführung oder Wiederaufnahme nach dem 1. Trimenon kann nach interdisziplinärer Nutzen-Risiko-Abwägung erwogen werden.

Transfusion und Thromboseprophylaxe

  • Prophylaktische Bluttransfusion: Kann bei Schwangeren mit einer Anamnese schwerer, refraktärer Krisen oder bei nachgewiesenem Nutzen vor der Schwangerschaft erwogen werden.
  • Thromboseprophylaxe (ambulant): Zusätzliche Risikofaktoren (z. B. stattgehabte venöse Thromboembolie, Adipositas) evaluieren und lokale Leitlinien für Hochrisikoschwangere anwenden.
  • Thromboseprophylaxe (stationär): Allen hospitalisierten Schwangeren mit SCD sollte eine Thromboseprophylaxe angeboten werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen.

Schmerz- und Flüssigkeitsmanagement

Für jede Schwangere sollte frühzeitig ein individueller Schmerzmanagement-Plan erstellt werden.

MaßnahmeEmpfehlung
AnalgesieZeitnahe und optimale Schmerzlinderung. Optionen: Paracetamol, NSAR oder Opioide (niedrigste effektive Dosis für die kürzestmögliche Zeit).
Flüssigkeitsgabe (i.v.)Bei Hospitalisierung wegen vaso-okklusiver Krise: Engmaschiges Monitoring (Auskultation, Pulsoxymetrie, Atemfrequenz) zur Früherkennung einer Überwässerung/Lungenödem.
Flüssigkeitsgabe bei PräeklampsieNoch intensiveres Monitoring auf Zeichen einer Volumenüberladung zwingend erforderlich.

Fetale Überwachung und Entbindung

Die fetale Überwachung richtet sich nach dem Vorliegen von Komplikationen:

  • Unkomplizierter Verlauf: Ultraschall-Wachstumskontrollen alle 4 Wochen (zwischen SSW 24 und 32), danach alle 3 Wochen bis zur Geburt.
  • Komplizierter Verlauf: Individuell intensiviertes Monitoring.

Entbindungsmodus und Timing: Die Entscheidung über den Zeitpunkt der Geburt erfolgt individuell (Abwägung zwischen fetaler Reifung und mütterlichen/neonatalen Risiken). Ohne spezifische medizinische oder geburtshilfliche Indikation für eine Sectio ist die vaginale Geburt zu bevorzugen.

Postpartale und Interkonzeptionelle Betreuung

In den ersten 6 Wochen postpartal ist eine erweiterte Betreuung notwendig. Diese umfasst:

  • Management der SCD (inkl. Hydroxycarbamid und Schmerztherapie)
  • Prävention von Thromboembolien (Thromboseprophylaxe prüfen)
  • Beratung zur Kontrazeption und zur Sicherheit des Stillens
  • Neugeborenen-Screening auf SCD

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf eine blinde Eisensupplementierung und prüfen Sie stattdessen gezielt den Eisenstatus. Bei stationärer Aufnahme wegen einer vaso-okklusiven Krise und i.v.-Flüssigkeitsgabe ist ein engmaschiges Monitoring (z. B. Pulsoxymetrie, Auskultation) essenziell, um ein Lungenödem frühzeitig zu erkennen.

Häufig gestellte Fragen

Nach dem ersten Trimenon kann Hydroxycarbamid nach strenger interdisziplinärer Nutzen-Risiko-Abwägung und gemeinsamer Entscheidungsfindung fortgeführt oder neu angesetzt werden.
Nein. Eine Eisensupplementierung sollte nur bei einem nachgewiesenen Eisenmangel erfolgen, da ansonsten das Risiko einer Eisenüberladung besteht.
Außerhalb von Malaria-Gebieten werden bis zu 5 mg täglich empfohlen. Bei gleichzeitiger Malaria-Prophylaxe mit Sulfadoxin-Pyrimethamin sollten nur 400 µg täglich gegeben werden.
Bei unkomplizierten Verläufen empfiehlt die WHO Ultraschallkontrollen alle 4 Wochen zwischen SSW 24 und 32, danach alle 3 Wochen bis zur Entbindung.

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