Ultraschall vor der 24. SSW: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Ein Routine-Ultraschall vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) wird für alle schwangeren Frauen empfohlen.
- •Ziele sind die Bestimmung des Gestationsalters, die Erkennung von Mehrlingsschwangerschaften und fetalen Anomalien sowie die Reduktion von Geburtseinleitungen.
- •Die genaueste Bestimmung des Gestationsalters erfolgt im ersten Trimester (bis 14. SSW) mittels Scheitel-Steiß-Länge.
- •Ein Ultraschall im zweiten Trimester (14.-24. SSW) verbessert signifikant die Erkennung von fetalen Anomalien.
- •Die Untersuchung darf nur von speziell geschultem Personal unter strikter Anwendung des ALARA-Prinzips durchgeführt werden.
Hintergrund
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Routine-Ultraschall vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) für alle schwangeren Frauen. Diese Maßnahme dient dazu, das Gestationsalter zu bestimmen, fetale Anomalien und Mehrlingsschwangerschaften frühzeitig zu erkennen, die Rate an Geburtseinleitungen bei Übertragung zu senken und das Schwangerschaftserlebnis der Frau zu verbessern.
Ziele der Ultraschalluntersuchung
Bei der Implementierung eines Routine-Ultraschalls vor der 24. SSW sollten standardmäßig folgende Parameter beurteilt werden:
| Beurteilungskriterium | Details |
|---|---|
| Grundlegende Parameter | Sitz der Schwangerschaft (z. B. intrauterin), Herzaktion, fetale Größe, Gestationsalter, Anzahl der Feten |
| Bei Mehrlingen | Chorionizität und Amnionizität |
| Erweiterte Parameter (> 18. SSW) | Anatomie (Kopf, Hals, Gesicht, Wirbelsäule, Thorax, Herz, Abdomen, Bauchwand, Extremitäten), Plazenta (Aussehen und Lage), Nabelschnur |
Hinweis: Die erweiterten Parameter setzen entsprechende fachliche Fähigkeiten und eine geeignete technische Ausstattung voraus.
Effekte nach Zeitpunkt der Untersuchung
Die Evidenz zeigt unterschiedliche klinische Effekte, je nachdem, ob der Ultraschall im ersten oder zweiten Trimester durchgeführt wird:
| Zeitpunkt | Klinische Effekte und Vorteile |
|---|---|
| 1. Trimester (< 14. SSW) | Reduziert die Ängstlichkeit der Mutter; genaueste Phase zur Bestimmung des Gestationsalters. |
| 2. Trimester (14. - 24. SSW) | Reduziert Geburtseinleitungen wegen Übertragung; verbesserte Erkennung von Mehrlingsschwangerschaften und fetalen Anomalien. |
Bestimmung des Gestationsalters
Die exakte Bestimmung des Gestationsalters ist entscheidend für das weitere Management der Schwangerschaft. Die Genauigkeit variiert je nach Zeitpunkt der Untersuchung:
| Zeitraum | Messmethode | Genauigkeit |
|---|---|---|
| Bis 14. SSW | Scheitel-Steiß-Länge (SSL) | ± 5–7 Tage |
| 14. SSW bis 21+6 SSW | Biparietaler Durchmesser, Kopfumfang, Femurlänge, Abdomenumfang | ± 7–10 Tage |
| Bis 28. SSW | Wie im 2. Trimester | ± 10–14 Tage |
Sicherheit und Rahmenbedingungen
- Qualifikation: Die Untersuchung darf nur von speziell geschultem Personal durchgeführt werden.
- ALARA-Prinzip: Um die fetale Exposition so gering wie möglich zu halten, gilt das Prinzip "As Low As Reasonably Achievable" (ALARA). Die Untersuchung sollte in der kürzestmöglichen Zeit und mit der geringsten Sendeleistung erfolgen, die für eine Diagnose ausreicht.
- Aufklärung: Schwangere müssen über den Zweck, die Vorteile, aber auch die Limitationen des Ultraschalls aufgeklärt werden. Ein unauffälliger Ultraschall schließt spätere Komplikationen oder nicht erkannte Anomalien nicht vollständig aus.
- Risiken: Zu den potenziellen unerwünschten Effekten gehören psychologische Belastungen bei unklaren Befunden, die Gefahr von weiblichen Fetiziden (in bestimmten kulturellen Kontexten) sowie eine Übernutzung des Ultraschalls als Ersatz für formelle Vorsorgeuntersuchungen.
💡Praxis-Tipp
Klären Sie Schwangere vor der Untersuchung darüber auf, dass ein unauffälliger Ultraschall keine Garantie für eine komplikationslose Schwangerschaft ist und nicht alle Fehlbildungen vor der 24. SSW erkennbar sind. Wenden Sie stets das ALARA-Prinzip an.