Schwangerenvorsorge: Antenatal Care Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Der erste Vorsorgetermin (Booking) sollte idealerweise bis zur Schwangerschaftswoche (SSW) 10+0 stattfinden.
- •Nullipare Frauen erhalten 10, multipare Frauen 7 geplante Routineuntersuchungen.
- •Blutdruckmessung und Urin-Stix auf Proteinurie sind bei jedem persönlichen Termin durchzuführen.
- •Ab SSW 28 wird Schwangeren empfohlen, nicht mehr auf dem Rücken zu schlafen, um das Risiko einer Totgeburt zu minimieren.
- •Bei Verdacht auf Beckenendlage ab SSW 36+0 erfolgt ein Ultraschall zur Bestätigung und ggf. das Angebot einer äußeren Wendung.
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie zur Schwangerenvorsorge (Antenatal Care) definiert die Standards für die routinemäßige Betreuung von Schwangeren. Ziel ist es, durch regelmäßige Untersuchungen, Aufklärung und Risikobewertungen die Gesundheit von Mutter und Kind zu sichern.
Terminplanung und Basisdiagnostik
Die Frequenz der Vorsorgeuntersuchungen richtet sich nach der Parität der Schwangeren:
- Nullipare Frauen: 10 geplante Routineuntersuchungen
- Multipare Frauen: 7 geplante Routineuntersuchungen
Der erste Termin (Booking-Termin) sollte bis zur 10+0 SSW stattfinden. Meldet sich eine Frau erst nach 9+0 SSW an, sollte der Termin nach Möglichkeit innerhalb von 2 Wochen erfolgen.
Beim ersten Termin werden BMI, Blutbild, Blutgruppe und Rhesus-D-Status bestimmt. Zudem werden Screenings auf HIV, Syphilis, Hepatitis B, Sichelzellanämie und Thalassämie angeboten.
Ultraschall-Screening
Allen Schwangeren werden routinemäßig zwei Ultraschalluntersuchungen angeboten:
| Zeitraum | Ziel der Untersuchung |
|---|---|
| 11+2 bis 14+1 SSW | Bestimmung des Gestationsalters, Erkennung von Mehrlingen, Screening auf Trisomien (Down, Edwards, Patau) |
| 18+0 bis 20+6 SSW | Screening auf fetale Anomalien, Bestimmung der Plazentalokalisation |
Nach der 28. SSW werden bei unkomplizierten Einlingsschwangerschaften keine routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen empfohlen.
Risikobewertung und Überwachung
Bei jedem persönlichen Vorsorgetermin müssen der Blutdruck gemessen und ein Urin-Dipstick auf Proteinurie durchgeführt werden. Weitere spezifische Risikobewertungen umfassen:
| Parameter | Zeitpunkt der Bewertung | Maßnahme bei Risiko |
|---|---|---|
| Venöse Thromboembolie (VTE) | Ersttermin & nach Klinikaufnahme | Überweisung an Geburtshelfer zur weiteren Planung |
| Gestationsdiabetes | Ersttermin | Oraler Glukosetoleranztest (oGTT) zwischen 24+0 und 28+0 SSW |
| Präeklampsie | Ersttermin & 2. Trimenon | Gabe von Aspirin |
| Fetale Wachstumsrestriktion | Ersttermin & 2. Trimenon | Messung des Symphysen-Fundus-Abstands bei jedem Termin ab 24+0 SSW |
Spezifische klinische Situationen
- Schlafposition: Ab der 28. SSW sollten Schwangere nicht mehr auf dem Rücken schlafen, da dies mit einem erhöhten Risiko für Totgeburten assoziiert ist. Kissen können helfen, die Seitenlage zu halten.
- Kindsbewegungen: Ab der 24+0 SSW sollten Kindsbewegungen bei jedem Termin thematisiert werden. Bei verminderten Kindsbewegungen muss eine sofortige Abklärung erfolgen.
- Beckenendlage: Ab 36+0 SSW wird eine Tastuntersuchung des Abdomens empfohlen. Bei Verdacht erfolgt ein Ultraschall. Bestätigt sich die Beckenendlage, werden die äußere Wendung (External Cephalic Version), eine vaginale Geburt oder ein Kaiserschnitt besprochen.
- Vaginale Blutungen (nach 13. SSW): Patientinnen müssen in die Sekundärversorgung überwiesen werden. Rhesus-negative Frauen erhalten eine Anti-D-Prophylaxe. Bei drohender Frühgeburt (<48 Stunden) ist die Gabe von Kortikosteroiden zur Lungenreife zu erwägen.
Management von Schwangerschaftsbeschwerden
| Symptom | Therapieempfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Übelkeit & Erbrechen | Ingwer (nicht-medikamentös), Antiemetika | Klingt meist bis zur 16.-20. SSW ab. Bei schwerem Verlauf i.v.-Flüssigkeit erwägen. |
| Sodbrennen | Antazida oder Alginate | Zunächst Lebensstil- und Ernährungsanpassungen empfehlen. |
| Vaginale Candidiasis | Vaginales Imidazol (z.B. Clotrimazol) | Bei unklarem Ausfluss (Juckreiz, Geruch) Abstrich durchführen. |
| Bakterielle Vaginose | Orale oder vaginale Antibiotika | Gemäß Antibiotic Stewardship behandeln. |
| Beckengürtelschmerz | Physiotherapie, unelastischer Beckengurt | Überweisung an Physiotherapie erwägen. |
💡Praxis-Tipp
Messen Sie bei jedem persönlichen Vorsorgetermin den Blutdruck und führen Sie einen Urin-Stix auf Proteinurie durch. Raten Sie Schwangeren ab der 28. SSW aktiv davon ab, auf dem Rücken zu schlafen.