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Postnatale Versorgung: WHO-Leitlinie (Mutter & Neugeborenes)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Entlassung nach einer unkomplizierten Klinikgeburt sollte frühestens nach 24 Stunden erfolgen.
  • Es werden mindestens drei weitere postnatale Kontakte empfohlen (Tag 3, Tag 7-14, 6 Wochen).
  • Ausschließliches Stillen wird für die ersten 6 Lebensmonate stark empfohlen.
  • Eine routinemäßige Antibiotikagabe nach unkomplizierter Vaginalgeburt ist nicht indiziert, wohl aber bei Dammrissen 3. und 4. Grades.
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Hintergrund

Die postnatale Phase ist eine kritische Zeit für Mutter und Neugeborenes. Diese WHO-Leitlinie definiert evidenzbasierte Standards für die postnatale Betreuung, um mütterliche und neonatale Mortalität und Morbidität zu senken.

Zeitplan und postnatale Kontakte

Die Leitlinie empfiehlt eine engmaschige Betreuung in den ersten Wochen nach der Geburt. Hausbesuche in der ersten Lebenswoche werden zur Senkung der Neugeborenensterblichkeit empfohlen (Starke Empfehlung).

KontaktZeitpunktBemerkung
1. Kontakt< 24 StundenBei Klinikgeburt: Aufenthalt für mind. 24h. Bei Hausgeburt: Erster Kontakt so früh wie möglich.
2. KontaktTag 3 (48-72h)Routinemäßige Nachsorge
3. KontaktTag 7-14Routinemäßige Nachsorge
4. Kontakt6 WochenAbschluss der postnatalen Basisbetreuung

Versorgung des Neugeborenen

Warnzeichen beim Neugeborenen

Bei jedem postnatalen Kontakt muss das Neugeborene auf folgende Warnzeichen untersucht werden. Liegt eines vor, muss eine sofortige Überweisung erfolgen (Starke Empfehlung):

WarnzeichenDefinition / Grenzwert
TrinkschwächeHat aufgehört, gut zu trinken
KrämpfeAnamnese von Krampfanfällen
TachypnoeAtemfrequenz ≥ 60/min
EinziehungenSchwere thorakale Einziehungen
BewegungsmangelKeine Spontanmotorik
FieberKörpertemperatur ≥ 37,5 °C
HypothermieKörpertemperatur < 35,5 °C
IkterusGelbsucht in den ersten 24h ODER gelbe Handflächen/Fußsohlen in jedem Alter

Nabelpflege und Basismaßnahmen

MaßnahmeEmpfehlungEvidenz
Nabelpflege (Hohe Mortalität & Hausgeburt)Tägliche Anwendung von Chlorhexidin (7,1 % Digluconat / 4 % Chlorhexidin) in der 1. WocheStarke Empfehlung
Nabelpflege (Klinikgeburt oder niedrige Mortalität)Saubere, trockene NabelpflegeStarke Empfehlung
BadenFrühestens nach 24 Stunden (aus kulturellen Gründen mind. 6 Stunden verzögern)Konsens
Kleidung1-2 Kleidungsschichten mehr als Erwachsene + MützeKonsens
StillenAusschließliches Stillen von Geburt an bis zum 6. LebensmonatStarke Empfehlung

Versorgung der Mutter

Klinische Überwachung

Die Überwachung der Mutter zielt auf die Früherkennung von Komplikationen wie postpartalen Blutungen (PPH), Infektionen und hypertensiven Erkrankungen ab.

ZeitraumZu prüfende Parameter
Erste 24 StundenVaginale Blutung, Uteruskontraktion, Fundusstand, Temperatur, Puls (regelmäßig ab der 1. Stunde). Blutdruck kurz nach Geburt und innerhalb von 6h. Urinausscheidung innerhalb von 6h.
Ab 24 StundenMiktion, Stuhlgang, Wundheilung (Damm), Kopfschmerzen, Erschöpfung, Rückenschmerzen, Brustschmerzen, Lochien.
Tag 10-14Evaluation auf "Maternal Blues" (vorübergehende postpartale Verstimmung). Bei Persistenz: Abklärung auf postpartale Depression.

Medikamentöse Prophylaxe

  • Antibiotika bei Dammriss: Bei einem Dammriss 3. oder 4. Grades nach Vaginalgeburt wird eine Antibiotikaprophylaxe zur Vermeidung von Wundkomplikationen empfohlen (Starke Empfehlung).
  • Keine Routine-Antibiotika: Eine routinemäßige Antibiotikagabe bei unkomplizierter Vaginalgeburt zur Prävention einer Endometritis wird nicht empfohlen (Starke Empfehlung).
  • Eisen und Folsäure: Die Supplementierung sollte für mindestens drei Monate nach der Geburt fortgeführt werden (Konsens).

Beratung und psychosoziale Unterstützung

Mütter sollten über physiologische Erholungsprozesse und Warnzeichen (PPH, Präeklampsie, Infektion, Thromboembolie) aufgeklärt werden. Zur Prävention der postpartalen Depression wird bei Hochrisikopatientinnen eine psychosoziale Unterstützung durch geschultes Personal empfohlen (Schwache Empfehlung). Ein routinemäßiges formelles Debriefing für alle Frauen wird hingegen nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie das erste Baden des Neugeborenen auf mindestens 24 Stunden nach der Geburt, um Auskühlung zu vermeiden, und fördern Sie konsequentes Rooming-in (24h/Tag).

Häufig gestellte Fragen

Nach einer unkomplizierten Vaginalgeburt in einer Klinik sollten Mutter und Kind für mindestens 24 Stunden überwacht werden.
Dazu gehören Trinkschwäche, Krämpfe, Atemfrequenz ≥ 60/min, schwere Einziehungen, fehlende Spontanmotorik, Fieber (≥ 37,5 °C), Hypothermie (< 35,5 °C) sowie Gelbsucht in den ersten 24 Stunden.
Eine routinemäßige Gabe wird nicht empfohlen. Bei einem Dammriss 3. oder 4. Grades ist sie jedoch zur Prävention von Wundkomplikationen stark empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt die Fortführung der Supplementierung für mindestens drei Monate nach der Geburt.

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