Zink in der Schwangerschaft: WHO-Leitlinie (2021)
📋Auf einen Blick
- •Die WHO empfiehlt keine routinemäßige Zinksupplementierung für schwangere Frauen.
- •Eine Zinkgabe wird ausschließlich im Rahmen strenger Forschungsstudien empfohlen.
- •Die aktuelle Evidenz zeigt keinen signifikanten Nutzen von Zinkpräparaten auf mütterliche oder fetale Outcomes wie Präeklampsie oder Frühgeburten.
- •Schwangere sollten ihren Zinkbedarf primär über eine gesunde und ausgewogene Ernährung decken.
- •Routinemäßig eingenommene Eisen- und Kalziumpräparate können die Zinkabsorption hemmen.
Hintergrund
Zink ist ein essenzielles Spurenelement, das eine wichtige Rolle für das menschliche Wachstum, die Entwicklung und das Immunsystem spielt. In der Schwangerschaft verdoppelt sich der physiologische Zinkbedarf im dritten Trimenon und verdreifacht sich während der Stillzeit. Ein Zinkmangel wird theoretisch mit Komplikationen wie verlängerter Wehentätigkeit, postpartalen Blutungen, Präeklampsie und Frühgeburten in Verbindung gebracht. Dennoch ist die klinische Evidenz für eine routinemäßige Supplementierung unzureichend.
Empfehlung zur Zinksupplementierung
Die WHO spricht sich gegen eine generelle Gabe von Zinkpräparaten in der Schwangerschaft aus.
- Kernaussage: Eine Zinksupplementierung für schwangere Frauen wird nur im Kontext strenger Forschungsstudien empfohlen.
- Schwangere Frauen sollten stattdessen ermutigt und unterstützt werden, eine adäquate Nährstoffversorgung durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung sicherzustellen.
Evidenz zu mütterlichen und fetalen Outcomes
Die aktualisierte Evidenz basiert auf 25 randomisiert-kontrollierten Studien mit über 18.000 schwangeren Frauen. Die Daten zeigen, dass eine Zinksupplementierung im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung keinen signifikanten klinischen Nutzen bringt:
| Outcome | Effekt der Zinksupplementierung | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Präeklampsie | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 0,93) | Niedrig |
| Mütterliche Infektionen | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 0,94) | Niedrig |
| Small for Gestational Age (SGA) | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 1,02) | Moderat |
| Niedriges Geburtsgewicht | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 0,94) | Moderat |
| Frühgeburt (< 37 Wochen) | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 0,90) | Moderat |
| Perinatale Mortalität | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 1,10) | Niedrig |
Interaktionen und Ernährung
Die WHO empfiehlt für alle Schwangeren routinemäßig Eisen- und Folsäurepräparate (30-60 mg Eisen) sowie in bestimmten Fällen Kalzium. Es ist zu beachten, dass diese Supplemente mit Zink um die Absorption konkurrieren und dessen Bioverfügbarkeit verringern können. Zukünftige Forschungsarbeiten sollen klären, wie sich die gleichzeitige Gabe dieser Standardpräparate auf den Zinkstatus auswirkt.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf eine routinemäßige Zinksupplementierung bei Schwangeren. Klären Sie stattdessen über eine ausgewogene Ernährung auf und beachten Sie mögliche Absorptionshemmungen durch verordnete Eisen- und Kalziumpräparate.