COVID-19: Risiko & Management bei Personal (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Exposition umfasst direkte Pflege, Kontakt <1 Meter, Präsenz bei Aerosol-generierenden Prozeduren (AGP) oder Kontakt mit der Patientenumgebung.
- •Ein hohes Infektionsrisiko besteht bei unzureichender PSA-Nutzung, mangelnder Händehygiene oder Unfällen mit biologischem Material.
- •Hochrisiko-Personal muss die Patientenversorgung für 14 Tage einstellen, getestet werden und in Quarantäne gehen.
- •Niedrigrisiko-Personal kann weiterarbeiten, muss aber 14 Tage lang Temperatur und Symptome selbst überwachen.
Hintergrund
Medizinisches Personal hat ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem COVID-19-Virus. Die WHO-Leitlinie dient der Risikobewertung und dem Management von Mitarbeitern, die Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Patienten hatten. Ziel ist es, das Infektionsrisiko zu kategorisieren und entsprechende Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) einzuleiten.
Expositionskriterien
Eine Exposition liegt vor, wenn das Personal mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt:
- Direkte Pflege eines bestätigten COVID-19-Patienten
- Face-to-Face-Kontakt (Abstand < 1 Meter)
- Anwesenheit bei Aerosol-generierenden Prozeduren (AGP) (z. B. Intubation, Bronchoskopie, Reanimation)
- Direkter Kontakt mit der Patientenumgebung (z. B. Bett, Geräte)
Risikoklassifikation
Die Einstufung erfolgt basierend auf der Einhaltung der Schutzmaßnahmen und möglichen Zwischenfällen.
| Risikogruppe | Definition & Kriterien |
|---|---|
| Hohes Risiko | PSA nicht immer wie empfohlen getragen; mangelhafte Händehygiene; Flächen nicht mind. 3x täglich dekontaminiert; Unfall mit biologischem Material (z. B. Spritzer in Schleimhäute, Nadelstichverletzung). |
| Niedriges Risiko | Alle anderen exponierten Mitarbeiter (konsequente Einhaltung aller IPC-Maßnahmen, keine Unfälle). |
Management nach Risikogruppe
Das klinische Management des Personals richtet sich strikt nach der ermittelten Risikokategorie.
| Risikogruppe | Empfohlene Maßnahmen |
|---|---|
| Hohes Risiko | - Stopp der Patientenversorgung für 14 Tage nach letzter Exposition<br>- Testung auf COVID-19<br>- Quarantäne für 14 Tage<br>- Psychosoziale Unterstützung und Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber<br>- IPC-Auffrischungstraining vor Rückkehr |
| Niedriges Risiko | - Tägliche Selbstüberwachung (Temperatur, Symptome) für 14 Tage<br>- Meldung bei Symptomentwicklung<br>- Strikte Einhaltung der WHO 5 Momente der Händehygiene<br>- Korrekte Nutzung der PSA und Atemhygiene |
Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Für die Einstufung in das niedrige Risiko muss die PSA in >95% der Fälle korrekt angewendet und gewechselt worden sein. Bei Aerosol-generierenden Prozeduren (AGP) umfasst die zwingend erforderliche PSA:
- Einmalhandschuhe
- N95-Maske (oder äquivalenter Atemschutz)
- Gesichtsschutz oder Schutzbrille
- Einwegkittel
- Wasserdichte Schürze
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei jedem Mitarbeiter nach COVID-19-Exposition eine strukturierte Risikobewertung durch. Bei Unfällen mit biologischem Material oder unzureichender PSA-Nutzung muss das Personal zwingend für 14 Tage von der Patientenversorgung freigestellt werden.