COVID-19 bei Gesundheitspersonal: WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Gesundheitspersonal kann sich nicht nur bei der Patientenversorgung, sondern auch im privaten Umfeld oder in Gemeinschaftsbereichen mit COVID-19 infizieren.
- •Ein Cluster ist definiert als mindestens zwei Fälle aus derselben Einrichtung oder demselben Wohngebiet mit Symptombeginn innerhalb von zwei Wochen.
- •Die Untersuchung der spezifischen Infektionswege ist entscheidend, um gezielte Reaktionsstrategien (z.B. IPC-Schulungen, Schließung von Kantinen) einzuleiten.
Hintergrund
Gesundheitspersonal (HCW) hat ein hohes Risiko, sich durch infizierte Patienten mit COVID-19 anzustecken. Erkrankungen oder Quarantäne des Personals können zu Engpässen führen und die Gesundheitsversorgung gefährden. Zudem können infizierte Mitarbeiter als Überträger innerhalb von Einrichtungen fungieren. Infektionen erfolgen jedoch nicht nur bei der direkten Patientenversorgung, sondern auch in Gemeinschaftsbereichen oder im privaten Umfeld.
Überwachung und Erkennung
Ein gezieltes Überwachungssystem für Gesundheitspersonal ist essenziell. Zum Gesundheitspersonal zählen alle an der Versorgung beteiligten Personen, einschließlich ärztlichem und pflegerischem Personal, Verwaltungsangestellten und kommunalen Gesundheitshelfern.
Überwachungsdaten sollten täglich auf Fälle oder Cluster geprüft werden.
- Cluster-Definition: Mindestens zwei Fälle aus derselben Einrichtung oder demselben Wohngebiet mit Symptombeginn innerhalb von zwei Wochen.
Untersuchung von Infektionswegen
Bei der Erkennung eines Falles oder Clusters müssen alle potenziellen Infektionswege in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden untersucht werden:
- Gleicher Arbeitsbereich: Verdacht auf nosokomiale Übertragung durch bekannte oder unbekannte COVID-19-Patienten.
- Unterschiedliche Arbeitsbereiche: Verdacht auf Übertragung in Gemeinschaftsbereichen mit hoher sozialer Interaktion (z.B. Kantine, Lobby) oder auf dem Arbeitsweg.
- Kein Kontakt zu COVID-19-Patienten: Ausbruchsuntersuchung zur Identifikation anderer Infektionswege.
- Cluster in verschiedenen Einrichtungen: Verdacht auf Übertragung in der Gemeinde. Dies kann ein Frühindikator für eine großflächige kommunale Übertragung sein.
Reaktionsstrategien
Abhängig vom identifizierten Infektionsweg sollten spezifische Präventions- und Reaktionsstrategien angewendet werden:
| Infektionsweg | Implikation | Präventionsstrategie |
|---|---|---|
| Nach Behandlung von bekannten COVID-19-Patienten | Verstoß gegen IPC-Protokolle (z.B. falsche Nutzung von Schutzausrüstung) | IPC-Maßnahmen verstärken, Auffrischungsschulungen, Risikobewertung |
| Im gleichen Bereich durch Non-COVID-19-Patienten | Unzureichendes Screening oder mangelnde IPC-Adhärenz | Allgemeine IPC-Maßnahmen stärken, Triage-Strategien anpassen |
| Kontakt in Gemeinschaftsbereichen | Übertragung in Kantine, Lobby oder Shuttlebus | Gezielte Desinfektion, Social Distancing verbessern, ggf. Bereiche schließen |
| Verschiedene Einrichtungen (gleiche Gemeinde) | Lokalisierte Übertragung in der Gemeinde | Social Distancing im Privatleben, alternative Unterkünfte/Transportmittel prüfen |
| Verschiedene Einrichtungen (verschiedene Gemeinden) | Großflächige Übertragung in der Gemeinde | Wochenbasierte Schichten mit Unterkunft erwägen, regelmäßige Testung |
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei Infektionsclustern beim Personal nicht nur auf die direkte Patientenversorgung: Oft finden Übertragungen in Pausenräumen, Kantinen oder bei gemeinsamen Fahrten statt.