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WHO2024

Infektiöse Diarrhö in Kliniken: Leitlinie (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Screening aller Patienten auf Diarrhö-Symptome beim Erstkontakt in der Gesundheitseinrichtung.
  • Bei Verdacht auf infektiöse Diarrhö ist eine sofortige Kontaktisolierung (bevorzugt im Einzelzimmer) indiziert.
  • Händewaschen mit Wasser und Seife ist bei C. difficile, Norovirus und Cholera dem alkoholischen Händedesinfektionsmittel vorzuziehen.
  • Die Umgebungsreinigung muss mindestens zweimal täglich erfolgen, gefolgt von einer Desinfektion (z. B. 0,5 % Natriumhypochlorit).
  • Ein Verdacht auf eine nosokomiale Infektion (HAI) besteht bei Einsetzen der Diarrhö >48 Stunden nach Aufnahme ohne nicht-infektiöse Ursache.
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Hintergrund

Diarrhö ist definiert als das Absetzen von drei oder mehr ungeformten oder flüssigen Stühlen pro Tag. In Gesundheitseinrichtungen führen nosokomiale Infektionen (HAI) mit Erregern wie Clostridioides difficile, Norovirus, Rotavirus, Salmonella spp., Shigella spp. und Vibrio cholerae zu erhöhter Morbidität und Mortalität. Die Übertragung erfolgt primär fäkal-oral über kontaminiertes Wasser, Lebensmittel, Hände oder Oberflächen.

WASH-Mindeststandards (Wasser, Sanitär, Hygiene)

Eine funktionierende Infrastruktur ist die Basis der Infektionsprävention.

BereichAnforderungBemerkung
Wasserbedarf40–60 Liter/Patient/TagMindestens 2 Tage Notfallreserve vorhalten
Chlorierung0,2–0,5 mg/L freies ChlorTägliche Messung an den Entnahmestellen
Toiletten1 Toilette pro 20 NutzerGetrennt für Personal/Patienten sowie m/w

Händehygiene

Die Händehygiene erfolgt nach den "5 Momenten der Händehygiene" der WHO.

MethodeIndikationBesonderheiten bei infektiöser Diarrhö
Alkoholische Desinfektion (ABHR)Unverschmutzte Hände, StandardversorgungNicht ausreichend bei C. difficile, Norovirus, Cholera
Wasser und SeifeSichtbar verschmutzte HändeZwingend bevorzugt bei C. difficile, Norovirus, Cholera

Isolierung und Schutzausrüstung (PPE)

Jeder Patient muss beim Erstkontakt auf Diarrhö-Symptome gescreent werden. Bei Verdacht auf eine infektiöse Diarrhö gelten folgende Maßnahmen:

  • Unterbringung: Bevorzugt im Einzelzimmer mit eigener Toilette.
  • Kohortierung: Nur bei Platzmangel und laborbestätigt gleichem Erreger (Mindestabstand 1 Meter zwischen den Betten).
  • Dauer der Isolierung: Aufhebung nach klinischem Ermessen (z. B. Patient ist stuhlkontinent, kein Erbrechen seit 48 Stunden, Stuhlfrequenz auf Ausgangsniveau).
MaßnahmeIndikationErforderliche Schutzausrüstung
StandardhygieneAlle PatientenNach individueller Risikobewertung
KontaktisolierungVerdacht auf / bestätigte infektiöse DiarrhöKittel/Schürze (flüssigkeitsabweisend), Handschuhe
Erweiterter SchutzRisiko für Spritzer, ErbrechenZusätzlich medizinische Maske und Augenschutz

Reinigung und Desinfektion

Patientenzimmer müssen mindestens zweimal täglich gereinigt und desinfiziert werden. Die Reinigung erfolgt systematisch von sauberen zu schmutzigen Bereichen.

Indikation / OberflächeDesinfektionsmittelKonzentrationEinwirkzeit
Standard (Erreger unbekannt)Natriumhypochlorit0,5 % (5000 ppm)10 Minuten
Cholera (nicht-poröse Flächen)Natriumhypochlorit0,2 % (2000 ppm)10 Minuten
Cholera (poröse Flächen)Natriumhypochlorit2,0 % (20000 ppm)10 Minuten

Hinweis: Sprüh- oder Nebelverfahren ("no-touch") zur Flächendesinfektion werden nicht empfohlen.

Wäschemanagement

Kontaminierte Wäsche muss mit minimaler Bewegung in auslaufsicheren Säcken transportiert werden.

  • Maschinenwäsche: Voller Waschzyklus (20–30 Minuten) bei 60–90 °C.
  • Manuelle Wäsche: Bei fehlender Maschine in 0,05 % Natriumhypochlorit (500 ppm) für 30 Minuten einweichen, danach mit klarem Wasser spülen.

Lebensmittelsicherheit

  • Speisen müssen auf mindestens 70 °C erhitzt werden.
  • Warmhaltung bei >60 °C, Kühlung bei <5 °C.
  • Gekochte Speisen maximal 2 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen.
  • Personal mit Diarrhö-Symptomen darf bis 48 Stunden nach Symptomfreiheit nicht im Lebensmittelbereich arbeiten.

Nosokomiale Infektionen (HAI)

Ein Verdacht auf eine nosokomiale Diarrhö besteht, wenn:

  • Akute wässrige oder blutige Diarrhö mehr als 48 Stunden nach stationärer Aufnahme beginnt.
  • Keine nicht-infektiöse Ursache (z. B. neue Medikamente, Laxanzien, enterale Ernährung) identifizierbar ist.

💡Praxis-Tipp

Bevorzugen Sie bei Verdacht auf C. difficile, Norovirus oder Cholera stets das Händewaschen mit Wasser und Seife, da alkoholische Händedesinfektionsmittel hier unzureichend wirken.

Häufig gestellte Fragen

Wenn akute wässrige oder blutige Diarrhö mehr als 48 Stunden nach der stationären Aufnahme beginnt und keine nicht-infektiöse Ursache vorliegt.
Generell alkoholische Händedesinfektion, aber bei C. difficile, Norovirus und Cholera ist Händewaschen mit Wasser und Seife zwingend vorzuziehen.
Standardmäßig 0,5 % (5000 ppm) für 10 Minuten. Bei Cholera-Ausbrüchen 0,2 % für nicht-poröse und 2 % für poröse Oberflächen.
Wenn der Patient stuhlkontinent ist, seit 48 Stunden kein unkontrolliertes Erbrechen auftrat oder die Stuhlfrequenz auf das Ausgangsniveau zurückgekehrt ist.

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