COVID-19 bei Gesundheitspersonal: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Gesundheitspersonal hat ein erhöhtes Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen und macht ca. 14 % der weltweiten Fälle aus.
- •Prävention erfordert eine Kombination aus Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie Arbeitsschutzmaßnahmen (OHS).
- •Die syndromische Überwachung (aktiv oder passiv) ist entscheidend für die Früherkennung von Infektionen beim Personal.
- •Nach einer Exposition erfolgt die Einstufung in niedrige oder hohe Risikokategorien mit entsprechenden Quarantäne- und Teststrategien.
- •Die Rückkehr an den Arbeitsplatz (Return-to-Work) ist bei symptomatischen Personen 10 Tage nach Symptombeginn plus 3 symptomfreie Tage möglich.
Hintergrund
Gesundheitspersonal hat ein erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Laut WHO-Daten machen sie etwa 14 % der gemeldeten COVID-19-Fälle aus. Übertragungen finden sowohl in Akut- und Langzeitpflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Umfeld statt. Die Prävention erfordert einen integrierten Ansatz aus Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie Arbeitsschutzmaßnahmen (OHS).
Prävention am Arbeitsplatz
Alle Gesundheitseinrichtungen sollten IPC- und OHS-Programme etablieren. Zu den Kernmaßnahmen gehören:
- Triage und Quellkontrolle: Frühzeitige Erkennung und Isolierung von Verdachtsfällen.
- Standard- und Zusatzmaßnahmen: Händehygiene, Umgebungsreinigung, Tröpfchen- und Kontaktisolierung sowie luftgetragene Vorsichtsmaßnahmen bei aerosolgenerierenden Prozeduren (AGP).
- Universelles Maskentragen: Medizinische Masken für das gesamte Personal in Gesundheitseinrichtungen, auch in Pausenräumen.
- Administrative Kontrollen: Ausreichende Personalausstattung, sichere Patientenschlüssel, angemessene Schicht- und Ruhezeiten.
- Schulungen: Regelmäßiges Training zu IPC-Maßnahmen und korrektem Gebrauch der persönlichen Schutzausrüstung (PSA).
Syndromische Überwachung
Die Früherkennung von Infektionen beim Personal ist essenziell. Symptome wie Fieber, trockener Husten, Myalgie, Arthralgie, Fatigue, Kopfschmerzen, Atemnot sowie Geruchs- und Geschmacksverlust (Anosmie/Ageusie) müssen überwacht werden.
| Übertragungsszenario | Art der Überwachung | Möglicher Ansatz |
|---|---|---|
| Keine/sporadische Fälle | Passiv | Personal meldet Symptome selbstständig an den Arbeitsschutz. |
| Fallcluster | Passiv (ggf. aktiv) | Selbstmeldung; bei ausreichenden Ressourcen aktives Monitoring. |
| Kommunale Übertragung | Aktiv | Aktives Screening (inkl. Temperaturmessung) zu Beginn jeder Schicht. |
Teststrategien
Die Testung von Gesundheitspersonal sollte risikobasiert erfolgen. In ressourcenlimitierten Settings mit kommunaler Übertragung sollte das Personal bei der Testung priorisiert werden.
| Einrichtung | Szenario | Zielgruppe für Testungen |
|---|---|---|
| Akutversorgung | Keine/sporadische Fälle | Symptomatisches Personal; Kontaktpersonen von bestätigten Fällen. |
| Akutversorgung | Cluster/Kommunale Übertragung | Symptomatisches Personal; Kontaktpersonen; Personal in Hochrisikobereichen (z. B. Triage, COVID-19-Stationen). |
| Langzeitpflege | Alle Szenarien | Symptomatisches Personal; Kontaktpersonen; Alle Mitarbeiter, sobald ein positiver Fall (Bewohner/Personal) auftritt. |
Management nach Exposition
Ein fehlerverzeihendes ("blame-free") Meldesystem für berufliche und private Expositionen ist zwingend erforderlich. Die Maßnahmen richten sich nach dem Risiko der Exposition:
| Expositionsrisiko | Kriterien | Maßnahmen (asymptomatisch) | Maßnahmen (symptomatisch) |
|---|---|---|---|
| Niedrig | Direkte Versorgung mit korrekter PSA; Kontakt zu positivem Kollegen mit Maske. | Weiterarbeiten unter Einhaltung der IPC-Maßnahmen; Selbstbeobachtung für 14 Tage; Testung bei Kapazität. | Sofortige Isolation; Testung auf SARS-CoV-2; Kontaktverfolgung. |
| Hoch | Versorgung ohne/mit fehlerhafter PSA; AGP ohne PSA; Kontakt zu positivem Kollegen ohne Maske (>15 Min, <1m); Nadelstichverletzung. | 14 Tage Quarantäne ab letzter Exposition; Arbeitsfreistellung; Testung auf SARS-CoV-2. | Sofortige Isolation; Testung auf SARS-CoV-2; Kontaktverfolgung. |
Rückkehr an den Arbeitsplatz (Return-to-Work)
Für Personal, das an COVID-19 erkrankt war, gelten folgende Kriterien für die Aufhebung der Isolation:
- Symptomatische Personen: Frühestens 10 Tage nach Symptombeginn plus mindestens 3 weitere Tage ohne Symptome (inkl. Fieberfreiheit ohne Antipyretika).
- Asymptomatische Personen: 10 Tage nach dem ersten positiven Test.
Die Entscheidung zur Rückkehr sollte individuell unter Berücksichtigung des Einsatzbereiches (z. B. Arbeit mit immunsupprimierten Patienten) und der klinischen Erholung getroffen werden. Nach Rückkehr sind IPC-Schulungen aufzufrischen und die Selbstbeobachtung fortzusetzen.
💡Praxis-Tipp
Etablieren Sie eine fehlerverzeihende ('blame-free') Meldekultur für ungeschützte Expositionen, um die frühzeitige Erkennung von Clustern im Klinikalltag sicherzustellen und das Personal nicht zu stigmatisieren.