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WHO2020

SRMNCAH-Dienste während COVID-19: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Essenzielle SRMNCAH-Dienste müssen durch Telemedizin, Task-Shifting und strikte Infektionskontrolle aufrechterhalten werden.
  • Routine-Schwangerschaftsvorsorgen bei Niedrigrisiko-Schwangeren sollten reduziert oder telemedizinisch durchgeführt werden.
  • Stillen, Rooming-in und Haut-zu-Haut-Kontakt werden auch bei COVID-19-positiven Müttern unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen empfohlen.
  • Eine asymptomatische Begleitperson sollte während der Geburt zugelassen werden.
  • Der Zugang zu Kontrazeption, sicheren Schwangerschaftsabbrüchen und HIV-Medikamenten (Mehr-Monats-Bedarf) muss gesichert bleiben.
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Hintergrund

Die COVID-19-Pandemie führt zu einer massiven Belastung der Gesundheitssysteme. Dennoch müssen essenzielle Dienste für sexuelle, reproduktive, mütterliche, neugeborene, kindliche und jugendliche Gesundheit (SRMNCAH) aufrechterhalten werden. Die WHO fordert eine Reorganisation der Versorgung, um das Infektionsrisiko zu minimieren und gleichzeitig die Rechte und die Gesundheit von Frauen, Kindern und Jugendlichen zu schützen.

Reorganisation der Dienste

Um die Versorgung aufrechtzuerhalten und das Personal zu entlasten, empfiehlt die Leitlinie folgende strategische Anpassungen:

  • Telemedizin: Nutzung von Telefon- oder Videokonsultationen für Terminvergaben, klinische Beratung und Rezeptausstellungen.
  • Self-Care: Förderung der Selbstverwaltung von Medikamenten (z. B. orale Kontrazeptiva, medizinischer Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche, sofern legal).
  • Task-Shifting: Übertragung von Aufgaben an geschultes Gesundheitspersonal auf Gemeindeebene (z. B. Hausbesuche für Schwangeren- und Wochenbettbetreuung).

Triage und Patientenfluss

Eine strikte Trennung von potenziell infizierten und nicht-infizierten Patienten ist essenziell.

MaßnahmeUmsetzungBemerkung
Triage & ScreeningBei Ankunft in der KlinikNach nationalen COVID-19-Falldefinitionen
IsolationEigene Bereiche/ZimmerMindestens ein Unterdruckzimmer für positive Gebärende und Kinder (falls verfügbar)
TransportDedizierte KrankenwagenGetrennte Fahrzeuge für COVID-positive und -negative Patienten; strikte Desinfektion

Schwangerenvorsorge (ANC)

Die Schwangerenvorsorge muss an das individuelle Risiko angepasst werden, um unnötige Klinikaufenthalte zu vermeiden.

  • Niedrigrisiko-Schwangere: Reduzierung der Präsenztermine. Nutzung von Telemedizin für Beratungen.
  • Hochrisiko-Schwangere: Priorisierung der physischen Kontakte im letzten Trimenon.
  • COVID-19-Symptome: Verschiebung von Routine-Terminen bis nach der Isolationsphase (mindestens 3 Tage fieberfrei und 7 Tage nach Symptombeginn). Bei akuten Komplikationen: Behandlung in isolierten Räumen am Ende der Sprechstunde.

Geburtshilfe (Intrapartum Care)

Alle Frauen haben das Recht auf eine würdevolle und respektvolle Geburtshilfe, unabhängig von ihrem COVID-19-Status.

AspektEmpfehlung
BegleitpersonEine asymptomatische Person ist während der Wehen und der Geburt zugelassen.
EntbindungsmodusIndividuell nach geburtshilflicher Indikation. COVID-19 allein ist keine Sectio-Indikation.
Schutzausrüstung (PPE)Bei Sectio eines positiven Falls: Volle PPE für das gesamte OP-Team (hohes Aerosol-Risiko bei Intubation).
SteroideGabe zur fetalen Lungenreife bei Frühgeburtsbestrebungen ist auch bei COVID-19 indiziert.

Wochenbett (Postnatal Care)

Um eine Überbelegung der Kliniken zu vermeiden, kann eine frühe Entlassung erwogen werden, sofern die häusliche und telemedizinische Betreuung gesichert ist.

EntbindungsartFrühestmögliche EntlassungVoraussetzung
Unkomplizierte VaginalgeburtNach 6 StundenHäusliche Unterstützung & telemedizinische Betreuung gesichert
Normale VaginalgeburtNach 24 StundenStandardbedingung
Sectio caesareaNach 2 TagenJe nach klinischem Status der Mutter

Stillen und Neugeborenenversorgung

Stillen ist nicht kontraindiziert! Muttermilch überträgt nach aktuellem Stand kein SARS-CoV-2. Die Vorteile des Stillens überwiegen die potenziellen Infektionsrisiken deutlich.

  • Rooming-in & Haut-zu-Haut-Kontakt: Wird für alle Mütter und Neugeborenen empfohlen. Keine routinemäßige Trennung!
  • Hygienemaßnahmen für symptomatische Mütter:
    • Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind.
    • Tragen einer medizinischen Maske beim Stillen und Pflegen.
    • Regelmäßige Desinfektion von Kontaktflächen.
  • Schwerkranke Mütter: Unterstützung beim Abpumpen von Muttermilch unter Einhaltung der Hygieneregeln.

Kinder-, Jugend- und SRH-Medizin

  • Kinderheilkunde: Routineimpfungen und die Behandlung häufiger Kinderkrankheiten (Pneumonie, Diarrhö, Mangelernährung) müssen fortgeführt werden.
  • Familienplanung: Sicherstellung eines ununterbrochenen Zugangs zu Kontrazeptiva. Ausgabe von Vorräten für längere Zeiträume.
  • HIV-Versorgung: Ausgabe von antiretroviralen Medikamenten (ART) für mindestens 3 bis idealerweise 6 Monate (Multi-Month Dispensing), um Klinikbesuche zu reduzieren.
  • Geschlechtsspezifische Gewalt (GBV): Aufrechterhaltung von Schutz- und Beratungsangeboten, da häusliche Gewalt während Quarantänephasen signifikant ansteigt.

💡Praxis-Tipp

Trennen Sie COVID-19-positive Mütter nicht routinemäßig von ihren Neugeborenen. Fördern Sie das Stillen und Rooming-in unter strikten Hygienemaßnahmen (Maske, Händedesinfektion), da die Vorteile für das Kind die potenziellen Infektionsrisiken deutlich überwiegen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, Stillen wird ausdrücklich empfohlen. Die Mutter sollte dabei eine medizinische Maske tragen, sich vorab die Hände waschen und Oberflächen regelmäßig desinfizieren.
Nein, der Entbindungsmodus richtet sich ausschließlich nach geburtshilflichen Indikationen und den Präferenzen der Frau.
Ja, eine asymptomatische Begleitperson (meist ein Familienmitglied) sollte während der Wehen und der Geburt zugelassen werden.
Bei unkomplizierten Vaginalgeburten ist eine Entlassung bereits nach 6 Stunden möglich, sofern eine häusliche Unterstützung und eine telemedizinische Nachbetreuung gesichert sind.
Klinisch stabile Patienten sollten antiretrovirale Medikamente für mindestens 3, idealerweise für 6 Monate im Voraus erhalten (Multi-Month Dispensing).

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