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WHO2012

PrEP-Leitlinie: MSM & serodiskordante Paare (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Tägliche orale PrEP (TDF oder TDF/FTC) wird als zusätzliche Präventionsmaßnahme für den nicht-infizierten Partner in serodiskordanten Paaren empfohlen.
  • Für MSM und Transgender-Frauen wird die tägliche Einnahme von TDF/FTC als PrEP empfohlen.
  • Vor Beginn der PrEP muss der HIV-negative Status zwingend gesichert sein, um Resistenzbildungen zu vermeiden.
  • PrEP ist Teil einer Kombinationsprävention und ersetzt nicht die Nutzung von Kondomen.
  • Regelmäßige HIV-Testungen und die Überwachung der Nieren- und Knochenfunktion sind unter PrEP erforderlich.
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Hintergrund

Die orale Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit antiretroviralen Medikamenten ist ein vielversprechender Ansatz zur Prävention von HIV-Infektionen bei nicht-infizierten Personen. Diese WHO-Leitlinie fokussiert sich auf den täglichen Einsatz von PrEP bei zwei Hauptrisikogruppen: serodiskordanten Paaren sowie Männern und Transgender-Frauen, die Sex mit Männern haben (MSM-TG). PrEP soll stets als Ergänzung zu bestehenden Präventionsmaßnahmen (wie Kondomen) eingesetzt werden.

Empfehlungen zur PrEP

Die WHO spricht auf Basis von qualitativ hochwertiger Evidenz folgende bedingte Empfehlungen aus:

ZielgruppeEmpfohlenes RegimeEmpfehlungsgradEvidenzqualität
Serodiskordante Paare (heterosexuell)TDF oder TDF/FTC täglichBedingtHoch
Serodiskordante Paare (gleichgeschlechtlich)TDF/FTC täglichBedingtHoch
MSM und Transgender-FrauenTDF/FTC täglichBedingtHoch

Wichtig: Bei serodiskordanten Paaren sollte primär die frühzeitige antiretrovirale Therapie des infizierten Partners erwogen werden. PrEP für den uninfizierten Partner ist eine zusätzliche Option.

Klinische Evidenz

Die Empfehlungen basieren auf mehreren großen klinischen Studien, die die Wirksamkeit der PrEP belegen. Die Effektivität korreliert dabei stark mit der Therapieadhärenz.

StudiePopulationInterventionRisikoreduktion (Gesamt)Risikoreduktion (bei hoher Adhärenz)
iPrExMSM und Transgender-FrauenTDF/FTC44%90%
Partners PrEPSerodiskordante PaareTDF / TDF/FTC67% (TDF) / 75% (TDF/FTC)86% (TDF) / 90% (TDF/FTC)
TDF2Heterosexuelle Männer und FrauenTDF/FTC63%Nicht spezifiziert

Implementierung und Monitoring

Für die sichere und effektive Anwendung der PrEP in der Praxis müssen folgende Kernpunkte beachtet werden:

  • Ausschluss einer HIV-Infektion: Vor Beginn der PrEP muss der HIV-negative Status zwingend bestätigt werden, um die Entwicklung von Virusresistenzen bei einer unentdeckten akuten Infektion zu vermeiden.
  • Kombinationsprävention: PrEP ist eine Ergänzung und kein Ersatz für Kondome und die Behandlung anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI).
  • Sicherheitsmonitoring: Vorbestehende Nieren- oder Knochenerkrankungen müssen evaluiert werden. TDF/FTC kann zu einer leichten Abnahme der Knochendichte und Nierenfunktion führen.
  • Adhärenzförderung: Die Wirksamkeit der PrEP hängt maßgeblich von der täglichen Einnahme ab.
  • Regelmäßige Re-Testung: Periodische HIV-Tests sind notwendig, um Durchbruchsinfektionen zeitnah zu erkennen.
  • Management bei Serokonversion: Bei einer Infektion unter PrEP muss diese abgesetzt und eine vollständige antiretrovirale Therapie (inkl. Resistenztestung auf TDF/FTC) eingeleitet werden.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie vor jeder PrEP-Verschreibung eine akute HIV-Infektion sicher aus. Eine unentdeckte Infektion unter PrEP-Monotherapie führt rasch zu gefährlichen TDF/FTC-Resistenzen.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO empfiehlt die tägliche Einnahme von Tenofovir (TDF) allein oder in Kombination mit Emtricitabin (TDF/FTC) für heterosexuelle Paare. Für MSM und gleichgeschlechtliche Paare wird ausschließlich TDF/FTC empfohlen.
Bei hoher Adhärenz (tägliche Einnahme) reduziert die PrEP das Risiko einer HIV-Infektion um bis zu 90%.
TDF/FTC wird generell gut vertragen, kann aber zu einer leichten Abnahme der Knochenmineraldichte und einer Einschränkung der Nierenfunktion führen.
Nein. Die PrEP ist Teil einer Kombinationsprävention und schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs).

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