PrEP-Leitlinie: MSM & serodiskordante Paare (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Tägliche orale PrEP (TDF oder TDF/FTC) wird als zusätzliche Präventionsmaßnahme für den nicht-infizierten Partner in serodiskordanten Paaren empfohlen.
- •Für MSM und Transgender-Frauen wird die tägliche Einnahme von TDF/FTC als PrEP empfohlen.
- •Vor Beginn der PrEP muss der HIV-negative Status zwingend gesichert sein, um Resistenzbildungen zu vermeiden.
- •PrEP ist Teil einer Kombinationsprävention und ersetzt nicht die Nutzung von Kondomen.
- •Regelmäßige HIV-Testungen und die Überwachung der Nieren- und Knochenfunktion sind unter PrEP erforderlich.
Hintergrund
Die orale Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit antiretroviralen Medikamenten ist ein vielversprechender Ansatz zur Prävention von HIV-Infektionen bei nicht-infizierten Personen. Diese WHO-Leitlinie fokussiert sich auf den täglichen Einsatz von PrEP bei zwei Hauptrisikogruppen: serodiskordanten Paaren sowie Männern und Transgender-Frauen, die Sex mit Männern haben (MSM-TG). PrEP soll stets als Ergänzung zu bestehenden Präventionsmaßnahmen (wie Kondomen) eingesetzt werden.
Empfehlungen zur PrEP
Die WHO spricht auf Basis von qualitativ hochwertiger Evidenz folgende bedingte Empfehlungen aus:
| Zielgruppe | Empfohlenes Regime | Empfehlungsgrad | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Serodiskordante Paare (heterosexuell) | TDF oder TDF/FTC täglich | Bedingt | Hoch |
| Serodiskordante Paare (gleichgeschlechtlich) | TDF/FTC täglich | Bedingt | Hoch |
| MSM und Transgender-Frauen | TDF/FTC täglich | Bedingt | Hoch |
Wichtig: Bei serodiskordanten Paaren sollte primär die frühzeitige antiretrovirale Therapie des infizierten Partners erwogen werden. PrEP für den uninfizierten Partner ist eine zusätzliche Option.
Klinische Evidenz
Die Empfehlungen basieren auf mehreren großen klinischen Studien, die die Wirksamkeit der PrEP belegen. Die Effektivität korreliert dabei stark mit der Therapieadhärenz.
| Studie | Population | Intervention | Risikoreduktion (Gesamt) | Risikoreduktion (bei hoher Adhärenz) |
|---|---|---|---|---|
| iPrEx | MSM und Transgender-Frauen | TDF/FTC | 44% | 90% |
| Partners PrEP | Serodiskordante Paare | TDF / TDF/FTC | 67% (TDF) / 75% (TDF/FTC) | 86% (TDF) / 90% (TDF/FTC) |
| TDF2 | Heterosexuelle Männer und Frauen | TDF/FTC | 63% | Nicht spezifiziert |
Implementierung und Monitoring
Für die sichere und effektive Anwendung der PrEP in der Praxis müssen folgende Kernpunkte beachtet werden:
- Ausschluss einer HIV-Infektion: Vor Beginn der PrEP muss der HIV-negative Status zwingend bestätigt werden, um die Entwicklung von Virusresistenzen bei einer unentdeckten akuten Infektion zu vermeiden.
- Kombinationsprävention: PrEP ist eine Ergänzung und kein Ersatz für Kondome und die Behandlung anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI).
- Sicherheitsmonitoring: Vorbestehende Nieren- oder Knochenerkrankungen müssen evaluiert werden. TDF/FTC kann zu einer leichten Abnahme der Knochendichte und Nierenfunktion führen.
- Adhärenzförderung: Die Wirksamkeit der PrEP hängt maßgeblich von der täglichen Einnahme ab.
- Regelmäßige Re-Testung: Periodische HIV-Tests sind notwendig, um Durchbruchsinfektionen zeitnah zu erkennen.
- Management bei Serokonversion: Bei einer Infektion unter PrEP muss diese abgesetzt und eine vollständige antiretrovirale Therapie (inkl. Resistenztestung auf TDF/FTC) eingeleitet werden.
💡Praxis-Tipp
Schließen Sie vor jeder PrEP-Verschreibung eine akute HIV-Infektion sicher aus. Eine unentdeckte Infektion unter PrEP-Monotherapie führt rasch zu gefährlichen TDF/FTC-Resistenzen.