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WHO2022

Cabotegravir (CAB-LA) zur HIV-PrEP: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • CAB-LA wird als zusätzliche PrEP-Option für Personen mit erheblichem HIV-Risiko empfohlen.
  • Die Dosierung beträgt 600 mg intramuskulär, initial im Abstand von 4 Wochen, danach alle 8 Wochen.
  • In Studien zeigte CAB-LA eine 79%ige Risikoreduktion im Vergleich zur oralen PrEP, primär durch bessere Adhärenz.
  • Vor jeder Injektion muss zwingend ein HIV-Test erfolgen, um Resistenzen bei unerkannter Infektion zu vermeiden.
  • Bei behandlungsbedürftiger Hepatitis B ist eine TDF-basierte orale PrEP vorzuziehen.
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Hintergrund

Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist ein zentraler Baustein der HIV-Prävention. Bisher empfahl die WHO die orale PrEP (TDF-basiert) sowie den Dapivirin-Vaginalring (DVR). Da die tägliche Tabletteneinnahme für viele Anwender eine Hürde darstellt, wurde langwirksames injizierbares Cabotegravir (CAB-LA) als neue Methode evaluiert. Die vorliegende WHO-Leitlinie bewertet die Evidenz und gibt Empfehlungen zum Einsatz von CAB-LA.

Empfehlung und Dosierung

Die WHO spricht eine bedingte Empfehlung (moderate Evidenz) aus: Langwirksames injizierbares Cabotegravir (CAB-LA) kann als zusätzliche Präventionsoption für Personen mit erheblichem HIV-Infektionsrisiko im Rahmen von Kombinationspräventionsansätzen angeboten werden.

CAB-LA ist ein Integrase-Strangtransfer-Inhibitor (INSTI). Das Dosierungsschema gestaltet sich wie folgt:

PhaseZeitpunktDosis und Applikation
InitialphaseMonat 0 und Monat 1 (4 Wochen Abstand)600 mg intramuskulär
ErhaltungsphaseAlle 8 Wochen600 mg intramuskulär

Wirksamkeit und Adhärenz

Zwei große randomisierte kontrollierte Studien (HPTN 083 und HPTN 084) zeigten eine hohe Wirksamkeit von CAB-LA.

ParameterCAB-LAOrale PrEP (TDF/FTC)
Relative Risikoreduktion79 % (gepoolt)Referenz
Adhärenz (Studien)> 92 % der Injektionen zeitgerechtHäufig unzureichend (< 2 Dosen/Woche)

Die Überlegenheit von CAB-LA in den Studien wird primär auf die deutlich bessere Adhärenz bei der Injektionstherapie im Vergleich zur täglichen Tabletteneinnahme zurückgeführt.

Sicherheit und Nebenwirkungen

CAB-LA gilt als sicher und gut verträglich. Schwere unerwünschte Ereignisse traten in den Studien bei nur 2 bis 5,3 % der Teilnehmer auf und unterschieden sich nicht signifikant von der Kontrollgruppe.

  • Reaktionen an der Einstichstelle (ISR): Sehr häufig (bis zu 81,5 % in HPTN 083), jedoch meist mild. Die Raten nahmen im Studienverlauf ab. Abbrüche aufgrund von ISR waren selten (2,4 %).
  • Gewichtszunahme: In einer Studie wurde eine leicht erhöhte jährliche Gewichtszunahme unter CAB-LA beobachtet (1,23 kg vs. 0,37 kg unter TDF/FTC).
  • Hepatotoxizität: In seltenen Fällen wurde Hepatotoxizität berichtet. Bei bestätigter Hepatotoxizität sollte CAB-LA abgesetzt werden.

Diagnostik und Monitoring

Ein zentrales Risiko bei der Anwendung von CAB-LA ist die Entwicklung von INSTI-Resistenzen (z. B. Kreuzresistenzen gegen Dolutegravir), falls die PrEP bei einer unerkannten HIV-Infektion fortgeführt wird oder eine Infektion in der pharmakokinetischen "Tail"-Phase (nach Absetzen) auftritt.

MaßnahmeZeitpunktEmpfehlung der WHO
HIV-TestVor Initiierung & vor jeder InjektionNationale Testalgorithmen (Serologie) nutzen. NAT kann erwogen werden, ist aber nicht zwingend.
HBV/HCV-SerologieVor InitiierungBei behandlungsbedürftiger HBV-Infektion ist eine TDF-basierte orale PrEP zu bevorzugen.
Leberwerte (ALT)Vor und während der NutzungInjektionen nicht wegen ausstehender Laborwerte verzögern.

Spezielle Patientengruppen

  • Hepatitis B (HBV): CAB-LA ist nicht gegen HBV wirksam. Personen, die eine HBV-Therapie benötigen, sollten eine TDF-basierte orale PrEP erhalten.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Bisherige, limitierte Daten zeigen keine erhöhten Raten an angeborenen Fehlbildungen oder schwangerschaftsbedingten Komplikationen. Eine Anwendung kann unter Monitoring erwogen werden.
  • Schlüsselpopulationen: Die Studien schlossen MSM, Transfrauen und Cis-Frauen ein. Daten zu Personen, die Drogen injizieren (PWID), und Sexarbeitenden fehlen bislang weitgehend, ein Einsatz ist jedoch prinzipiell möglich.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie zwingend vor jeder einzelnen CAB-LA-Injektion einen HIV-Test durch. Verzögern Sie die Injektionen jedoch nicht wegen ausstehender Leberwerte, um den PrEP-Schutz lückenlos aufrechtzuerhalten.

Häufig gestellte Fragen

Die Dosis beträgt 600 mg intramuskulär. Die ersten beiden Injektionen erfolgen im Abstand von 4 Wochen, danach wird alle 8 Wochen injiziert.
Die 79%ige Risikoreduktion gegenüber der oralen PrEP (TDF/FTC) ist primär auf die deutlich bessere Adhärenz bei der Injektionstherapie zurückzuführen, da die tägliche Tabletteneinnahme entfällt.
Reaktionen an der Einstichstelle (Schmerzen, Empfindlichkeit) sind sehr häufig, verlaufen aber meist mild und führen nur selten zum Therapieabbruch. Zudem wurde eine leichte Gewichtszunahme beobachtet.
CAB-LA besitzt keine Wirksamkeit gegen das Hepatitis-B-Virus. Wenn eine Behandlungsindikation für HBV besteht, sollte stattdessen eine TDF-basierte orale PrEP gewählt werden.
Nach dem Absetzen von CAB-LA sinkt der Wirkstoffspiegel nur sehr langsam ab (Tail-Phase). In dieser Zeit besteht ein reduzierter Schutz vor HIV und ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Integrase-Inhibitor-Resistenzen, falls es zu einer Infektion kommt.

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