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WHO2025

Lenacapavir zur HIV-PrEP: Neue WHO-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Lenacapavir (LEN) wird als zusätzliche langwirksame HIV-PrEP (alle 26 Wochen subkutan) stark empfohlen.
  • Die Initiierung erfordert eine orale Aufsättigungsdosis (600 mg an Tag 1 und 2) parallel zur ersten Injektion.
  • HIV-Schnelltests (RDTs) werden für die Initiierung und Verlaufskontrolle der langwirksamen PrEP anstelle von NAT empfohlen.
  • LEN zeigt eine sehr hohe Wirksamkeit bei ähnlichem Sicherheitsprofil wie orale PrEP, jedoch mit häufigen lokalen Injektionsreaktionen.
  • Es gibt keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit geschlechtsangleichender Hormontherapie oder hormonellen Kontrazeptiva.
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Hintergrund

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in ihrer Leitlinie von 2025 den Einsatz von Lenacapavir (LEN) als zusätzliche Option zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

  • Starke Empfehlung, moderate bis hohe Evidenz: Langwirksames injizierbares Lenacapavir sollte als zusätzliche Präventionsoption für Personen mit HIV-Risiko im Rahmen von Kombinationspräventionsansätzen angeboten werden.

Die Empfehlung basiert auf den Studien PURPOSE 1 und PURPOSE 2, in denen LEN eine signifikante Reduktion der HIV-Akquisition im Vergleich zur Hintergrundinzidenz (96-100 % Wirksamkeit) und zur täglichen oralen PrEP (89-100 % Wirksamkeit) zeigte.

Dosierung und Verabreichung

Lenacapavir ist ein HIV-1-Kapsidinhibitor. Die Verabreichung erfolgt subkutan, erfordert jedoch eine initiale orale Aufsättigung.

StufeTherapieBemerkung
Tag 1600 mg oral (2x 300 mg) + 927 mg s.c. (2x 1,5 ml)Orale Aufsättigung und erste Injektion am selben Tag
Tag 2600 mg oral (2x 300 mg)Abschluss der oralen Aufsättigung
Erhaltung927 mg s.c. (2x 1,5 ml) alle 26 WochenZeitfenster: +/- 2 Wochen um den geplanten Termin

Wenn ein Patient nach mehr als 28 Wochen zur Erhaltungsinjektion erscheint und LEN fortsetzen möchte, muss die orale Aufsättigung (Tag 1 und 2) wiederholt werden.

Wirksamkeit und Sicherheit

Das Sicherheitsprofil von LEN ist vergleichbar mit dem der oralen PrEP (TDF/FTC).

  • Injektionsstellenreaktionen (ISRs): Treten häufig auf (z. B. Knötchen, Schmerzen, Erytheme), sind jedoch meist mild und nehmen im Laufe der Zeit ab.
  • Schwangerschaft: Bisherige Daten zeigen keine Zunahme von unerwünschten Schwangerschafts- oder Geburtsausgängen. Eine Dosisanpassung während der Schwangerschaft ist nicht erforderlich.
  • Resistenzen: Bei Durchbruchsinfektionen kann es zu Kapsidinhibitor-Resistenzmutationen (N74D) kommen. Da LEN "First-in-Class" ist, wird der aktuelle Public-Health-Impact als gering eingeschätzt.
  • Pharmakokinetischer Tail: LEN kann bis zu 12 Monate nach der letzten Injektion im Körper verbleiben. Bei Absetzen muss eine alternative HIV-Prävention angeboten werden, um Resistenzen in dieser Phase zu vermeiden.

HIV-Teststrategien für langwirksame PrEP

Die WHO spricht eine starke Empfehlung (sehr niedrige Evidenz) für die Verwendung von HIV-Schnelltests (RDTs) aus:

  • Empfehlung: RDTs können für die Initiierung, Fortführung und Beendigung der langwirksamen PrEP (LA-PrEP) verwendet werden.
  • Vorteile: RDTs sind kostengünstiger, ermöglichen schnellere Ergebnisse (Same-Day-Initiierung) und reduzieren Barrieren im Vergleich zu Nukleinsäuretests (NAT) oder laborbasierten Verfahren.
  • HIV-Selbsttests (HIVST): Für LA-PrEP gibt es derzeit noch unzureichende Evidenz für eine formelle Empfehlung, sie bleiben jedoch für orale PrEP und PEP empfohlen.

Arzneimittelinteraktionen

Lenacapavir wird minimal metabolisiert, ist jedoch ein moderater Inhibitor von CYP3A4.

WirkstoffklasseWirkstoffeInteraktion & Management
TuberkulostatikaRifampicin, Rifabutin, RifapentinInduktion von CYP3A4 reduziert LEN-Spiegel. Dosisanpassung/Vermeidung erforderlich.
AntikonvulsivaCarbamazepin, Phenobarbital, PhenytoinInduktion von CYP3A4 reduziert LEN-Spiegel. Dosisanpassung/Vermeidung erforderlich.
FreizeitdrogenKetaminLEN erhöht Ketamin-Spiegel (Gefahr von Atemdepression).
PDE-5-HemmerSildenafil, Tadalafil, VardenafilLEN erhöht Spiegel der PDE-5-Hemmer.
Geschlechtsangleichende HormoneEstradiol, TestosteronKeine klinisch relevante Interaktion. Keine Dosisanpassung nötig.
Hormonelle KontrazeptivaEthinylestradiol, Levonorgestrel u.a.Keine klinisch relevante Interaktion. Keine Dosisanpassung nötig.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie strikt auf das Zeitfenster von +/- 2 Wochen für die Erhaltungsinjektionen. Klären Sie Patienten über den 'pharmakokinetischen Tail' auf: Bei Absetzen von Lenacapavir muss zwingend eine alternative PrEP verordnet werden, da der Wirkstoff noch bis zu 12 Monate subtherapeutisch im Körper verbleibt.

Häufig gestellte Fragen

Die Erhaltungsdosis beträgt 927 mg subkutan alle 26 Wochen. Zu Beginn ist zwingend eine orale Aufsättigung mit 600 mg an Tag 1 und Tag 2 erforderlich.
Die WHO empfiehlt standardmäßige HIV-Schnelltests (RDTs) zur Initiierung und Verlaufskontrolle. Teure NAT- oder laborbasierte Tests sind nicht zwingend erforderlich.
Ja, bisherige Daten zeigen keine erhöhten Risiken für unerwünschte Schwangerschaftsausgänge. Pharmakokinetische Daten deuten darauf hin, dass keine Dosisanpassung erforderlich ist.
Nein, Lenacapavir zeigt keine klinisch bedeutsamen Interaktionen mit Testosteron- oder Estradiol-basierten Therapien. Eine Dosisanpassung ist nicht nötig.
Wenn die Injektion mehr als 28 Wochen nach der letzten Dosis erfolgt, muss die orale Aufsättigungsdosis (Tag 1 und 2) vor der nächsten Injektion wiederholt werden.

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