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WHO2024

HIV-PEP Leitlinie 2024 (WHO): Indikation & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die PEP sollte idealerweise innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch nach 72 Stunden begonnen werden.
  • Eine 3-Fach-Therapie wird bevorzugt, wobei TDF + 3TC (oder FTC) + DTG das Standardregime für Erwachsene ist.
  • Die Medikamente sollen direkt für die vollen 28 Tage verschrieben werden (keine Starter-Packs).
  • Neu: Die PEP-Abgabe soll auch im Community-Setting und durch Task-Sharing (z.B. Apotheker, Pflegekräfte) erfolgen.
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Hintergrund

Die HIV-Postexpositionsprophylaxe (PEP) ist eine medikamentöse Intervention mit antiretroviralen (ARV) Medikamenten, die nach einer potenziellen HIV-Exposition eingenommen wird, um eine Infektion zu verhindern. Die aktualisierte WHO-Leitlinie 2024 fokussiert sich neben den etablierten klinischen Empfehlungen stark auf den Abbau von Zugangsbarrieren durch dezentrale Versorgungsmodelle.

Indikation und Zeitfenster

Eine PEP sollte jeder Person mit bekannter oder vermuteter HIV-Exposition angeboten werden (z. B. Nadelstichverletzungen, ungeschützter Sexualkontakt, sexuelle Übergriffe).

  • Zeitfenster: Die PEP muss so schnell wie möglich begonnen werden, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch bis zu 72 Stunden nach der Exposition.
  • Keine Indikation: Wenn die exponierte Person bereits HIV-positiv ist, die Indexperson nachweislich HIV-negativ ist oder unter antiretroviraler Therapie eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hat.

Empfohlene Therapie-Regime

Obwohl ein Regime aus zwei ARV-Medikamenten wirksam ist, wird eine Dreifachtherapie bevorzugt (starke Empfehlung). Die Medikamente sollen direkt für die vollen 28 Tage verschrieben werden (keine Starter-Packs).

PatientengruppeBevorzugtes Basis-Regime (Backbone)Bevorzugtes 3. MedikamentAlternative 3. Medikamente
Erwachsene & JugendlicheTDF + 3TC (oder FTC)DTG (Dolutegravir)ATV/r, DRV/r, LPV/r, RAL
Kinder (<30 kg)ABC + 3TCDTG (in zugelassener Dosis)ATV/r, DRV/r, LPV/r, RAL

Hinweis: AZT + 3TC oder TDF + 3TC (oder FTC) können bei Kindern als alternative Basis-Regime erwogen werden.

Diagnostik und Monitoring

Vor dem Start der PEP sollte ein HIV-Test (Schnelltest oder Selbsttest) durchgeführt werden.

  • Wichtig: Der PEP-Start darf nicht verzögert werden, um auf Testergebnisse der exponierten Person oder der Indexperson zu warten.
  • Follow-up: Ein erneuter HIV-Test sollte nach 4 und 12 Wochen erfolgen. Routinekontrollen von Blutbild, Leber- und Nierenwerten sind für die PEP-Gabe nicht zwingend erforderlich.

Schnittstelle zwischen PrEP und PEP

Personen, die eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP) einnehmen, benötigen in der Regel keine PEP. Bei unzureichender Adhärenz kann eine PEP jedoch indiziert sein:

PrEP-MethodeDosen in den 7 Tagen vor ExpositionExpositionswegPEP indiziert?
Orale PrEP (TDF-basiert)4-5 (Männer*), 6-7 (alle anderen)Sexuell / AlleNein
Orale PrEP (TDF-basiert)0-3 (Männer*), 0-5 (alle anderen)Sexuell / AlleJa
Dapivirin-Vaginalring (DVR)Ring liegt seit >24hVaginalNein
Dapivirin-Vaginalring (DVR)Ring liegt <24h oder entferntVaginal / Anal / ParenteralJa
CAB-LA (Injektion)Injektion >7 Tage verspätet oder >2 Monate abgesetztAlleJa

Männer, die bei Geburt männlich zugewiesen wurden und keine geschlechtsangleichenden Hormone einnehmen.

Neue Versorgungsmodelle (Update 2024)

Um die zeitnahe Einnahme zu gewährleisten, spricht die WHO zwei neue, starke Empfehlungen aus:

  • Community-basiertes Angebot: PEP soll in Community-Settings (z. B. Apotheken, Drop-in-Zentren, mobile Kliniken, Online-Plattformen) verfügbar gemacht werden.
  • Task-Sharing: Die Abgabe, Verteilung und Überwachung der PEP soll auch durch nicht-ärztliches Personal (Apotheker, Pflegekräfte, geschulte Laien/Peers) erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Starten Sie die PEP bei Verdacht auf Exposition sofort und warten Sie nicht auf das Ergebnis des initialen HIV-Tests oder den Status der Indexperson.

Häufig gestellte Fragen

Idealerweise innerhalb von 24 Stunden, maximal bis zu 72 Stunden nach der Exposition.
Die Therapie erfolgt über 28 Tage. Die Leitlinie empfiehlt, direkt die volle Ration zu verschreiben.
Die Kombination aus TDF + 3TC (oder FTC) als Basis plus DTG (Dolutegravir) als drittes Medikament.
Nein. Ein Test soll zwar durchgeführt werden, der PEP-Start darf dadurch aber nicht verzögert werden.

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