Eisen und Folsäure in der Schwangerschaft: Dosierung

Diese Leitlinie stammt aus 2012 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2012)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Weltweit sind schätzungsweise 41,8 % der schwangeren Frauen anämisch. Laut der WHO-Leitlinie von 2012 wird mindestens die Hälfte dieser Fälle auf einen Eisenmangel zurückgeführt.

Eine Anämie in der Schwangerschaft ist definiert als eine Hämoglobinkonzentration von unter 110 g/L im ersten und dritten Trimester. Im zweiten Trimester sinkt der Wert physiologisch um etwa 5 g/L.

Niedrige Hämoglobinwerte sind mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten, mütterliche und kindliche Sterblichkeit sowie Infektionskrankheiten assoziiert. Gleichzeitig können auch sehr hohe Werte über 130 g/L negative Auswirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf haben.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Supplementierung in der Schwangerschaft:

Allgemeine Prophylaxe

Es wird die tägliche orale Einnahme von Eisen und Folsäure als Teil der Schwangerenvorsorge empfohlen (starke Empfehlung). Ziel ist es, das Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht, mütterliche Anämie und Eisenmangel zu senken.

Die Supplementierung sollte gemäß Leitlinie so früh wie möglich in der Schwangerschaft begonnen und durchgehend bis zur Geburt fortgeführt werden.

Spezifische klinische Situationen

Die Leitlinie definiert besondere Vorgehensweisen für spezifische Konstellationen:

  • In Regionen mit einer Anämieprävalenz bei Schwangeren von 40 % oder höher wird eine tägliche Dosis von 60 mg elementarem Eisen gegenüber niedrigeren Dosen bevorzugt.

  • Bei einer klinisch diagnostizierten Anämie empfiehlt die Leitlinie eine therapeutische Dosis, bis die Hämoglobinwerte wieder im Normalbereich liegen.

  • In Malaria-Endemiegebieten soll die Eisen- und Folsäuregabe stets in Kombination mit Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Malaria erfolgen.

Besonderheiten der Folsäuregabe

Da sich das Neuralrohr bereits bis zum 28. Schwangerschaftstag schließt, verhindert ein späterer Beginn der Folsäuregabe keine Neuralrohrdefekte mehr. Dennoch wird die Einnahme auch nach dem ersten Monat empfohlen, da sie zu anderen Aspekten der mütterlichen und fetalen Gesundheit beiträgt.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende Dosierungsschemata für schwangere Jugendliche und erwachsene Frauen vor:

IndikationElementares EisenFolsäureFrequenz
Standard-Prophylaxe30 - 60 mg400 µg (0,4 mg)1x täglich
Prävalenz ≥ 40 %60 mg bevorzugt400 µg (0,4 mg)1x täglich
Klinisch diagnostizierte Anämie120 mg400 µg (0,4 mg)1x täglich bis zur Normalisierung

Nach Normalisierung der Hämoglobinwerte bei einer diagnostizierten Anämie sollte laut Leitlinie auf die Standarddosis zur Prävention eines Rückfalls umgestellt werden.

Zur Berechnung der korrekten Dosis stellt die Leitlinie folgende Umrechnungswerte für 30 mg elementares Eisen zur Verfügung:

EisensalzEntsprechende Menge für 30 mg elementares Eisen
Eisensulfat-Heptahydrat150 mg
Eisenfumarat90 mg
Eisengluconat250 mg

Kontraindikationen

Die Leitlinie weist darauf hin, dass hohe Dosen von Eisenpräparaten (60 mg oder mehr) mit einem erhöhten Risiko für Hämoglobinwerte über 130 g/L im zweiten und dritten Trimester einhergehen.

Zudem treten bei höheren Dosierungen vermehrt gastrointestinale Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf. Dies gilt insbesondere bei der Einnahme auf nüchternen Magen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist der Verzicht auf eine Eisensupplementierung, wenn keine Folsäure verfügbar ist. Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass Eisenpräparate auch dann verabreicht werden sollen, wenn Folsäure fehlt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Folsäuregabe nach dem ersten Schwangerschaftsmonat zwar keine Neuralrohrdefekte mehr verhindert, aber dennoch für die allgemeine fetale und mütterliche Gesundheit fortgeführt werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird empfohlen, mit der täglichen Supplementierung so früh wie möglich in der Schwangerschaft zu beginnen. Sie sollte durchgehend bis zur Geburt beibehalten werden.

Bei einer manifesten Anämie empfiehlt die Leitlinie eine tägliche Dosis von 120 mg elementarem Eisen kombiniert mit 400 µg Folsäure. Sobald sich die Hämoglobinwerte normalisiert haben, sollte auf die prophylaktische Standarddosis reduziert werden.

Die Leitlinie warnt vor gastrointestinalen Beschwerden wie Verstopfung, Übelkeit und Durchfall. Diese treten dosisabhängig auf und sind bei Dosen ab 60 mg elementarem Eisen oder bei Einnahme auf nüchternen Magen häufiger.

Ja, die Leitlinie empfiehlt die Supplementierung auch in diesen Regionen. Es wird jedoch betont, dass die Gabe zwingend mit Maßnahmen zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Malaria gekoppelt sein muss.

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Quelle: Guideline: daily iron and folic acid supplementation in pregnant women (WHO, 2012). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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