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Mikronährstoffpulver für Kinder: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Indiziert in Populationen mit einer Anämie-Prävalenz von ≥ 20 % bei Kindern unter 5 Jahren.
  • Starke Empfehlung für Säuglinge/Kleinkinder (6–23 Monate) und Kinder (2–12 Jahre).
  • Standard-Regime: 90 Sachets über einen Zeitraum von 6 Monaten.
  • In Malaria-Endemiegebieten darf die Eisengabe nur in Kombination mit Malaria-Prävention und -Therapie erfolgen.
  • Dient der Prävention auf Populationsebene, nicht der Therapie einer diagnostizierten Anämie.
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Hintergrund

Weltweit sind etwa 300 Millionen Kinder von Anämie betroffen, wobei Eisenmangel als häufigste Ursache gilt. Die WHO empfiehlt die Anreicherung von Nahrungsmitteln direkt vor dem Verzehr ("point-of-use fortification") mit multiplen Mikronährstoffpulvern (MNP), um die Nährstoffversorgung zu verbessern. Dies stellt eine Alternative zur klassischen Supplementierung oder Massen-Fortifizierung dar.

Indikation und Zielgruppen

Die Intervention ist als präventive Strategie auf Populationsebene gedacht und ersetzt nicht die Therapie einer diagnostizierten Anämie.

  • Starke Empfehlung (moderate Evidenzqualität): Einsatz bei Säuglingen und Kleinkindern (6–23 Monate) zur Verbesserung des Eisenstatus und Reduktion von Anämien.
  • Starke Empfehlung (moderate Evidenzqualität): Einsatz bei Kindern (2–12 Jahre) zur Verbesserung des Eisenstatus und Reduktion von Anämien.

Voraussetzung: Die Prävalenz von Anämie in der Zielgruppe (Kinder unter 2 bzw. unter 5 Jahren) liegt bei ≥ 20 %.

Zusammensetzung und Stufenschema

Die WHO schlägt folgendes Schema für die Zusammensetzung eines Sachets (Tagesdosis) vor:

ZielgruppeElementares EisenVitamin AZinkRegime
6–23 Monate10–12,5 mg300 µg Retinol5 mg90 Sachets über 6 Monate
2–4 Jahre10–12,5 mg300 µg Retinol5 mg90 Sachets über 6 Monate
5–12 Jahre12,5–30 mg300 µg Retinol5 mg90 Sachets über 6 Monate

Bemerkung: Weitere Mikronährstoffe können hinzugefügt werden, um 100 % der empfohlenen Nährstoffzufuhr (RNI) zu erreichen.

Anwendungshinweise und Sicherheit

  • Malaria-Endemiegebiete: Die Gabe von Eisen (inklusive MNP) darf nur in Verbindung mit Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Malaria erfolgen.
  • Vitamin A: MNP sind kein Ersatz für hochdosierte Vitamin-A-Supplementierungs-Programme zur Überlebenssicherung von Kindern. Wenn andere Grundnahrungsmittel (z. B. Zucker, Öl) bereits mit Vitamin A angereichert sind, muss die MNP-Zusammensetzung angepasst werden, um Überdosierungen zu vermeiden.
  • Anwendung: Das Pulver wird in halbfeste Speisen (Beikost) eingemischt. Es ist kein Muttermilchersatz und löst sich in Flüssigkeiten schlecht auf. Säuglinge unter 6 Monaten sollten ausschließlich gestillt werden.

💡Praxis-Tipp

In Malaria-Endemiegebieten darf die MNP-Gabe niemals isoliert erfolgen, sondern muss zwingend in bestehende Malaria-Präventions- und Behandlungsprogramme integriert werden. Zudem sollte das Pulver nicht in Flüssigkeiten, sondern in halbfeste Beikost eingemischt werden.

Häufig gestellte Fragen

Ab 6 Monaten, zeitgleich mit der Einführung von adäquater Beikost. Säuglinge unter 6 Monaten sollten ausschließlich gestillt werden.
Die WHO empfiehlt als Programmziel die Gabe von 90 Sachets verteilt über einen Zeitraum von 6 Monaten.
Nein, MNP dienen der Prävention auf Populationsebene. Eine diagnostizierte Anämie muss nach spezifischen klinischen Leitlinien therapeutisch behandelt werden.
Die Eisengabe darf nur erfolgen, wenn die Kinder gleichzeitig Zugang zu Malaria-Prävention (z. B. Moskitonetze), Diagnostik und adäquater medikamentöser Therapie haben.

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