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WHO2020

Ferritin zur Bestimmung des Eisenstatus: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ferritin ist ein verlässlicher Marker zur Diagnose von Eisenmangel bei ansonsten gesunden Personen.
  • Bei Vorliegen von Entzündungen gelten höhere Cut-offs für Eisenmangel (<30 µg/L bei Kindern, <70 µg/L bei Erwachsenen).
  • Ein Ferritinwert >500 µg/L bei kranken Erwachsenen weist auf ein Risiko für Eisenüberladung hin.
  • In Gebieten mit häufigen Infektionen sollten Ferritinwerte stets zusammen mit CRP und AGP bestimmt werden.
  • Zur Verlaufskontrolle von Eisen-Interventionen ist Ferritin ein evidenzbasierter und geeigneter Parameter.
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Hintergrund

Ferritin ist das primäre Eisenspeicherprotein des Körpers und zirkuliert in geringen Mengen im Blut. In Abwesenheit von Entzündungen korreliert die Plasma- oder Serum-Ferritinkonzentration positiv mit der Größe der Gesamtkörpereisenspeicher. Niedrige Werte weisen auf entleerte Eisenspeicher hin, während erhöhte Werte auf eine Eisenüberladung hindeuten können. Die WHO-Leitlinie (2020) liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Nutzung von Ferritin als Biomarker.

Diagnostik des Eisenmangels

Ferritin ist ein guter Marker für die Eisenspeicher und sollte zur Diagnose eines Eisenmangels bei ansonsten gesunden Personen herangezogen werden (starke Empfehlung, niedrige Evidenz). Da Ferritin als Akute-Phase-Protein bei Entzündungen ansteigt, gelten in diesen Fällen abweichende Grenzwerte (bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz).

Altersgruppe / StatusCut-off bei GesundenCut-off bei Entzündung/Infektion
Säuglinge & Kinder (0–59 Monate)< 12 µg/L< 30 µg/L
Kinder (5 bis < 10 Jahre)< 15 µg/L< 70 µg/L
Heranwachsende (10 bis < 20 Jahre)< 15 µg/L< 70 µg/L
Erwachsene (20–59 Jahre)< 15 µg/L< 70 µg/L
Ältere Personen (≥ 60 Jahre)< 15 µg/L< 70 µg/L
Schwangere (1. Trimenon)< 15 µg/LKeine Angabe

Risiko der Eisenüberladung

Erhöhte Ferritinwerte können auf eine Eisenüberladung, aber auch auf Lebererkrankungen, Adipositas, Entzündungen oder Malignome hinweisen. Ferritin darf nicht allein zur Diagnose einer Eisenüberladung herangezogen werden. Patienten mit erhöhten Werten benötigen eine weitere klinische und laborchemische Abklärung, um die zugrunde liegende Ursache zu ermitteln (starke Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

PatientengruppeCut-off für Risiko der Eisenüberladung
Menstruierende Frauen (gesund)> 150 µg/L
Männer & nicht-menstruierende Frauen (gesund)> 200 µg/L
Kranke Erwachsene> 500 µg/L

Einfluss von Entzündungen und Infektionen

In Gebieten mit weit verbreiteten Infektionen oder Entzündungen sollte Serum-Ferritin immer zusammen mit zwei Akute-Phase-Proteinen gemessen werden: C-reaktives Protein (CRP) und α-1-saures Glykoprotein (AGP) (starke Empfehlung, moderate Evidenz).

Um den entzündungsbedingten Anstieg von Ferritin auszugleichen, empfiehlt die WHO verschiedene Anpassungsmethoden (starke Empfehlung, moderate Evidenz):

  • Höhere Cut-offs: Nutzung der angepassten Grenzwerte (30 µg/L bzw. 70 µg/L).
  • Ausschlussverfahren: Ausschluss von Personen mit erhöhtem CRP (> 5 mg/L) oder AGP (> 1 g/L) aus Prävalenzberechnungen.
  • Arithmetische oder Regressionskorrektur: Rechnerische Anpassung der Ferritinwerte basierend auf den Entzündungsmarkern.

Labordiagnostik und Verlaufskontrolle

  • Verlaufskontrolle: Ferritin steigt als Reaktion auf Eisen-Interventionen an und kann zur Überwachung und Wirkungsbeurteilung genutzt werden (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
  • Messmethoden: Radiometrische, nicht-radiometrische und Agglutinations-Assays sind gleichermaßen akzeptabel. Wichtig ist, dass für Verlaufskontrollen stets dieselbe Methode verwendet wird (starke Empfehlung, moderate/niedrige Evidenz).
  • Standardisierung: Zur Kalibrierung aller kommerziellen Kits sollte der internationale WHO-Referenzstandard verwendet werden (starke Empfehlung, moderate Evidenz).

Public Health Relevanz

Zur Bestimmung der Schwere des Eisenmangels als öffentliches Gesundheitsproblem können die Prävalenzbereiche der Anämie als Orientierung dienen (basierend auf um Entzündungen korrigierten Ferritinwerten):

Schweregrad des GesundheitsproblemsPrävalenz des Eisenmangels
Schwer≥ 40,0 %
Moderat20,0 – 39,9 %
Leicht5,0 – 19,9 %
Kein Problem≤ 4,9 %

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei Verdacht auf Eisenmangel in Regionen oder bei Patienten mit hoher Entzündungsprävalenz immer gleichzeitig CRP und AGP, um falsch-normale Ferritinwerte richtig interpretieren zu können.

Häufig gestellte Fragen

Bei gesunden Kindern unter 5 Jahren bei <12 µg/L, bei Personen ab 5 Jahren bei <15 µg/L. Bei Vorliegen einer Entzündung steigen die Cut-offs auf <30 µg/L (Kinder) bzw. <70 µg/L (Erwachsene).
Bei gesunden menstruierenden Frauen >150 µg/L, bei gesunden Männern und nicht-menstruierenden Frauen >200 µg/L. Bei kranken Erwachsenen deutet ein Wert >500 µg/L auf ein Risiko hin.
Die Leitlinie empfiehlt die gleichzeitige Bestimmung von C-reaktivem Protein (CRP) und α-1-saurem Glykoprotein (AGP).
Ja, Ferritinwerte steigen als Antwort auf Eisen-Interventionen an und eignen sich gut zur Überwachung des Therapieerfolgs.

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