WHO2024

WHO: Aktualisierte Empfehlungen zur STI-Behandlung & Syphilis-Testung 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO empfiehlt Ceftriaxon 1 g i.m. als Einzeldosis zur Behandlung unkomplizierter Gonokokken-Infektionen.
  • Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage wird als primäre Therapie für unkomplizierte Chlamydien-Infektionen bei Erwachsenen und Jugendlichen vorgeschlagen.
  • Benzathin-Penicillin G bleibt die empfohlene Behandlung für Syphilis in der Schwangerschaft, mit spezifischen Dosierungen je nach Krankheitsstadium.
  • Duale treponemale/nicht-treponemale Schnelltests (RDTs) und Syphilis-Selbsttests werden als zusätzliche Ansätze zur Erhöhung der Testabdeckung empfohlen.
  • STI-Partnerdienste sollen freiwillig und als Teil eines umfassenden Pakets angeboten werden, um Neuinfektionen und Weitergabe zu reduzieren.
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Hintergrund

Sexuell übertragbare Infektionen (STIs) stellen weltweit ein erhebliches Problem für die öffentliche Gesundheit dar, beeinträchtigen die Lebensqualität und verursachen erhebliche Morbidität und Mortalität. Im Jahr 2020 schätzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 374 Millionen neue Fälle von vier heilbaren STIs (Gonorrhoe, Chlamydien, Syphilis und Trichomoniasis) bei Personen im Alter von 15–49 Jahren. Dazu gehörten 128,5 Millionen neue Fälle von Chlamydien, 82,4 Millionen neue Fälle von Gonorrhoe und 7,1 Millionen neue Fälle von Syphilis. Diese Infektionen können schwerwiegende Komplikationen wie Beckenentzündungen, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaften und eine erhöhte Anfälligkeit für HIV verursachen. Syphilis in der Schwangerschaft kann verheerende Auswirkungen auf den Fötus haben, einschließlich Totgeburten und neonataler Todesfälle.

Die WHO hat ehrgeizige Ziele für die Reduzierung von STIs in ihrer globalen Gesundheitssektorstrategie für HIV, Virushepatitis und STIs für den Zeitraum 2022–2030 festgelegt. Dazu gehören eine 90%ige Reduzierung von Gonorrhoe- und Syphilis-Infektionen sowie die Eliminierung der kongenitalen Syphilis als Problem der öffentlichen Gesundheit bis 2030. Um diese Ziele zu erreichen, ist es entscheidend, den Zugang zu Präventions-, Diagnose- und Behandlungsdiensten zu erleichtern.

Die Behandlung von STIs wird durch sich schnell ändernde antimikrobielle Empfindlichkeitsmuster erschwert. Insbesondere bei Neisseria gonorrhoeae gibt es Bedenken hinsichtlich der Entwicklung unbehandelbarer Infektionen aufgrund zunehmender Antibiotikaresistenz (AMR). Ceftriaxon, ein Cephalosporin der erweiterten Spektrum, ist in den meisten Ländern die letzte Option für die empirische Erstlinientherapie. Auch Resistenzen gegen Azithromycin nehmen weltweit zu. Für Chlamydien-Infektionen zielen die Aktualisierungen darauf ab, die Wirksamkeit von Doxycyclin hervorzuheben und Azithromycin für andere Infektionen zu reservieren. Bei Syphilis in der Schwangerschaft besteht Klärungsbedarf hinsichtlich der Wirksamkeit der Behandlung, insbesondere im Hinblick auf die vertikale Übertragung.

Diese Leitlinien bieten aktualisierte Behandlungsempfehlungen für N. gonorrhoeae, C. trachomatis und T. pallidum (Syphilis) basierend auf neuen Erkenntnissen. Zudem werden neue Empfehlungen zu Partnerdiensten für heilbare STIs und zu Syphilis-Testansätzen, insbesondere zur Verwendung dualer treponemaler/nicht-treponemaler Schnelltests (RDTs) und zur Syphilis-Selbsttestung, vorgestellt.

Die Leitlinien richten sich an politische Entscheidungsträger, Programmmanager, medizinisches Fachpersonal und andere Fachkräfte des öffentlichen Gesundheitswesens, die für die Planung oder Umsetzung von STI-Diensten verantwortlich sind. Sie dienen auch als Ressource für Geber- und Entwicklungsagenturen sowie internationale, nichtstaatliche, zivilgesellschaftliche und gemeindebasierte Organisationen.

Aktualisierte Behandlungsempfehlungen

Die folgenden Empfehlungen gelten für Erwachsene und Jugendliche, einschließlich Schwangerer, Personen mit HIV und Schlüsselpopulationen.

Gonokokken-Infektionen (Neisseria gonorrhoeae)

IndikationEmpfohlene TherapieBemerkungenEmpfehlungsgrad
Genitale, anorektale und oropharyngeale Gonokokken-InfektionenCeftriaxon 1 g i.m. als Einzeldosis.Nationale oder lokale Antibiotikaresistenzdaten sollten die Therapiewahl bestimmen. Ceftriaxon 1 g i.m. kann schmerzhaft sein (Lidocain als Verdünnungsmittel erwägen). Azithromycin 2 g kann gastrointestinale Nebenwirkungen verursachen (1 g in 6- bis 12-Stunden-Intervallen erwägen). Schwangere Frauen engmaschig auf Nebenwirkungen überwachen.Bedingte Empfehlung, geringe Evidenz (aktualisiert 2023)
Falls Ceftriaxon nicht verfügbar oder abgelehnt: Cefixim 800 mg p.o. und Durchführung eines Heilungstests.
Falls Heilungstest nicht möglich oder oropharyngeale Infektion diagnostiziert/potenziell besorgniserregend: Cefixim 800 mg p.o. plus Azithromycin 2 g p.o.
Bei Bedenken hinsichtlich Resistenz, Allergie oder Verfügbarkeit von Cephalosporinen: Eine der folgenden Optionen: Spectinomycin 2 g i.m. als Einzeldosis plus Azithromycin 2 g p.o. ODER Gentamicin 240 mg i.m. als Einzeldosis plus Azithromycin 2 g p.o.
Retreatment nach TherapieversagenBei Therapieversagen nach nicht-WHO-empfohlener Behandlung: Retreatment mit einer WHO-empfohlenen Therapie.Möglichkeit einer Reinfektion oder Antibiotikaresistenz berücksichtigen. Retreatment nicht verzögern. Bei ausbleibendem Ansprechen Überweisung an Spezialisten.Bedingte Empfehlung, sehr geringe Evidenz (aktualisiert 2023)
Bei Verdacht auf Reinfektion: Retreatment mit einer WHO-empfohlenen Therapie, Notwendigkeit von sexueller Abstinenz, Kondomgebrauch und Partnerbehandlung verstärken.
Bei Therapieversagen und verfügbaren Antibiotika-Empfindlichkeitsdaten: Retreatment gemäß Empfindlichkeitsprofil.
Bei Therapieversagen nach WHO-empfohlener Therapie und unwahrscheinlicher Reinfektion: Eine der folgenden Optionen und Durchführung eines Heilungstests: Ceftriaxon 1 g i.m. als Einzeldosis plus Azithromycin 2 g p.o. (nur wenn Ceftriaxon zuvor nicht verwendet wurde) ODER Spectinomycin 2 g i.m. als Einzeldosis plus Azithromycin 2 g p.o. ODER Gentamicin 240 mg i.m. als Einzeldosis plus Azithromycin 2 g p.o.

Chlamydien-Infektionen (Chlamydia trachomatis)

IndikationEmpfohlene TherapieBemerkungenEmpfehlungsgrad
Unkomplizierte Chlamydien-Infektionen (genital, anorektal, oropharyngeal) bei Erwachsenen und JugendlichenDoxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage.Doxycyclin, Tetracyclin und Ofloxacin sind bei schwangeren und stillenden Frauen kontraindiziert.Bedingte Empfehlung, moderate Evidenz (aktualisiert 2023)
Falls Doxycyclin nicht verfügbar oder Adhärenz ein ernstes Problem darstellt: Azithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis.
Falls Doxycyclin und Azithromycin nicht verfügbar: Eine der folgenden Optionen: Erythromycin 500 mg p.o. viermal täglich für 7 Tage ODER Ofloxacin 200–400 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage ODER Tetracyclin 500 mg p.o. viermal täglich für 7 Tage.
Unkomplizierte Chlamydien-Infektionen bei schwangeren und stillenden FrauenAzithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis.Starke Empfehlung, moderate Evidenz (bearbeitet 2023)
Falls Azithromycin nicht verfügbar: Eine der folgenden Optionen: Amoxicillin 500 mg p.o. dreimal täglich für 7 Tage ODER Erythromycin 500 mg p.o. viermal täglich für 7 Tage.Bedingte Empfehlung, geringe Evidenz (bearbeitet 2023)

Syphilis (Treponema pallidum) in der Schwangerschaft

IndikationEmpfohlene TherapieBemerkungenEmpfehlungsgrad
Frühe Syphilis (primär, sekundär, früh latent <2 Jahre) bei schwangeren FrauenBenzathin-Penicillin G 2,4 Mio. IE i.m. einmalig.Falls das Stadium der Syphilis unbekannt ist, Empfehlungen für späte Syphilis befolgen. Doxycyclin ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.Starke Empfehlung, sehr geringe Evidenz (aktualisiert 2023)
Falls Benzathin-Penicillin nicht verfügbar: Procain-Penicillin 1,2 Mio. IE i.m. einmal täglich für 10 Tage.Bedingte Empfehlung, sehr geringe Evidenz (aktualisiert 2023)
In seltenen Fällen bei bestätigter Penicillinallergie oder Nichtverfügbarkeit von Penicillin: Eine der folgenden Optionen mit Vorsicht und verstärkter Nachsorge: Ceftriaxon 1 g i.m. einmal täglich für 10–14 Tage ODER Erythromycin 500 mg p.o. viermal täglich für 14 Tage.Erythromycin behandelt die Schwangere, aber nicht vollständig den Fötus; Neugeborenes muss nach der Geburt behandelt werden.
Späte Syphilis (>2 Jahre Dauer oder unbekannt) bei schwangeren FrauenBenzathin-Penicillin G 2,4 Mio. IE i.m. einmal wöchentlich für drei aufeinanderfolgende Wochen.Das Intervall zwischen aufeinanderfolgenden Dosen sollte 14 Tage nicht überschreiten. Doxycyclin ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.Starke Empfehlung, sehr geringe Evidenz (aktualisiert 2023)
Falls Benzathin-Penicillin nicht verfügbar: Procain-Penicillin 1,2 Mio. IE i.m. einmal täglich für 20 Tage.Bedingte Empfehlung, sehr geringe Evidenz (aktualisiert 2023)
In seltenen Fällen bei bestätigter Penicillinallergie oder Nichtverfügbarkeit von Penicillin: Erythromycin 500 mg p.o. viermal täglich für 30 Tage.Erythromycin behandelt die Schwangere, aber nicht vollständig den Fötus; Neugeborenes muss nach der Geburt behandelt werden.

Neue Empfehlungen zu Syphilis-Testdiensten

TestansatzEmpfehlungBemerkungenEmpfehlungsgrad
Duale treponemale/nicht-treponemale Schnelltests (RDTs)Die WHO empfiehlt, duale treponemale/nicht-treponemale Schnelltests als zusätzlichen Ansatz innerhalb von Syphilis-Teststrategien anzubieten.Integration in bestehende Teststrategien, klare Informationen über Testergebnisse, sofortiger Zugang zur Behandlung. Verwendung qualitätsgesicherter Produkte.Starke Empfehlung, geringe Evidenz (neu 2023)
Syphilis-SelbsttestungDie WHO schlägt vor, Syphilis-Selbsttests als zusätzlichen Syphilis-Testansatz anzubieten.Integration in umfassende Dienstleistungspakete, Sicherstellung des Zugangs zu Bestätigungstests und sofortiger Behandlung. Verwendung qualitätsgesicherter Produkte (z.B. duale HIV/Syphilis-Selbsttests). Klare Anleitungen zur Testdurchführung und Interpretation der Ergebnisse sind entscheidend.Bedingte Empfehlung, geringe Evidenz (neu 2023)

STI-Partnerdienste

DienstleistungEmpfehlungBemerkungenEmpfehlungsgrad
STI-PartnerdiensteDie WHO empfiehlt, STI-Partnerdienste Personen mit STIs als Teil einer Reihe von Optionen anzubieten, basierend auf deren Bedürfnissen und Präferenzen und innerhalb eines umfassenden Pakets freiwilliger STI-Test-, Versorgungs- und Präventionsdienste.Partnerdienste müssen immer freiwillig sein. Eine Reihe von Optionen sollte angeboten werden (z.B. einfache Patientenüberweisung, erweiterte Patientenüberweisung, verzögerte Anbieterüberweisung, anbietergestützte Überweisung, soziale Netzwerkansätze, Expedited Partner Therapy (EPT)). Verknüpfung mit STI-Managementdiensten ist essenziell. Integration in bestehende Dienste (z.B. sexuelle und reproduktive Gesundheit, Familienplanung) ist wichtig.Starke Empfehlung, geringe Evidenz (neu 2023)

💡Praxis-Tipp

Berücksichtigen Sie bei der Behandlung von Gonokokken-Infektionen stets die lokalen Antibiotikaresistenzdaten, um die Wirksamkeit der Therapie zu gewährleisten und die Entwicklung weiterer Resistenzen zu verzögern.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO empfiehlt Ceftriaxon 1 g i.m. als Einzeldosis. Bei Nichtverfügbarkeit oder Ablehnung können Cefixim 800 mg p.o. (ggf. mit Azithromycin 2 g p.o.) oder bei Resistenzbedenken Spectinomycin 2 g i.m. oder Gentamicin 240 mg i.m. (jeweils plus Azithromycin 2 g p.o.) in Betracht gezogen werden.
Für Erwachsene und Jugendliche wird Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage vorgeschlagen. Falls Doxycyclin nicht verfügbar ist oder die Adhärenz ein Problem darstellt, ist Azithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis eine Alternative.
Benzathin-Penicillin G ist die empfohlene Therapie: 2,4 Mio. IE i.m. einmalig bei früher Syphilis und 2,4 Mio. IE i.m. einmal wöchentlich für drei Wochen bei später Syphilis oder unbekannter Dauer. Bei Penicillinallergie oder Nichtverfügbarkeit können Ceftriaxon oder Erythromycin unter verstärkter Nachsorge eingesetzt werden, wobei Erythromycin den Fötus nicht vollständig behandelt.
Die WHO empfiehlt duale treponemale/nicht-treponemale Schnelltests (RDTs) als zusätzlichen Ansatz in Teststrategien und schlägt Syphilis-Selbsttests als weitere Option vor, um den Zugang zur Diagnose zu verbessern.
STI-Partnerdienste sind freiwillige Angebote, bei denen medizinische Fachkräfte Personen mit STIs Optionen zur Benachrichtigung ihrer Sexualpartner über eine mögliche Exposition anbieten. Sie sind entscheidend, um Neuinfektionen und die Weitergabe von STIs zu verhindern und die Partner in die Versorgung einzubinden.

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