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WHO2023

mhGAP-Leitlinie 2023: Psychische Erkrankungen (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Benzodiazepine sind bei Angststörungen nicht empfohlen und nur im Notfall für maximal 3-7 Tage indiziert.
  • Valproat ist bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter aufgrund hoher Teratogenität strikt kontraindiziert.
  • Bei Kindern unter 12 Jahren mit Depressionen sowie bei kindlichen Angststörungen sind Medikamente nicht empfohlen.
  • Lamotrigin und Levetiracetam gelten als Erstlinientherapie bei generalisierten und fokalen Krampfanfällen.
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Hintergrund

Die mhGAP-Leitlinie (Mental Health Gap Action Programme) der WHO (2023) richtet sich primär an nicht-spezialisiertes medizinisches Personal. Ziel ist die evidenzbasierte Skalierung der Versorgung von psychischen, neurologischen und Suchterkrankungen (MNS), insbesondere in ressourcenschwachen Settings.

Angststörungen (ANX)

Die Behandlung von generalisierten Angststörungen (GAD) und Panikstörungen stützt sich auf psychologische und pharmakologische Säulen:

InterventionEmpfehlungBemerkung
SSRIIndiziertErste Wahl bei GAD und Panikstörungen. Alternativ: Trizyklische Antidepressiva (TCA).
KVTIndiziertKurze, strukturierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT).
BenzodiazepineNicht empfohlenNur im akuten Notfall für maximal 3-7 Tage.
Entspannung/SportIndiziertStressmanagement, Achtsamkeit und strukturierte Bewegung.

Kinder- und Jugendpsychiatrie (CAMH)

Pharmakologische Interventionen bei Kindern erfordern strenge Indikationsstellungen:

  • Angststörungen: Pharmakologische Interventionen sind bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen.
  • Depression (≤ 12 Jahre): Antidepressiva sind nicht empfohlen.
  • Depression (13-17 Jahre): Fluoxetin nur in Kombination mit psychologischen Therapien, falls psychosoziale Interventionen allein wirkungslos bleiben.
  • ADHS (≥ 6 Jahre): Methylphenidat kann erwogen werden, wenn Umgebungsanpassungen nicht ausreichen.

Epilepsie und Krampfanfälle (EPI)

Die medikamentöse Einstellung fokussiert sich auf Monotherapien mit besonderem Augenmerk auf Teratogenität.

Indikation1. Wahl2. Wahl / Alternativen
Status epilepticusIV Benzodiazepine (vorab)IV Levetiracetam, Fosphenytoin, Valproat, Phenobarbital
Generalisierte AnfälleLamotrigin, Levetiracetam, Valproat*Phenytoin, Phenobarbital
Fokale AnfälleLamotrigin, LevetiracetamCarbamazepin, Lacosamid

WICHTIG: Valproat (Valproinsäure) ist bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter aufgrund des hohen Risikos für Geburtsfehler und neurologische Entwicklungsstörungen strikt nicht empfohlen.

Psychosen und Bipolare Störungen (PSY)

  • Akute Psychose/Schizophrenie: Orale Antipsychotika (z. B. Aripiprazol, Haloperidol, Olanzapin). Bei Therapieresistenz: Clozapin.
  • Erhaltungstherapie: Mindestens 7-12 Monate nach der ersten Episode.
  • Bipolare Störung (Manie): Orale Antipsychotika oder Phasenprophylaktika (Lithium, Carbamazepin). Auch hier gilt: Kein Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter.

Substanzkonsumstörungen (ALC & DRU)

SubstanzTherapieansatzMedikamentöse Option
AlkoholKombinierte psychosoziale TherapieBaclofen (zur Rückfallprävention nach Entgiftung)
Cannabis / StimulanzienKurzinterventionen (Screening & Brief Intervention)Keine spezifische Empfehlung
KokainKVT und KontingenzmanagementDexamphetamin/Methylphenidat nicht empfohlen

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie Valproat niemals an Frauen im gebärfähigen Alter. Nutzen Sie bei Angststörungen primär SSRI und KVT, Benzodiazepine maximal für 3-7 Tage im akuten Notfall.

Häufig gestellte Fragen

Bei Kindern unter 12 Jahren sind Antidepressiva nicht empfohlen. Bei Jugendlichen (13-17 Jahre) kann Fluoxetin erwogen werden, wenn psychosoziale Interventionen allein wirkungslos bleiben.
SSRI gelten als medikamentöse Therapie der Wahl. Benzodiazepine sind nicht empfohlen und dürfen nur im Notfall für maximal 3-7 Tage eingesetzt werden.
Sowohl bei generalisierten als auch bei fokalen Anfällen sollten primär Lamotrigin oder Levetiracetam als Monotherapie eingesetzt werden.
Baclofen kann zur Rückfallprävention und Behandlung der Alkoholabhängigkeit nach erfolgreicher Entgiftung (Post-Detoxifikation) erwogen werden.

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