HCV-Therapie bei Kindern & Diagnostik: WHO-Leitlinie 2022
📋Auf einen Blick
- •Pangenotypische DAA-Therapien werden nun für alle Patienten ab 3 Jahren mit chronischer HCV-Infektion empfohlen.
- •Die Diagnostik und Therapie soll dezentralisiert und in bestehende Gesundheitsdienste integriert werden.
- •Im Rahmen des Task-Sharings können geschulte Pflegekräfte und nicht-spezialisierte Ärzte die Behandlung übernehmen.
- •Point-of-Care (POC) HCV-RNA-Tests sind als Alternative zu laborbasierten Tests anerkannt.
- •Bei positivem Antikörpertest wird eine direkte Reflex-Testung auf HCV-RNA empfohlen.
Hintergrund
Weltweit lebten im Jahr 2019 schätzungsweise 58 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion. Davon waren lediglich 21 % diagnostiziert und 13 % behandelt. Um das Ziel der WHO zu erreichen, die Virushepatitis bis 2030 als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu eliminieren, müssen die Test- und Behandlungsraten drastisch gesteigert werden. Die aktualisierte Leitlinie fokussiert sich auf die Ausweitung der Therapie auf Kinder sowie die Vereinfachung von Diagnostik und Versorgungsstrukturen.
Therapie für Kinder und Jugendliche
Die WHO empfiehlt nun die Behandlung mit pangenotypischen direkt wirkenden Antiviralia (DAA) für alle Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder ab 3 Jahren mit chronischer HCV-Infektion, unabhängig vom Krankheitsstadium.
| Wirkstoffkombination | Therapiedauer | Evidenzgrad (Kinder 3-5 J.) | Evidenzgrad (Erwachsene) |
|---|---|---|---|
| Sofosbuvir/Daclatasvir (SOF/DCV) | 12 Wochen* | Sehr niedrig | Hoch |
| Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) | 12 Wochen* | Sehr niedrig | Hoch |
| Glecaprevir/Pibrentasvir (G/P) | 8 Wochen | Sehr niedrig | Hoch |
Bei Patienten ohne Zirrhose. Bei Therapieerfahrung oder kompensierter Zirrhose wird SOF/DCV für 24 Wochen empfohlen.
Vereinfachte Versorgungsstrukturen
Um den Zugang zu Diagnostik und Therapie zu verbessern, empfiehlt die WHO drei Kernstrategien:
- Dezentralisierung: Angebot von HCV-Tests und -Behandlungen in peripheren oder gemeindenahen Einrichtungen (z. B. Primärversorgung, Einrichtungen zur Schadensminderung, Gefängnisse).
- Integration: Einbindung der HCV-Versorgung in bestehende Dienste (z. B. HIV/ART-Kliniken, Substitutionsprogramme).
- Task-Sharing: Durchführung von Testung, Betreuung und Behandlung durch geschulte, nicht-spezialisierte Ärzte und Pflegekräfte.
Diagnostik und Therapieüberwachung
Nachweis einer virämischen Infektion
Direkt nach einem positiven HCV-Antikörpertest muss eine virämische Infektion bestätigt werden.
| Methode | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Laborbasierte HCV-RNA (NAT) | Bevorzugte Strategie | Quantitativ oder qualitativ |
| HCV-Core-Antigen (cAg) | Alternative | Vergleichbare klinische Sensitivität zur NAT |
| Point-of-Care (POC) HCV-RNA | Alternative | Besonders für marginalisierte Gruppen empfohlen |
Reflex-Testung
Die WHO empfiehlt die Reflex-Testung auf HCV-RNA bei allen Personen mit einem positiven HCV-Antikörpertest, um die Anbindung an die Therapie zu fördern. Dies kann laborbasiert (aus derselben Blutprobe) oder klinikbasiert (sofortige erneute Probenentnahme nach positivem Schnelltest) erfolgen.
Heilungsnachweis (Test of Cure)
Zur Bestätigung der dauerhaften virologischen Response (SVR) 12 oder 24 Wochen nach Therapieende soll primär eine laborbasierte HCV-RNA-NAT eingesetzt werden. POC-HCV-RNA-Tests mit vergleichbarer Nachweisgrenze können als Alternative verwendet werden.
Trockenblutkarten (Dried Blood Spots - DBS)
Die Verwendung von DBS-Proben ist nun durch Herstellerprotokolle für kommerzielle Assays validiert. Sie können für serologische Tests und den NAT-Nachweis genutzt werden, wenn venöse Blutentnahmen nicht möglich sind oder der Transport von Vollblut/Plasma erschwert ist.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die Reflex-Testung auf HCV-RNA unmittelbar nach einem positiven Antikörpertest, um Patientenverluste zu minimieren. Delegieren Sie unkomplizierte Behandlungen an geschultes Pflegepersonal (Task-Sharing).