GBS-Screening in der Schwangerschaft: WHO-Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Die WHO empfiehlt entweder ein universelles antenatales GBS-Screening oder einen risikobasierten Ansatz zur Indikationsstellung einer intrapartalen Antibiotikaprophylaxe (IAP).
- •Das universelle Screening erfolgt idealerweise zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche mittels rektovaginalem Abstrich.
- •Der risikobasierte Ansatz evaluiert intrapartale Risikofaktoren wie vorzeitigen Blasensprung, verlaengerten Blasensprung (>18h) oder muetterliches Fieber (>38 °C).
- •Als Antibiotika der Wahl zur intrapartalen Prophylaxe gelten Ampicillin oder Penicillin G intravenoes.
- •Frauen mit GBS-Bakteriurie in der aktuellen Schwangerschaft oder einem frueheren Kind mit Early-Onset-GBS-Erkrankung sollten immer eine IAP erhalten.
Hintergrund
Infektionen mit Streptokokken der Gruppe B (GBS, Streptococcus agalactiae) betreffen jaehrlich ueber 390.000 Neugeborene weltweit und sind die Hauptursache fuer die Early-Onset-Neugeborenensepsis (EOGBS). Die EOGBS-Erkrankung ist definiert durch den Nachweis von GBS in Blut, Liquor oder einem anderen normalerweise sterilen Koerperkompartiment innerhalb der ersten sieben Lebenstage.
Eine GBS-Kolonisation liegt bei etwa 13 % der Schwangeren vor. Um eine Uebertragung auf das Neugeborene waehrend der Geburt zu verhindern, empfiehlt die WHO eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP). Die aktuelle Leitlinie von 2024 konkretisiert die Strategien zur Identifikation der Schwangeren, die von einer solchen Prophylaxe profitieren.
Screening-Strategien
Die WHO empfiehlt zur Praevention der EOGBS-Erkrankung bei Neugeborenen den Einsatz einer Screening-Strategie, um die Indikation fuer eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe zu stellen. Dabei werden zwei gleichwertige Ansaetze empfohlen:
| Strategie | Zeitpunkt | Methode | Indikation zur IAP |
|---|---|---|---|
| Universelles Screening | 35.-37. SSW | Rektovaginaler Abstrich (durch medizinisches Personal oder als Selbstabstrich) | Positiver GBS-Nachweis, GBS-Bakteriurie, Zustand nach EOGBS beim vorherigen Kind |
| Risikobasierter Ansatz | Intrapartal | Klinische Evaluation von Risikofaktoren | Vorliegen von mindestens einem definierten Risikofaktor |
Hinweis: Obwohl das universelle Screening im Vergleich zum risikobasierten Ansatz wahrscheinlich mit einer staerkeren Reduktion von EOGBS-Faellen assoziiert ist, erkennt die WHO an, dass die Implementierung (Kosten, Logistik, Laborkapazitaeten) besonders in ressourcenschwachen Regionen herausfordernd sein kann.
Risikofaktoren (Risikobasierter Ansatz)
Wird auf ein universelles Abstrich-Screening verzichtet, muss intrapartal auf das Vorliegen von Risikofaktoren geachtet werden. Die haeufigsten Risikofaktoren, die eine IAP rechtfertigen, sind:
- Vorzeitiger Blasensprung (Preterm prelabour rupture of membranes, pPROM)
- Verlaengerter Blasensprung (> 18 Stunden)
- Vorheriges Kind mit Early-Onset-GBS-Erkrankung
- Bekannte muetterliche GBS-Bakteriurie in der aktuellen Schwangerschaft
- Muetterliches Fieber unter der Geburt (> 38 °C)
- Chorioamnionitis
Besonderheit bei Fruehgeburtlichkeit: Die WHO empfiehlt keine routinemaessige Antibiotikagabe bei Frauen mit vorzeitigen Wehen (< 37. SSW) und intakten Fruchtblasen, da das potenzielle Risiko fuer das Kind (z. B. Zerebralparese) den Nutzen ueberwiegt.
Intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP)
Wenn eine Indikation zur IAP besteht (entweder durch positiven Screening-Befund oder Vorliegen von Risikofaktoren), sollte diese bei Geburtsbeginn intravenoes verabreicht werden.
| Wirkstoff | Dosierungsschema (Beispielhaft nach lokalem Protokoll) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Ampicillin | 2 g i.v. initial, dann 1 g i.v. alle 4 Stunden bis zur Geburt ODER 500 mg i.v. alle 6 Stunden | Mittel der Wahl |
| Penicillin G | 5 Mio. IE i.v. alle 6 Stunden. Bei Wehen >18h: 1 Mio. IE oral alle 8h bis zur Geburt | Mittel der Wahl |
Bei Penicillinallergie oder nachgewiesener Penicillinresistenz des GBS-Stammes muessen alternative Antibiotika gemaess lokalen Resistenzdaten und Leitlinien eingesetzt werden.
Aufklaerung und Einwilligung
Schwangere muessen vor dem Screening evidenzbasiert und aktuell ueber die Praevention der EOGBS-Erkrankung aufgeklaert werden. Dies umfasst den Zweck des Screenings, den Ablauf der Abstrichnahme (inklusive der Moeglichkeit des Selbstabstrichs) und die potenziellen Konsequenzen eines positiven Ergebnisses (IAP). Die Frauen muessen dem Verfahren zustimmen und das Recht haben, dieses ohne Nachteile fuer ihre weitere Behandlung abzulehnen.
💡Praxis-Tipp
Bieten Sie Schwangeren beim universellen Screening auch die Moeglichkeit eines rektovaginalen Selbstabstrichs an, da dies die Akzeptanz erhoehen kann und diagnostisch gleichwertig ist.