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WHO2025

Schwangerschaftsabbruch: Aktuelle WHO-Leitlinie (2025)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO empfiehlt die vollständige Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und den Zugang auf Wunsch der Schwangeren.
  • Ein routinemäßiger Ultraschall vor dem Abbruch ist medizinisch nicht zwingend erforderlich.
  • Bei einem Abbruch < 12 Wochen wird die Gabe von Anti-D-Immunglobulin nicht empfohlen.
  • Eine Antibiotikaprophylaxe ist nur beim operativen, nicht aber beim medikamentösen Abbruch indiziert.
  • Für den operativen Abbruch < 14 Wochen ist die Vakuumaspiration (VA) Methode der Wahl; die scharfe Kürettage (D&C) wird nicht empfohlen.
  • Telemedizin und das Selbstmanagement des medikamentösen Abbruchs (< 12 Wochen) gelten als sichere und empfohlene Versorgungsansätze.
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Hintergrund

Die WHO-Leitlinie "Abortion care guideline" (2. Edition, 2025) definiert evidenzbasierte Standards für den sicheren Schwangerschaftsabbruch (Comprehensive Abortion Care). Ziel ist eine qualitativ hochwertige, patientenzentrierte Versorgung, die medikamentöse und operative Verfahren, Post-Abortion-Care sowie rechtliche Rahmenbedingungen umfasst.

Rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen

Die WHO betont, dass rechtliche Barrieren den Zugang zu sicheren Abbrüchen verhindern und die Müttersterblichkeit erhöhen. Folgende Restriktionen sollten abgeschafft werden:

  • Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs
  • Indikationsbasierte Modelle (Zugang sollte auf Wunsch der Schwangeren erfolgen)
  • Gestationsaltersgrenzen
  • Verpflichtende Wartezeiten
  • Zustimmungspflicht durch Dritte (z. B. Partner oder Eltern)

Prä-Abortion-Care (Vorbereitung)

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
UltraschallNicht routinemäßig empfohlenKein zwingendes Erfordernis zur Bestimmung des Gestationsalters vor einem Abbruch.
Anti-D-ImmunglobulinNicht empfohlen bei < 12 WochenStandardversorgung gilt erst ab ≥ 12 Wochen.
AntibiotikaprophylaxeNur bei operativem AbbruchPrä- oder perioperativ empfohlen. Beim medikamentösen Abbruch nicht indiziert.
Zervix-PrimingEmpfohlenVor operativen Eingriffen (medikamentös oder mit osmotischen Dilatatoren ab ≥ 12 Wochen).

Schmerztherapie

Eine adäquate Schmerztherapie muss routinemäßig angeboten werden:

  • Basismaßnahme: NSAR (z. B. Ibuprofen) für alle medikamentösen und operativen Abbrüche.
  • Operativer Abbruch: Parazervikaler Block empfohlen. Eine routinemäßige Vollnarkose wird nicht empfohlen. Bei Verfügbarkeit kann eine bewusste Sedierung (Conscious Sedation) ergänzt werden.
  • Medikamentöser Abbruch ≥ 12 Wochen: Zusätzliche Methoden wie Antiemetika oder Epiduralanästhesie erwägen.

Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

Medikamentöser Abbruch

GestationsalterEmpfohlenes SchemaAlternative
< 12 WochenMifepriston 200 mg p.o., nach 24-48h Misoprostol 800 µg (vaginal/sublingual/bukkal)Misoprostol 800 µg allein ODER Letrozol + Misoprostol
≥ 12 WochenMifepriston 200 mg p.o., nach 24-48h Misoprostol 400 µg alle 3h (vaginal/sublingual/bukkal)Misoprostol 400 µg alle 3h

Hinweis: Bei Missed Abortion (< 14 Wochen) und intrauterinem Fruchttod (IUFD, 14-28 Wochen) wird ebenfalls die Kombination aus Mifepriston und Misoprostol gegenüber Misoprostol allein bevorzugt.

Operativer Abbruch

GestationsalterMethode der WahlNicht empfohlen
< 14 WochenVakuumaspiration (VA)Dilatation und scharfe Kürettage (D&C)
≥ 14 WochenDilatation und Evakuierung (D&E)-

Post-Abortion-Care und Kontrazeption

Ein routinemäßiger Follow-up-Besuch nach einem unkomplizierten Abbruch ist medizinisch nicht erforderlich. Patientinnen müssen jedoch über Warnsignale (z. B. anhaltend starke Blutung, Fieber) aufgeklärt werden.

Mit der Kontrazeption kann unmittelbar begonnen werden:

  • Hormonelle Methoden: Können sofort gestartet werden (z. B. am Tag der Mifepriston-Einnahme oder direkt postoperativ).
  • Intrauterinpessare (IUD): Einlage direkt nach dem operativen Abbruch oder nach Feststellung des erfolgreichen medikamentösen Abbruchs.

Telemedizin und Selbstmanagement

Die WHO empfiehlt Telemedizin als vollwertige Alternative zu Vor-Ort-Terminen für die Beurteilung, Begleitung und Nachsorge des medikamentösen Abbruchs. Zudem wird das Selbstmanagement des medikamentösen Abbruchs bei < 12 Wochen (Selbsteinschätzung der Eignung, eigenständige Einnahme der Medikamente ohne direkte Aufsicht, Erfolgskontrolle) ausdrücklich als sichere Option empfohlen, sofern Zugang zu korrekten Informationen und bei Bedarf zu medizinischer Hilfe besteht.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei einem Schwangerschaftsabbruch < 12 Wochen auf die routinemäßige Gabe von Anti-D-Immunglobulin und fordern Sie keinen obligatorischen Ultraschall, sofern dies klinisch nicht zwingend notwendig ist.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die WHO empfiehlt Ultraschall nicht als generelle Voraussetzung für die Durchführung eines Abbruchs, da das Gestationsalter meist klinisch oder anamnestisch ausreichend bestimmt werden kann.
Die Vakuumaspiration (manuell oder elektrisch). Die scharfe Kürettage (D&C) wird aufgrund höherer Komplikationsraten ausdrücklich nicht mehr empfohlen.
Eine Antibiotikaprophylaxe wird nur beim operativen Abbruch empfohlen. Für den medikamentösen Abbruch ist sie nicht indiziert.
Hormonelle Methoden können sofort (z. B. zeitgleich mit der Mifepriston-Gabe) gestartet werden. Spiralen (IUDs) können direkt nach dem operativen Eingriff oder nach Feststellung des erfolgreichen medikamentösen Abbruchs eingelegt werden.
Nein, bei einem Abbruch < 12 Wochen wird die Gabe von Anti-D-Immunglobulin laut WHO nicht empfohlen. Der Standard gilt erst ab der 12. Schwangerschaftswoche.

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