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WHO2022

WHO-Leitlinie 2022: Schwangerschaftsabbruch (Abortion Care)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO empfiehlt die vollständige Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und den Zugang auf Wunsch der Schwangeren.
  • Routinemäßige Ultraschalluntersuchungen und die Anti-D-Prophylaxe bei <12 Wochen werden nicht empfohlen.
  • Für den medikamentösen Abbruch ist die Kombination aus Mifepriston und Misoprostol der Monotherapie überlegen.
  • Für den operativen Abbruch <14 Wochen wird die Vakuumaspiration empfohlen; die scharfe Kürettage (D&C) wird ausdrücklich abgelehnt.
  • Telemedizin und das Selbstmanagement des medikamentösen Abbruchs (bis 12 Wochen) sind sichere und empfohlene Versorgungsansätze.
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Hintergrund

Weltweit enden 3 von 10 Schwangerschaften in einem induzierten Abbruch. Da schätzungsweise 45 % dieser Abbrüche unter unsicheren Bedingungen stattfinden, hat die WHO die "Abortion care guideline" (2022) veröffentlicht. Ziel ist es, eine sichere, evidenzbasierte und entkriminalisierte Versorgung (Comprehensive Abortion Care) zu gewährleisten.

Rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen

Die WHO positioniert sich klar zu den rechtlichen Rahmenbedingungen, da diese direkten Einfluss auf die Sicherheit und Gesundheit der Schwangeren haben:

  • Empfohlen wird die vollständige Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs.
  • Nicht empfohlen werden gesetzliche Fristenregelungen (Gestational age limits).
  • Nicht empfohlen werden obligatorische Wartezeiten oder die Notwendigkeit der Zustimmung Dritter (z. B. Partner, Eltern, Gerichte).
  • Der Abbruch sollte auf Wunsch der Schwangeren zugänglich sein.

Prä-Abortion-Care und Diagnostik

Vor einem Abbruch sollten unnötige medizinische Hürden vermieden werden.

MaßnahmeEmpfehlung der WHOBemerkung
UltraschallNicht routinemäßig empfohlenNur bei spezifischer klinischer Indikation erforderlich.
Anti-D-ProphylaxeNicht empfohlen bei <12 WochenAb ≥12 Wochen gilt der Standard of Care.
Antibiotika-ProphylaxeEmpfohlen bei operativem AbbruchPrä- oder perioperativ.
Antibiotika-ProphylaxeNicht empfohlen bei medikamentösem Abbruch-

Schmerzmanagement

Ein adäquates Schmerzmanagement ist essenziell. Die routinemäßige Gabe von Vollnarkosen wird nicht empfohlen.

  • Medikamentöser Abbruch: Routinemäßiges Angebot von Schmerzmitteln (z. B. NSAR wie Ibuprofen). Bei ≥12 Wochen können zusätzlich Antiemetika oder Periduralanästhesie erwogen werden.
  • Operativer Abbruch: Routinemäßiges Angebot von Schmerzmitteln (z. B. NSAR). Zusätzlich wird ein Parazervikalblock (ggf. in Kombination mit bewusster Sedierung) empfohlen.

Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

Medikamentöser Abbruch

Die Kombinationstherapie ist wirksamer als Misoprostol allein. Das Gewebe sollte wie anderes biologisches Material behandelt werden, sofern die Patientin keinen anderen Wunsch äußert.

GestationsalterEmpfohlenes RegimeAlternative
< 12 Wochen200 mg Mifepriston oral, nach 24-48h 800 µg Misoprostol (vaginal, sublingual oder bukkal)800 µg Misoprostol allein ODER Letrozol (3 Tage 10 mg) + Misoprostol
≥ 12 Wochen200 mg Mifepriston oral, nach 24-48h 400 µg Misoprostol alle 3h400 µg Misoprostol alle 3h allein

Operativer Abbruch

GestationsalterEmpfohlene MethodeNicht empfohlen
< 14 WochenVakuumaspiration (manuell oder elektrisch)Scharfe Kürettage (D&C)
≥ 14 WochenDilatation und Evakuierung (D&E)-

Hinweis zur Zervix-Priming: Vor operativen Abbrüchen <12 Wochen kann ein medikamentöses Priming (Mifepriston und/oder Misoprostol) erfolgen; osmotische Dilatatoren werden hier nicht empfohlen. Bei ≥14 Wochen wird ein Priming mit osmotischen Dilatatoren plus Medikation empfohlen.

Post-Abortion-Care und Kontrazeption

Nach einem unkomplizierten Abbruch ist ein routinemäßiger Follow-up-Besuch medizinisch nicht erforderlich. Patientinnen müssen jedoch über Warnsignale (z. B. anhaltend starke Blutungen, Fieber) aufgeklärt werden.

Kontrazeption:

  • Hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Ring, Implantat, Injektion) können sofort (MEC Kategorie 1) nach dem operativen Abbruch oder mit der ersten Pille des medikamentösen Abbruchs gestartet werden.
  • Intrauterinpessare (IUDs) können sofort nach einem operativen Abbruch oder nach Feststellung des erfolgreichen medikamentösen Abbruchs eingelegt werden (Ausnahme: septischer Abort).

Telemedizin und Selbstmanagement

Die WHO empfiehlt Telemedizin als Alternative zu persönlichen Konsultationen für den medikamentösen Abbruch. Zudem wird für Abbrüche <12 Wochen das Selbstmanagement (Selbsteinschätzung der Eignung, Einnahme der Medikamente ohne direkte Aufsicht und Selbsteinschätzung des Erfolgs) ausdrücklich als Option empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Abbrüchen <12 Wochen auf die routinemäßige Anti-D-Prophylaxe und fordern Sie keinen routinemäßigen Ultraschall vor dem Eingriff, sofern keine spezifische klinische Indikation vorliegt.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO empfiehlt die Vakuumaspiration. Die scharfe Kürettage (D&C) wird ausdrücklich nicht empfohlen.
Empfohlen werden 200 mg Mifepriston oral, gefolgt von 800 µg Misoprostol (vaginal, sublingual oder bukkal) nach 24 bis 48 Stunden.
Nein, die WHO empfiehlt Ultraschall nicht als generelle Voraussetzung, es sei denn, es gibt spezifische klinische Gründe.
Ja, aber nur beim operativen Abbruch. Beim medikamentösen Abbruch wird eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe nicht empfohlen.
Hormonelle Kontrazeptiva und Spiralen (IUDs) können bei unkomplizierten Abbrüchen sofort gestartet bzw. eingelegt werden.

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