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WHO2013

Triage & Notfaelle bei Kindern: Leitlinie (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Notfallzeichen (z. B. Atemwegsobstruktion, Schock, Koma, Krampfanfaelle) erfordern eine sofortige Behandlung.
  • Prioritaetszeichen (z. B. Alter < 2 Monate, hohes Fieber, schwere Blaesse) erfordern eine rasche Beurteilung ohne Wartezeit.
  • Die Schocktherapie unterscheidet sich grundlegend zwischen normal ernaehrten und schwer mangelernaehrten Kindern.
  • Bei Vergiftungen mit aetzenden Stoffen oder Erdoelderivaten ist das Ausloesen von Erbrechen streng kontraindiziert.
  • Hypoglykaemie (< 2,5 mmol/l bzw. < 3,0 mmol/l bei Mangelernaehrung) wird akut mit 5 ml/kg 10%iger Glukoseloesung i.v. behandelt.
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Hintergrund

Die Triage dient der schnellen Identifikation von kranken Kindern bei Ankunft im Krankenhaus. Ziel ist es, Patienten in drei Kategorien einzuteilen: solche mit Notfallzeichen (sofortige Behandlung), solche mit Prioritaetszeichen (rasche Beurteilung ohne Wartezeit) und nicht-dringliche Faelle.

Notfall- und Prioritaetszeichen

KategorieKlinische ZeichenMassnahme
NotfallzeichenObstruierte/fehlende Atmung, schwere Atemnot, zentrale Zyanose, Schockzeichen, Koma, Krampfanfaelle, schwere Dehydratation bei DiarrhoeSofortige Notfallbehandlung (A-B-C)
PrioritaetszeichenSaeugling < 2 Monate, hohes Fieber, Trauma, schwere Blaesse, Vergiftung, starke Schmerzen, Atemnot, Lethargie/Unruhe, schwere Mangelernaehrung, Oedeme, VerbrennungenVorrangige Beurteilung (ohne Warten in der Schlange)

Atemwegsmanagement und Sauerstoffgabe

Bei Verdacht auf ein HWS-Trauma darf der Hals nicht bewegt werden. Die Atemwege werden in diesem Fall mittels Esmarch-Handgriff (Jaw thrust) freigehalten.

  • Fremdkoerperaspiration (Saeuglinge): 5 Schlaege auf den Ruecken, gefolgt von 5 Thoraxkompressionen.
  • Fremdkoerperaspiration (Kinder > 1 Jahr): 5 Schlaege auf den Ruecken, gefolgt von 5 Heimlich-Manoevern.
  • Sauerstoffgabe: 1-2 l/min ueber Nasensonde oder -katheter, Ziel-Sauerstoffsaettigung > 90 %.

Schocktherapie

Die Volumentherapie unterscheidet sich signifikant je nach Ernaehrungszustand des Kindes. Bei schwerer Mangelernaehrung besteht ein hohes Risiko fuer eine Ueberwaesserung und Herzversagen.

ErnaehrungszustandFluessigkeitDosierungBemerkung
Ohne schwere MangelernaehrungRinger-Laktat oder NaCl 0,9%20 ml/kg i.v. als rascher BolusBei fehlender Besserung wiederholen (10-20 ml/kg)
Mit schwerer MangelernaehrungRinger-Laktat/Darrow-Loesung/NaCl 0,45% (jeweils mit 5% Glukose)15 ml/kg i.v. ueber 1 StundePuls und Atmung alle 5-10 Min. ueberwachen. Bei Verschlechterung Infusion stoppen!

Krampfanfaelle und Hypoglykaemie

  • Krampfanfaelle: Gabe von Diazepam rektal (0,1 ml/kg der 10 mg/2 ml Loesung). Bei Fortbestehen nach 10 Minuten zweite Dosis geben. Maximal zwei Dosen.
  • Hypoglykaemie: Blutzucker < 2,5 mmol/l (< 45 mg/dl) bzw. < 3,0 mmol/l (< 54 mg/dl) bei schwerer Mangelernaehrung. Gabe von 5 ml/kg 10%iger Glukoseloesung als rascher i.v.-Bolus.

Management von Vergiftungen

Die Dekontamination des Magens ist am effektivsten innerhalb der ersten Stunde nach Ingestion.

GiftstoffSpezifische SymptomeTherapie / Kontraindikationen
Aetzende Stoffe (Saeuren, Laugen, Bleichmittel)Verbrennungen im Mundbereich, StridorKein Erbrechen ausloesen! Keine Aktivkohle! Milch oder Wasser zur Verduennung geben.
Erdoelderivate (Kerosin, Benzin)Atemnot, Lungenoedem (bei Aspiration)Kein Erbrechen ausloesen! Keine Aktivkohle! Sauerstoff bei Atemnot.
Organophosphate / CarbamateSpeichelfluss, Schwitzen, kleine Pupillen, Muskelzucken, LungenoedemAktivkohle (innerhalb 4h). Bei starker Sekretion: Atropin (20 Mikrogramm/kg i.m. oder i.v. alle 5-10 Min).
  • Aktivkohle: Dosierung fuer Kinder <= 1 Jahr: 1 g/kg. Kinder 1-12 Jahre: 25-50 g.
  • Hautkontamination: Kleidung entfernen, mit reichlich lauwarmem Wasser (und Seife bei oeligen Substanzen) waschen.
  • Augenkontamination: 10-15 Minuten mit fliessendem Wasser oder NaCl 0,9% spuelen.

💡Praxis-Tipp

Bei schwer mangelernaehrten Kindern mit Schockzeichen darf die Fluessigkeitstherapie nur sehr zurueckhaltend (15 ml/kg ueber 1 Stunde) erfolgen, da ein hohes Risiko fuer ein toedliches Lungenoedem besteht.

Häufig gestellte Fragen

Mit einem raschen intravenoesen Bolus von 5 ml/kg einer 10%igen Glukoseloesung.
Nein, das Ausloesen von Erbrechen ist bei Erdoelderivaten streng kontraindiziert, da bei Aspiration ein schweres Lungenoedem droht.
Die Dosis betraegt 0,1 ml/kg Koerpergewicht der Standardloesung (10 mg/2 ml).
Unter anderem Saeuglinge unter 2 Monaten, Kinder mit hohem Fieber, schwerer Blaesse, Vergiftungen, Atemnot oder schwerer Mangelernaehrung.

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