Totaler Kiefergelenkersatz: Indikation und OP-Verfahren
Hintergrund
Die AWMF-S3-Leitlinie behandelt den totalen alloplastischen Kiefergelenkersatz, der durch verbesserte Prothesensysteme und moderne 3D-Planungsverfahren zunehmend in den Fokus des klinischen Interesses rückt. Die Indikationszahlen steigen kontinuierlich an, wobei das Altersspektrum der versorgten Personen breiter wird.
Grundsätzlich bleibt der Eingriff schwer geschädigten Kiefergelenken vorbehalten, die konservativ oder durch konventionelle chirurgische Verfahren nicht mehr therapierbar sind. Ziel der Therapie ist die bestmögliche Wiederherstellung von Form, Funktion, Ästhetik und Lebensqualität.
In Deutschland kommen primär zwei Kategorien von Prothesen zum Einsatz. Dies sind vorgefertigte "Stock"-Prothesen, die intraoperativ angepasst werden, sowie "Custom-made"-Prothesen, die präoperativ patientenspezifisch auf Basis von CT-Datensätzen angefertigt werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die Erwartung, durch den Kiefergelenkersatz den prämorbiden, vollständig funktionellen Zustand des Gelenkes wiederherzustellen, unrealistisch. Es wird empfohlen, präoperativ transparent darüber aufzuklären, dass Schmerzen meist nur gelindert, aber nicht vollständig beseitigt werden und funktionelle Einschränkungen (insbesondere in der horizontalen Beweglichkeit) verbleiben können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie bestehen die artikulierenden Flächen meist aus ultrahochmolekularem Polyethylen (UHMWPE) in Kombination mit Kondyluskomponenten aus Kobalt-Chrom-Molybdän- oder Titanlegierungen. Von reinen Metall-auf-Metall-Prothesen wird aufgrund des erhöhten Abriebrisikos eher abgeraten.
Die Leitlinie gibt an, dass bei modernen Prothesensystemen mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren oder länger gerechnet werden kann. Eine abschließende Aussage zum langfristigen Abriebverhalten über 20 Jahre hinaus ist aufgrund der aktuellen Studienlage jedoch noch nicht möglich.
Gemäß Leitlinie gibt es keine ausreichende Evidenz für eine generelle Antibiotikaprophylaxe vor dentalen Eingriffen bei liegendem Kiefergelenkersatz. Eine Prophylaxe wird in der Regel nicht routinemäßig empfohlen, sondern sollte nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen.
Die Leitlinie stuft den Einsatz bei noch nicht abgeschlossenem Wachstum als relative Kontraindikation ein, da Prothesen kein Wachstumspotenzial besitzen. Der Einsatz kann jedoch als Ultima Ratio erwogen werden, wenn konventionelle Verfahren oder autologe Transplantate versagt haben.
Die Leitlinie empfiehlt einen möglichst frühzeitigen Beginn der Physiotherapie, um Fibrosierungen und Ossifikationen vorzubeugen. Die hohe Primärstabilität von patientenspezifischen Prothesen ermöglicht oft eine sofortige funktionelle Nutzung direkt post operationem.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Totaler alloplastischer Kiefergelenkersatz (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Ankylose und Unterkieferhypomobilität
Idiopathische Kondylusresorption
Inflammatorische Erkrankungen des Kiefergelenks: Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA) und Rheumatoide Arthritis (RA) des Kiefergelenks
Implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Oberkiefers
Kondylushypo- und -hyperplasie
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen