BfArM2006

Telithromycin (Ketek) Leberschäden: BfArM Warnung

Diese Leitlinie stammt aus 2006 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: BfArM (2006)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Sicherheitswarnung des BfArM aus dem Jahr 2006 adressiert schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen unter der Therapie mit dem Makrolid-Antibiotikum Telithromycin (Ketek). Im Fokus stehen dabei Berichte über akute, teils fatal verlaufende Leberschädigungen.

Weltweit wurden Fälle von schwerer Hepatitis und Leberversagen registriert, die in der Regel während oder unmittelbar nach der Behandlung auftraten. Die globale Melderate für akute schwere Leberschäden wird in dem Dokument mit vier Fällen pro einer Million Expositionen angegeben.

Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde eine Neubewertung des Nutzen-Risiko-Profils vorgenommen. Dies führte zu signifikanten Einschränkungen der Indikationen sowie zur Aufnahme neuer Kontraindikationen und Warnhinweise in die Fachinformation.

Empfehlungen

Die Sicherheitswarnung formuliert folgende Kernaspekte zur Arzneimittelsicherheit:

Eingeschränkte Indikationen und Anwendung

Laut Dokument wurden die Indikationen für Telithromycin auf die akute Exazerbation der chronischen Bronchitis, akute Sinusitis und Tonsillitis/Pharyngitis eingeschränkt.

Es wird darauf hingewiesen, dass das Medikament bei Kindern unter 12 Jahren aufgrund unzureichender Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit nicht empfohlen wird.

Überwachung der Leberfunktion

Die Warnung betont, dass alle hepatischen Ereignisse unter Telithromycin sorgfältig überwacht werden müssen.

Es wird beschrieben, dass schwere Leberschäden oft mit ernsthaften Grunderkrankungen oder Begleitmedikationen assoziiert waren.

Neurologische und kardiale Warnhinweise

Das Dokument listet mehrere schwerwiegende Risiken auf, die eine Aufklärung erfordern:

  • QT-Verlängerung: Es besteht das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien, einschließlich Torsade de pointes, die teils wenige Stunden nach der ersten Dosis auftreten.

  • Bewusstseinsverlust: Es wird über vorübergehenden Bewusstseinsverlust berichtet, der durch vagale Symptome eingeleitet werden kann.

  • Sehstörungen: Um die Auswirkungen von Sehstörungen und Bewusstseinsverlust zu minimieren, wird eine Einnahme zur Schlafenszeit empfohlen.

Arzneimittelinteraktionen

Aufgrund der Hemmung von CYP3A4 durch Telithromycin wird eine strenge Überwachung bei diversen Begleitmedikationen gefordert.

Bei gleichzeitiger Gabe von oralen Antikoagulanzien wird eine Kontrolle der Prothrombinzeit (PT) beziehungsweise der International Normalized Ratio (INR) empfohlen.

Dosierung

Das Dokument diskutiert Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz basierend auf pharmakokinetischen Studien. Es wird jedoch betont, dass Telithromycin bei schwerer Niereninsuffizienz nicht als Mittel der ersten Wahl betrachtet werden kann.

PatientenpopulationUntersuchte DosierungPharmakokinetische BeobachtungKlinische Einordnung
Gesunde Probanden800 mg täglichNormale ExpositionStandarddosierung
Schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)400 mg täglichZu geringe ExpositionNicht ausreichend wirksam
Schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)800 mg täglichVerdopplung der AUC(0-24)ssErhöhtes Risiko für Nebenwirkungen
Schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)800 mg und 400 mg im täglichen WechselEntspricht in etwa der AUC von 800 mg bei GesundenAufgrund fehlender 400-mg-Tabletten nicht praktikabel

Kontraindikationen

Basierend auf der Sicherheitsbewertung wurden folgende absolute Kontraindikationen für Telithromycin festgelegt:

  • Bekannte Vorgeschichte von Hepatitis und/oder Ikterus im Zusammenhang mit einer früheren Telithromycin-Einnahme.

  • Vorliegen einer Myasthenia gravis (aufgrund von Berichten über fatale myasthene Krisen).

  • Stark eingeschränkte Nieren- und/oder Leberfunktion bei gleichzeitiger Einnahme von starken CYP3A4-Inhibitoren (wie Proteaseinhibitoren oder Ketoconazol).

  • Gleichzeitige Anwendung der Statine Simvastatin, Lovastatin oder Atorvastatin (Gefahr der Rhabdomyolyse durch erhöhte Statin-Spiegel).

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💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Aspekt für den klinischen Alltag ist die hohe Interaktionsrate von Telithromycin über das Cytochrom-P450-System. Es wird dringend darauf hingewiesen, bei Personen unter Statin-Therapie die Medikation genau zu prüfen, da bestimmte Statine absolut kontraindiziert sind, während bei anderen (wie Pravastatin oder Rosuvastatin) eine engmaschige klinische Überwachung auf Zeichen einer Myopathie erforderlich ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut BfArM-Warnung wurden unter Telithromycin Fälle von fataler Verschlechterung einer Myasthenia gravis gemeldet. Aufgrund des potenziell lebensbedrohlichen Charakters einer myasthenen Krise wurde die Anwendung bei diesen Personen absolut kontraindiziert.

Die gleichzeitige Gabe von Simvastatin, Lovastatin und Atorvastatin ist laut Dokument kontraindiziert. Telithromycin hemmt CYP3A4, was zu gefährlich hohen Blutspiegeln dieser Statine und einem erhöhten Risiko für eine Rhabdomyolyse führt.

Das Dokument empfiehlt, die Einnahme von Telithromycin zur Schlafenszeit in Betracht zu ziehen. Dies soll die potenziellen Auswirkungen von bekannten Nebenwirkungen wie Sehstörungen und vorübergehendem Bewusstseinsverlust auf den Alltag minimieren.

Die globale Melderate für akute schwere Leberschäden wird in der Sicherheitswarnung mit vier Fällen pro einer Million Expositionen angegeben. Es wird betont, dass diese Ereignisse oft mit ernsthaften Grunderkrankungen oder Begleitmedikationen einhergingen.

Die Unterlagen zeigen, dass Telithromycin bei schwerer Niereninsuffizienz nicht als Therapie der ersten Wahl gilt. Ein theoretisch mögliches Dosierungsschema mit abwechselnd 800 mg und 400 mg wurde als nicht praktikabel eingestuft, da keine 400-mg-Tabletten verfügbar sind.

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Quelle: Telithromycin (Ketek®) und Leberschädigungen: Neue Sicherheitsbewertung begonnen und Anwendungsbeschränkungen beschlossen (BfArM, 2006). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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