ACE-Hemmer und Lungenkrebs: AkdÄ-Sicherheitswarnung
Hintergrund
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert in einer Sicherheitswarnung aus dem Jahr 2019 über aktuelle Bewertungen des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).
Im Fokus steht ein mögliches Signal für ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko unter der Therapie mit Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmern (ACE-Hemmern). Auslöser war eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie, die eine entsprechende Assoziation nahelegte.
Darüber hinaus adressiert das Dokument weitere sicherheitsrelevante Signale zu verschiedenen Wirkstoffen. Dazu gehören unter anderem schwerwiegende Risiken bei der Anwendung von Fenspirid und Methotrexat sowie neue Signale zu Modafinil und Propylthiouracil.
Empfehlungen
Das Dokument formuliert folgende Kernbewertungen zu aktuellen Sicherheitssignalen:
ACE-Hemmer und Lungenkrebsrisiko
Laut AkdÄ hat der PRAC die Datenlage zu einem möglichen Lungenkrebsrisiko durch ACE-Hemmer (wie Ramipril, Enalapril oder Lisinopril) umfassend geprüft.
Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass aktuell keine ausreichende Evidenz für einen Kausalzusammenhang zwischen der Einnahme von ACE-Hemmern und der Entstehung von Lungenkrebs vorliegt.
Als Gründe für diese Einschätzung nennt das Dokument:
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Mögliches Vorliegen von Confounding und Bias in der beobachtenden Studie
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Fehlende Informationen zu einer Dosis-Wirkungs-Beziehung
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Widersprüchliche Ergebnisse in der bisherigen Literatur und in präklinischen Studien
Es werden keine regulatorischen Maßnahmen oder Änderungen der Produktinformationen empfohlen. Die Hersteller sollen das Risiko im Rahmen der routinemäßigen Pharmakovigilanz weiter überwachen.
Fenspirid
Für fenspiridhaltige Arzneimittel wird aufgrund von neuen präklinischen Daten eine Aussetzung der Marktzulassung als vorübergehende Maßnahme empfohlen.
Es besteht laut Dokument ein potenzielles Risiko für QT-Zeit-Verlängerungen und proarrhythmische Effekte. Da das Medikament nur zur Behandlung gutartiger Symptome bei bronchopulmonalen Erkrankungen eingesetzt wird, überwiegen die Risiken den Nutzen.
Methotrexat
Das Dokument verweist auf ein laufendes Risikobewertungsverfahren zu methotrexathaltigen Arzneimitteln.
Hintergrund sind Berichte über toxische Überdosierungen, die durch eine versehentliche tägliche statt der vorgesehenen wöchentlichen Einnahme verursacht wurden.
Weitere untersuchte Sicherheitssignale
Für folgende Wirkstoffe wurden laut Dokument neue Sicherheitssignale identifiziert, die weitere Untersuchungen erfordern:
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Modafinil/Armodafinil: Untersuchung eines möglichen Risikos für angeborene Fehlbildungen basierend auf Daten eines Schwangerschaftsregisters.
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Propylthiouracil: Überprüfung eines Signals für angeborene Fehlbildungen nach Anwendung in der Schwangerschaft.
💡Praxis-Tipp
Laut AkdÄ besteht bei der Verordnung von ACE-Hemmern aufgrund der aktuellen Datenlage kein Grund zur Sorge hinsichtlich eines erhöhten Lungenkrebsrisikos. Es wird zudem nachdrücklich darauf hingewiesen, bei der Verordnung von Methotrexat auf die strikt wöchentliche Einnahme zu achten, um lebensbedrohliche Überdosierungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut der Bewertung des PRAC gibt es aktuell keine ausreichende Evidenz für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen ACE-Hemmern und Lungenkrebs. Die in einer Studie beobachtete Assoziation wird auf methodische Verzerrungen wie Confounding und Bias zurückgeführt.
Das Dokument empfiehlt keine regulatorischen Maßnahmen oder Therapieänderungen. Die Behandlung mit ACE-Hemmern kann gemäß den bestehenden Indikationen unverändert fortgeführt werden.
Die Warnung berichtet, dass Fenspirid in präklinischen Studien das Potenzial für QT-Zeit-Verlängerungen und Arrhythmien zeigte. Da das Mittel nur zur Linderung gutartiger Symptome eingesetzt wird, wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis als negativ bewertet.
Es wird vor schweren toxischen Überdosierungen gewarnt, die entstehen, wenn das Medikament versehentlich täglich statt wöchentlich eingenommen wird. Dieses Risiko wird aktuell in einem europäischen Verfahren weiter untersucht.
Es wurde ein neues Sicherheitssignal bezüglich möglicher angeborener Fehlbildungen unter Modafinil identifiziert. Die Hersteller wurden aufgefordert, weitere Daten zur abschließenden Bewertung einzureichen.
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Quelle: AkdÄ: ACE-Hemmer und Lungenkrebs: Kausalzusammenhang nach (AkdÄ, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.