Syphilis (Lues): Diagnostik und Penicillin-Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: CDC (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die CDC-Leitlinie (2021) behandelt die Diagnostik und Therapie der Syphilis, einer systemischen Infektion durch Treponema pallidum. Die Erkrankung wird anhand klinischer Befunde in verschiedene Stadien eingeteilt, welche die Behandlung und Nachsorge maßgeblich bestimmen.

Eine Beteiligung des zentralen Nervensystems (Neurosyphilis) sowie des visuellen oder auditorischen Systems kann in jedem Stadium der Infektion auftreten. Eine latente Syphilis wird ausschließlich durch serologische Tests nachgewiesen und je nach Infektionszeitpunkt in eine frühe oder späte Form unterteilt.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:

Klinische Stadien

Die Erkrankung wird laut Leitlinie anhand der klinischen Präsentation in verschiedene Stadien eingeteilt:

StadiumKlinische ManifestationDiagnostik-Fokus
Primäre SyphilisEinzelnes schmerzloses Ulkus, teils atypische oder schmerzhafte LäsionenDirekter Erregernachweis, Serologie
Sekundäre SyphilisHautausschlag, mukokutane Läsionen, LymphadenopathieSerologie
Tertiäre SyphilisKardiale Beteiligung, gummatöse Läsionen, Tabes dorsalis, progressive ParalyseSerologie, klinische Evaluation
Latente SyphilisKeine klinischen SymptomeAusschließlich serologische Tests

Diagnostik und Algorithmen

Für eine präsumtive Diagnose wird die Kombination aus einem nicht-treponemalen Test (VDRL oder RPR) und einem treponemalen Test (z. B. TP-PA, EIA) empfohlen. Die alleinige Verwendung eines Testtyps ist laut Leitlinie unzureichend und kann zu falsch-negativen oder falsch-positiven Ergebnissen führen.

Beim traditionellen Algorithmus erfolgt zunächst ein nicht-treponemaler Test, der bei Reaktivität durch einen treponemalen Test bestätigt wird. Beim reversen Algorithmus wird mit einem automatisierten treponemalen Test (EIA/CIA) gescreent.

Bei einem positiven treponemalen Screening-Test wird Folgendes empfohlen:

  • Durchführung eines quantitativen nicht-treponemalen Tests zur Steuerung des weiteren Managements

  • Bei negativem nicht-treponemalen Test: Durchführung eines zweiten, abweichenden treponemalen Tests (z. B. TP-PA) zur Bestätigung

  • Bei positivem zweiten treponemalen Test ohne frühere Therapie: Behandlung auf Syphilis unklarer Dauer oder späte latente Syphilis

Liquordiagnostik

Eine Untersuchung des Liquor cerebrospinalis wird bei klinischen Zeichen einer Neurosyphilis, wie Hirnnervendysfunktion oder Meningitis, empfohlen. Bei isolierten okulären oder auditorischen Symptomen ohne neurologische Auffälligkeiten ist eine vorherige Liquoruntersuchung laut Leitlinie nicht zwingend erforderlich.

Therapie

Parenteral verabreichtes Penicillin G ist das bevorzugte Medikament für alle Stadien der Syphilis. Die Wahl des Präparats sowie die Behandlungsdauer hängen vom Krankheitsstadium ab.

Für die späte latente Syphilis (Dauer >1 Jahr) und die tertiäre Syphilis wird eine längere Therapiedauer empfohlen. Die Leitlinie betont, dass T. pallidum sich in diesen Stadien theoretisch langsamer teilt.

Management von Sexualpartnern

Personen, die sexuellen Kontakt zu Infizierten mit primärer, sekundärer oder früher latenter Syphilis hatten, sollten klinisch und serologisch evaluiert werden. Die Leitlinie empfiehlt:

  • Präsumtive Therapie bei Kontakt innerhalb von 90 Tagen vor der Diagnose, selbst bei negativer Serologie

  • Präsumtive Therapie bei Kontakt vor mehr als 90 Tagen, falls serologische Testergebnisse nicht sofort verfügbar sind

  • Benachrichtigung und Evaluation von Partnern der letzten 3 Monate (primäre Syphilis), 6 Monate (sekundäre Syphilis) oder 12 Monate (frühe latente Syphilis)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor der versehentlichen Anwendung von Kombinationspräparaten aus lang- und kurzwirksamem Benzathin-Procain-Penicillin (Bicillin C-R) zur Behandlung der primären, sekundären und latenten Syphilis. Es wird ausschließlich das Standard-Benzathin-Penicillin (Bicillin L-A) empfohlen.

Bei Schwangeren mit einer Penicillinallergie wird eine Desensibilisierung empfohlen. Parenterales Penicillin G stellt laut Leitlinie die einzige Therapie mit belegter Wirksamkeit in der Schwangerschaft dar.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist auf die Jarisch-Herxheimer-Reaktion hin, eine akute fieberhafte Reaktion innerhalb der ersten 24 Stunden nach Therapiestart, die keine Penicillinallergie darstellt. Es wird betont, dass diese Reaktion bei Schwangeren vorzeitige Wehen auslösen kann, dies jedoch nicht zu einer Verzögerung der Therapie führen darf.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie erfordert eine präsumtive Diagnose die Kombination aus einem nicht-treponemalen Test (z. B. VDRL, RPR) und einem treponemalen Test (z. B. TP-PA). Die alleinige Nutzung eines Testtyps wird als unzureichend eingestuft.

Eine Untersuchung des Liquor cerebrospinalis wird bei klinischen Zeichen einer Neurosyphilis, wie Hirnnervendysfunktion oder Meningitis, empfohlen. Bei isolierten okulären oder auditorischen Symptomen ohne weitere neurologische Auffälligkeiten ist sie laut Leitlinie nicht zwingend erforderlich.

Die Leitlinie empfiehlt parenteral verabreichtes Penicillin G als Mittel der Wahl für alle Stadien der Syphilis. Die genaue Präparation und Behandlungsdauer richten sich nach dem jeweiligen Krankheitsstadium.

Personen mit sexuellem Kontakt zu Patienten mit früher Syphilis innerhalb der letzten 90 Tage erhalten laut Leitlinie eine präsumtive Therapie. Dies wird auch bei negativen serologischen Testergebnissen empfohlen.

Parenterales Penicillin G ist die einzige Therapie mit belegter Wirksamkeit während der Schwangerschaft. Bei einer bestehenden Penicillinallergie wird eine Desensibilisierung empfohlen.

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Quelle: CDC Syphilis Treatment Guidelines (CDC, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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