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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2020InfektiologieRheumatologyNeurologie

Lyme-Borreliose: Leitlinie (AAN/ACR/IDSA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine antibiotische Post-Expositions-Prophylaxe (Doxycyclin) ist nur bei Hochrisiko-Zeckenstichen innerhalb von 72 Stunden indiziert.
  • Ein typisches Erythema migrans wird rein klinisch diagnostiziert und therapiert; eine Labordiagnostik ist hier nicht empfohlen.
  • Bei asymptomatischen Patienten nach Zeckenstich sowie bei unspezifischen neurologischen oder psychiatrischen Syndromen soll keine Borrelien-Serologie erfolgen.
  • Persistierende unspezifische Symptome (z. B. Fatigue) nach leitliniengerechter Therapie rechtfertigen ohne objektive Befunde keine weitere Antibiotikagabe.
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Hintergrund

Die gemeinsame Leitlinie der IDSA, AAN und ACR (2020) definiert den aktuellen Standard zur Praevention, Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose. Sie adressiert das Management von Zeckenstichen sowie die stadiengerechte Behandlung der verschiedenen Organmanifestationen.

Praevention und Zeckenstich-Management

Zur Praevention werden Repellents (z. B. DEET, Picaridin, Permethrin) empfohlen. Befestigte Zecken sollten umgehend mechanisch mit einer feinen Pinzette entfernt werden. Ein Abbrennen oder die Verwendung von Chemikalien wird nicht empfohlen.

MassnahmeEmpfehlungBemerkung
Zecken-Testung auf BorrelienNicht empfohlenVorhersagewert fuer klinische Infektion unzureichend
Zecken-SpeziesbestimmungEmpfohlenWichtig zur Risikoeinschaetzung
Serologie bei AsymptomatischenNicht empfohlenNach Zeckenstich ohne Symptome keine Testung

Post-Expositions-Prophylaxe (PEP)

Eine antibiotische Prophylaxe mit einer Einmaldosis Doxycyclin (Erwachsene: 200 mg, Kinder: 4,4 mg/kg bis max. 200 mg) wird nur innerhalb von 72 Stunden nach Entfernung einer Hochrisiko-Zecke empfohlen. Bei unklarem Risiko ist eine "Wait-and-Watch"-Strategie indiziert.

Ein Hochrisiko-Stich erfordert alle drei Kriterien:

  • Identifizierter Ixodes-Vektor
  • Hochendemisches Gebiet
  • Saugdauer ≥ 36 Stunden

Erythema migrans

Bei typischem Erythema migrans in Endemiegebieten wird eine rein klinische Diagnose ohne Labortestung empfohlen. Bei atypischen Laesionen sollte eine Serologie (Akut- und ggf. Rekonvaleszenzserum nach 2-3 Wochen) erfolgen, keine PCR oder Kultur.

WirkstoffDauerEmpfehlung
Doxycyclin10 TageStarke Empfehlung (1. Wahl)
Amoxicillin14 TageStarke Empfehlung (1. Wahl)
Cefuroximaxetil14 TageStarke Empfehlung (1. Wahl)
Azithromycin5-10 Tage (bevorzugt 7)2. Wahl (bei Unvertraeglichkeit)

Hinweis zu STARI: Kann ein Erythema migrans in Endemiegebieten klinisch nicht von STARI (Southern Tick-Associated Rash Illness) unterschieden werden, ist eine gegen Lyme-Borreliose gerichtete Antibiotikatherapie indiziert.

Lyme-Neuroborreliose

Zur Diagnostik wird die Serologie gegenueber PCR oder Kultur bevorzugt. Bei ZNS-Beteiligung ist die Bestimmung des Liquor/Serum-Antikoerper-Index zwingend erforderlich.

Indikationen zur Testung:

  • Meningitis, schmerzhafte Radikuloneuritis, Mononeuropathia multiplex
  • Akute Hirnnervenausfaelle (v. a. VII, VIII)
  • Nicht testen bei: ALS, MS, Parkinson, Demenz, psychiatrischen Erkrankungen oder Entwicklungsstoerungen bei Kindern.

Therapie:

  • PNS-Beteiligung: IV Ceftriaxon, Cefotaxim, Penicillin G oder orales Doxycyclin fuer 14-21 Tage.
  • ZNS-Beteiligung (Parenchym): IV-Antibiotika werden gegenueber oralen bevorzugt.

Lyme-Karditis

Ein EKG ist nur bei passenden Symptomen (Dyspnoe, Palpitationen, Synkopen, Brustschmerz) indiziert.

SettingTherapieBemerkung
AmbulantOrale AntibiotikaDoxycyclin, Amoxicillin, Cefuroxim, Azithromycin
StationaerInitiale IV-Therapie (Ceftriaxon)Wechsel auf oral bei klinischer Besserung
Dauer14-21 Tage gesamtLaengere Therapien nicht empfohlen

Hinweis: Stationaere Aufnahme bei PR-Intervall > 300 ms oder Myoperikarditis. Bei symptomatischer Bradykardie wird ein temporaeres Pacing statt eines permanenten Schrittmachers empfohlen.

Lyme-Arthritis

Die Diagnostik erfolgt serologisch. Bei unklaren Faellen (trotz Seropositivitaet) ist eine PCR aus Synovialfluessigkeit oder -gewebe der Kultur vorzuziehen.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlOrale Antibiotika (28 Tage)Starke Empfehlung
Bei partieller ResponseBeobachtung oder 2. oraler ZyklusAusschluss anderer Ursachen
Bei minimaler ResponseIV Ceftriaxon (2-4 Wochen)Schwache Empfehlung
TherapierefraktaerUeberweisung an RheumatologenKeine weiteren Antibiotika (>8 Wochen ineffektiv)

Weitere Manifestationen

  • Borrelien-Lymphozytom: Orale Antibiose fuer 14 Tage.
  • Acrodermatitis chronica atrophicans: Orale Antibiose fuer 21 bis 28 Tage.

Post-Lyme-Symptome und Koinfektionen

Bei persistierenden unspezifischen Symptomen (Fatigue, Schmerzen, kognitive Einschraenkungen) nach leitliniengerechter Therapie wird gegen eine weitere Antibiotikagabe geraten, sofern keine objektiven Zeichen eines Therapieversagens vorliegen.

Bei anhaltend hohem Fieber unter Therapie oder typischen Laborveraenderungen (Thrombozytopenie, Leukopenie, Anaemie, Haemolyse) sollte an Koinfektionen mit Anaplasma phagocytophilum oder Babesia microti gedacht werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf die routinemaessige Borrelien-Serologie bei asymptomatischen Patienten nach Zeckenstich sowie bei Patienten mit unspezifischen psychiatrischen oder neurodegenerativen Erkrankungen. Behandeln Sie ein typisches Erythema migrans rein klinisch.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei einem Hochrisiko-Stich (Ixodes-Zecke, hochendemisches Gebiet, Saugdauer ≥ 36 Stunden) und innerhalb von 72 Stunden nach Entfernung mit einer Einmaldosis Doxycyclin.
Nein, die Leitlinie raet davon ab, da das Ergebnis das klinische Infektionsrisiko nicht zuverlaessig vorhersagt. Eine Speziesbestimmung der Zecke wird jedoch empfohlen.
Bei typischem Erscheinungsbild in einem Endemiegebiet wird eine rein klinische Diagnose ohne zusaetzliche Labortests empfohlen.
Nein. Bei Erkrankungen wie ALS, MS, Parkinson, Demenz oder isolierten psychiatrischen Auffaelligkeiten wird von einer routinemaessigen Testung abgeraten.
Ohne objektive Zeichen einer Reinfektion oder eines Therapieversagens wird von weiteren Antibiotika-Gaben abgeraten.

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