Synkope bei Kindern: Diagnostik und kardiogene Ursachen
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Synkopen im Kindes- und Jugendalter. Eine Synkope ist definiert als ein vorübergehender Bewusstseinsverlust infolge einer globalen zerebralen Minderdurchblutung.
Klinisch zeichnet sich das Ereignis durch ein rasches Einsetzen, den Verlust des Muskeltonus, eine kurze Dauer sowie eine spontane und vollständige Erholung aus. Vor dem zehnten Lebensjahr treten Synkopen selten auf, danach steigt die Prävalenz deutlich an.
Die orthostatisch bedingte Synkope stellt die häufigste Ursache in dieser Altersgruppe dar. Nur eine kleine Minderheit der Ereignisse hat eine potenziell lebensbedrohliche kardiogene Ursache, weshalb eine zielgerichtete Diagnostik zur Vermeidung von Überdiagnostik empfohlen wird.
Klinischer Kontext
Synkopen sind im Kindes- und Jugendalter ein sehr häufiges Vorstellungsbild in der pädiatrischen und allgemeinmedizinischen Praxis. Bis zu zwanzig Prozent aller Heranwachsenden erleben bis zum Erreichen des Erwachsenenalters mindestens eine synkopale Episode, wobei der Häufigkeitsgipfel in der frühen Pubertät liegt.
Pathophysiologisch handelt es sich um einen transienten Bewusstseinsverlust, der durch eine vorübergehende globale zerebrale Minderdurchblutung verursacht wird. Die Erholungsphase verläuft in der Regel spontan, rasch und vollständig. Die mit Abstand häufigste Form ist die reflexvermittelte, vasovagale Synkope, die oft durch emotionalen Stress, Schmerz oder langes Stehen ausgelöst wird.
Die klinische Bedeutung liegt vor allem in der Differenzierung zwischen diesen meist harmlosen Reflexsynkopen und potenziell lebensbedrohlichen kardialen Ursachen. Obwohl kardiale Synkopen selten sind, erfordern sie eine sofortige Identifikation, um das Risiko eines plötzlichen Herztodes zu minimieren. Zudem verursachen auch gutartige Synkopen oft eine erhebliche Verunsicherung bei den Betroffenen und ihren Familien.
Die diagnostische Basis bildet eine detaillierte Eigen- und Fremdanamnese, die genaue Erfragung von Prodromi und Auslösern sowie eine gründliche körperliche Untersuchung. Ein 12-Kanal-EKG ist essenziell, um elektrische Herzerkrankungen wie das Long-QT-Syndrom oder strukturelle Anomalien frühzeitig zu erkennen oder auszuschließen.
Wissenswertes
Warnzeichen für eine kardiale Ursache sind Synkopen während körperlicher Anstrengung oder im Liegen. Auch ein plötzliches Auftreten ohne Prodromi sowie eine positive Familienanamnese für den plötzlichen Herztod erfordern eine rasche kardiologische Abklärung.
Eine Synkope geht oft mit Prodromi wie Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen einher und die Erholungsphase ist sehr kurz. Ein epileptischer Krampfanfall zeigt typischerweise eine längere postiktale Verwirrtheit und oft rhythmische Zuckungen, die bei einer konvulsiven Synkope nur sehr kurz und asymmetrisch auftreten.
Ein 12-Kanal-EKG gehört zur kardiologischen Basisdiagnostik nach einem ersten Synkopen-Ereignis. Es dient dem Ausschluss lebensbedrohlicher Rhythmusstörungen wie dem Long-QT-Syndrom, dem Brugada-Syndrom oder Präexzitationssyndromen.
Die Behandlung der unkomplizierten vasovagalen Synkope besteht primär aus Aufklärung und Beruhigung der Patienten und Eltern. Wichtig sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, das Vermeiden von Auslösern sowie das Erlernen von isometrischen Gegendruckmanövern bei ersten Warnsymptomen.
Die Kipptischuntersuchung wird bei Kindern und Jugendlichen nur in sehr seltenen Ausnahmefällen eingesetzt. Sie kann erwogen werden, wenn die Diagnose nach Anamnese und Basisdiagnostik unklar bleibt und die Synkopen rezidivierend mit hohem Leidensdruck auftreten.
Psychogene Pseudosynkopen zeichnen sich oft durch eine lange Dauer der vermeintlichen Bewusstlosigkeit und fest geschlossene Augen während des Anfalls aus. Häufig fehlen vegetative Begleitsymptome wie Blässe oder Schwitzen, während gleichzeitig eine normale Herzfrequenz messbar ist.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Hinweis der Leitlinie ist die strikte Vermeidung von Überdiagnostik bei typischen benignen Synkopen. Es wird betont, dass ein unauffälliges 12-Kanal-EKG in Kombination mit einer typischen Anamnese in der Regel ausreicht und aufwendige Verfahren wie MRT oder EEG ohne spezifische neurologische Verdachtsmomente nicht indiziert sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist ein EEG nach einer isolierten Synkope nicht routinemäßig indiziert. Es wird nur empfohlen, wenn zusätzliche anamnestische Hinweise auf einen epileptischen Anfall vorliegen, wie etwa motorische Symptome zu Beginn des Ereignisses oder eine längere Reorientierungsphase.
Die Leitlinie nennt unter anderem eine QRS-Dauer über 120 ms, AV-Blöcke, verlängerte oder verkürzte QTc-Zeiten sowie Repolarisationsstörungen als Warnsignale. Bei solchen Befunden wird eine kinderkardiologische Abklärung dringend empfohlen.
Bei benignen Reflexsynkopen bestehen gemäß Leitlinie keine Einschränkungen für Sport, Belastbarkeit oder den Schulbesuch. Bei kardiogenen Synkopen ist hingegen eine individuelle ärztliche Einschätzung zwingend erforderlich.
Eine medikamentöse Therapie wird von der Leitlinie aufgrund mangelnder Evidenz nur in extremen Ausnahmefällen bei schweren rezidivierenden Verläufen erwogen. Betablocker werden explizit als unwirksam eingestuft und nicht empfohlen.
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Quelle: Synkope im Kindes- und Jugendalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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