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Sport bei Herzerkrankungen: Leitlinie (AWMF/DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Möglichst viele Kinder und Jugendliche mit Herzerkrankung dürfen und sollen Sport treiben; generelle Sportverbote sind seltene Ausnahmen.
  • Die Sportanamnese, ein 12-Kanal-Ruhe-EKG und eine Echokardiographie sind obligatorische Bestandteile jeder Sporttauglichkeitsuntersuchung.
  • Eine (Spiro-)Ergometrie wird ab 6-8 Jahren zur Risikostratifizierung und Trainingsplanung empfohlen.
  • Patienten mit Fontan-Zirkulation sollen zu Sport ermutigt werden, jedoch sind Pressatmung (Valsalva) und Maximalkrafttraining zu vermeiden.
  • Bei Ionenkanalerkrankungen (z.B. LQTS, CPVT) sind wettkampfsportliche Aktivitäten kontraindiziert.
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Hintergrund

Körperliche Aktivität ist für Kinder und Jugendliche mit angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen essenziell für die körperliche, kognitive und psychosoziale Entwicklung. Möglichst viele Kinder und Jugendliche mit Herzerkrankung dürfen und sollen Sport treiben. Ein generelles Sportverbot ist nur in sehr wenigen Ausnahmen erforderlich. Auch im Schulsport ist eine krankheitsbedingte Sonderrolle zu vermeiden.

Sporttauglichkeitsuntersuchung

Die Untersuchung zielt darauf ab, Restdefekte zu erfassen und Risiken zu minimieren. Die Sporttauglichkeit hängt vom Risiko ab, dass sportbedingt akut kardiale Probleme auftreten, nicht primär von der Leistungsfähigkeit.

UntersuchungIndikation / Empfehlung
AnamneseObligat (Eigen-, Familien-, Trainingsanamnese)
Klinische UntersuchungObligat (inkl. Blutdruck, Sättigung, Orthopädie)
12-Kanal-EKGObligat (inkl. Rhythmusstreifen)
EchokardiographieObligat (2D und Farbdoppler)
(Spiro-)ErgometrieSollte ab 6-8 Jahren erfolgen
Langzeit-EKGBei Arrhythmien, Synkopen oder spezifischen Herzfehlern (z.B. TOF, TGA)
MRTBei TOF, TGA, CoA, Aortopathien oder V.a. Kardiomyopathien

Spezifische Herzerkrankungen und Sportempfehlungen

Fontan-Zirkulation

Patienten nach Fontan-Palliation sollten in allen Altersgruppen zu sportlicher Aktivität ermutigt werden. Durch das Fehlen des subpulmonalen Ventrikels gibt es jedoch Einschränkungen:

  • Soll nicht: Tauchen (Valsalva-Manöver vermindert Lungenperfusion)
  • Soll nicht: Maximalkraftübungen (Kraftausdauer mit 12-15 Wdh. ist jedoch empfohlen)
  • Sollte nicht: Kompetitiver Sport mit Leistungscharakter

Aortendilatation und -dissektion

  • Bei Dilatation der aszendierenden Aorta (> 2 SD): Sport auf niedrige bis mittlere dynamische Belastungen begrenzen. Statische Belastungen sollten wegen des Blutdruckanstiegs vermieden werden.
  • Sportarten mit Gefahr der Thoraxkompression sind strikt zu meiden.

Zyanotische Herzfehler und Pulmonale Hypertonie

  • Bei zyanotischen Vitien sollte vor Sportbeginn eine Spiroergometrie erfolgen, da sich die Zyanose unter Belastung oft verstärkt.
  • Patienten mit pulmonaler Hypertonie und Synkopen sollen keinen Sport treiben.

Rhythmusstörungen und Ionenkanalerkrankungen

ErkrankungSportempfehlungKontrollen
Isolierte SVESKeine Einschränkungen-
Asymptomatische VESKeine Einschränkungen (wenn unter Belastung verschwindend, Echo/QT normal)Jährlich
Symptomatische SVTKeine Teilnahme an Wettkampfsport bis zur Therapie-
Ionenkanalerkrankungen (z.B. LQTS, CPVT)Wettkampfsport ist kontraindiziert. Freizeitsport je nach Risiko möglich.3-12 monatlich

Medizinische Implantate

Herzschrittmacher und ICD

  • Sollte: Kampfsportarten und Ballsportarten mit hohem Risiko für Schläge gegen den Brustkorb vermeiden oder spezielle Protektoren tragen.
  • Sollte nicht: Intensive sportliche Aktivitäten bei ICD-Trägern (unabhängig von der Grunderkrankung).
  • Soll nicht: Sportarten mit Gefahr bei Bewusstseinsverlust (z.B. Tauchen, Klettern) für 3 Monate nach adäquater ICD-Schockabgabe.

Antikoagulation

Unter blutverdünnender Therapie muss das Verletzungsrisiko der Sportart streng abgewogen werden:

Risiko für VerletzungenSportempfehlung bei Antikoagulation
Hoch (z.B. Kampfsport, Reiten)Generelles Verbot
Mittel (z.B. Fußball, Ski alpin)Verbot von Leistungssport, Freizeitsport meiden
Gering (z.B. Schwimmen, Leichtathletik)Ausdrücklich empfohlen

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die Spiroergometrie ab dem 6. bis 8. Lebensjahr nicht nur zur Risikostratifizierung, sondern aktiv zur Erstellung eines individuellen Trainingsplans. Ein pauschales Sportverbot ist bei den meisten angeborenen Herzfehlern obsolet.

Häufig gestellte Fragen

Ja, möglichst viele Kinder sollen am Schulsport teilnehmen. Ein generelles Sportverbot ist nur in sehr wenigen Ausnahmen erforderlich.
Eine ausführliche Anamnese, eine klinische Untersuchung, ein 12-Kanal-Ruhe-EKG sowie eine Echokardiographie sind obligat.
Ja, sie sollen zu sportlicher Aktivität ermutigt werden. Zu vermeiden sind jedoch Maximalkrafttraining und Tauchen, da ein Valsalva-Manöver die Lungenperfusion gefährdet.
Wettkampfsport ist bei Ionenkanalerkrankungen kontraindiziert. Leichter bis moderater Freizeitsport kann je nach individuellem Risiko und Therapie möglich sein.
Sportarten mit mittlerem und hohem Verletzungsrisiko (z.B. Kampfsport, Reiten, körperbetonte Mannschaftssportarten) werden nicht empfohlen.

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