ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Synkopen-Management: ESC/DGK-Leitlinie 2018

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Synkope ist ein vorübergehender Bewusstseinsverlust (TLOC) infolge einer zerebralen Hypoperfusion.
  • Die initiale Abklärung muss immer Anamnese, körperliche Untersuchung (Blutdruck liegend/stehend) und ein 12-Kanal-EKG umfassen.
  • Die Risikostratifizierung in der Notaufnahme entscheidet über Entlassung, Beobachtung oder stationäre Aufnahme.
  • Der implantierbare Loop-Rekorder (ILR) hat einen hohen Stellenwert in der frühen Abklärung rezidivierender Synkopen unklarer Genese.
  • Bei Reflexsynkopen stehen Aufklärung und Lebensstiländerungen im Vordergrund; Schrittmacher sind streng indiziert (z.B. bei Asystolie > 3 Sekunden).
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Eine Synkope ist definiert als ein vorübergehender Bewusstseinsverlust (TLOC) infolge einer zerebralen Hypoperfusion. Sie ist gekennzeichnet durch ein rasches Einsetzen, eine kurze Dauer und eine spontane, vollständige Erholung. Ein TLOC umfasst auch andere Ursachen wie epileptische Anfälle oder psychogene Pseudosynkopen, die von der echten Synkope differenzialdiagnostisch abgegrenzt werden müssen.

Klassifikation der Synkope

Die pathophysiologische Grundlage aller Synkopen ist ein Abfall des systemischen Blutdrucks mit globaler zerebraler Hypoperfusion. Es werden drei Hauptgruppen unterschieden:

Synkopen-TypUrsachen und Auslöser
ReflexsynkopeVasovagal (orthostatisch, emotional), situativ (Miktion, Husten, Schlucken), Carotissinus-Syndrom
Orthostatische Hypotonie (OH)Medikamenteninduziert (häufigste Ursache), Volumenmangel, primäres oder sekundäres autonomes Versagen
Kardiale SynkopeArrhythmie (Bradykardie, Tachykardie), strukturell (Aortenstenose, Ischämie, Lungenembolie, Aortendissektion)

Initiale Abklärung

Die Basisdiagnostik bei jedem Patienten mit Verdacht auf Synkope zielt darauf ab, die Ursache zu klären und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einzuschätzen. Sie umfasst zwingend (Empfehlungsgrad I):

  • Sorgfältige Anamnese (inkl. Augenzeugenberichte)
  • Körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung im Liegen und Stehen
  • 12-Kanal-EKG

Risikostratifizierung in der Notaufnahme

Die Identifikation von Hochrisikopatienten ist essenziell für die Entscheidung über eine stationäre Aufnahme, eine Überwachung in einer Synkopen-Einheit oder die ambulante Entlassung.

RisikoKlinische MerkmaleEKG-Befunde
Geringes RisikoTypische Prodromi, Auslöser (Schmerz, langes Stehen), normales EKG, keine strukturelle HerzerkrankungNormales EKG
Hohes Risiko (Major)Thoraxschmerz, Atemnot, Synkope im Liegen/bei Belastung, plötzliche Palpitationen, systolischer RR < 90 mmHgIschämiezeichen, AV-Block II° Mobitz 2 oder III°, HF < 40 bpm, VT, Brugada-Muster, QTc > 460 ms

Erweiterte Diagnostik

Abhängig von der initialen Abklärung kommen weitere spezifische Tests zum Einsatz:

  • Carotissinus-Massage (CSM): Indiziert bei Patienten > 40 Jahre mit Synkope unklarer Ursache, die auf einen Reflexmechanismus hindeutet (Empfehlungsgrad I).
  • Aktives Stehen: Zur Diagnose der orthostatischen Hypotonie (Abfall systolisch ≥ 20 mmHg oder diastolisch ≥ 10 mmHg) (Empfehlungsgrad I).
  • Kipptisch-Untersuchung: Zu erwägen bei Verdacht auf Reflexsynkope, OH oder posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS) (Empfehlungsgrad IIa).
  • Implantierbarer Loop-Rekorder (ILR): Indiziert in einer frühen Phase bei rezidivierenden Synkopen unklarer Genese ohne Hochrisikokriterien (Empfehlungsgrad I).
  • Echokardiographie: Indiziert bei Verdacht auf strukturelle Herzerkrankung (Empfehlungsgrad I).

Therapie der Reflexsynkope

Der Grundpfeiler der Therapie ist nicht-pharmakologisch. Eine Reduktion der Synkopenhäufigkeit ist das primäre Behandlungsziel.

MaßnahmeIndikation / DosierungEmpfehlungsgrad
Aufklärung & LebensstilErklärung der Diagnose, Beruhigung, Vermeidung von TriggernI
MedikamentenanpassungAbsetzen/Reduktion blutdrucksenkender MedikamenteIIa
Mechanische ManöverIsometrische Gegenregulationsmanöver bei Prodromi (< 60 Jahre)IIa
Fludrocortison0,05–0,2 mg 1x tgl. bei orthostatischer VVS (junge Patienten)IIb
Midodrin2,5–10 mg 3x tgl. bei orthostatischer VVSIIb
BetablockerZur Therapie der Reflexsynkope nicht indiziertIII

Schrittmacher-Indikationen bei Reflexsynkope

Eine Schrittmachertherapie ist streng zu stellen und primär für Patienten ab dem mittleren Alter mit schweren, rezidivierenden Formen reserviert:

  • Empfehlungsgrad IIa: Patienten > 40 Jahre mit spontaner dokumentierter Asystolie > 3 Sekunden oder asymptomatischen Pausen > 6 Sekunden.
  • Empfehlungsgrad IIa: Patienten > 40 Jahre mit kardioinhibitorischem Carotissinus-Syndrom und häufig rezidivierenden, unvorhersehbaren Synkopen.
  • Empfehlungsgrad III: Nicht indiziert bei Fehlen eines dokumentierten kardioinhibitorischen Reflexes.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei rezidivierenden Synkopen unklarer Genese ohne Hochrisikokriterien frühzeitig einen implantierbaren Loop-Rekorder (ILR). Die Kipptisch-Untersuchung dient primär der Bestätigung einer Reflexsynkope und nicht als ungerichteter Suchtest.

Häufig gestellte Fragen

Eine sorgfältige Anamnese (inklusive Fremdanamnese), eine körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung im Liegen und Stehen sowie ein 12-Kanal-EKG.
Bei Patienten über 40 Jahren mit Synkopen unklarer Ursache, bei denen ein Reflexmechanismus vermutet wird. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit TIA oder Schlaganfall in der Vorgeschichte.
Bei einem Abfall des systolischen Blutdrucks um ≥ 20 mmHg oder des diastolischen Blutdrucks um ≥ 10 mmHg vom Ausgangswert (oder systolisch < 90 mmHg) beim aktiven Stehen.
Nein, Betablocker sind laut Leitlinie zur Therapie der Reflexsynkope explizit nicht indiziert (Empfehlungsgrad III).
Unter anderem bei Patienten > 40 Jahre mit rezidivierenden Synkopen und dokumentierter Asystolie > 3 Sekunden oder asymptomatischen Pausen > 6 Sekunden (Empfehlungsgrad IIa).

Verwandte Leitlinien