ClariMedClariMed

Tachykarde Rhythmusstörungen bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die supraventrikuläre Tachykardie (SVT) ist die häufigste Tachyarrhythmie bei Kindern und Jugendlichen.
  • Mittel der ersten Wahl zur medikamentösen Durchbrechung einer stabilen SVT ist Adenosin i.v. als rascher Bolus.
  • Verapamil ist bei Neugeborenen und Säuglingen streng kontraindiziert und darf erst ab dem Schulalter eingesetzt werden.
  • Bei hämodynamischer Instabilität ist die sofortige externe Kardioversion (1 J/kg) oder Defibrillation (4 J/kg) indiziert.
  • Die Katheterablation ist bei Kindern >15 kg mit symptomatischen akzessorischen Leitungsbahnen (WPW) oder AVNRT eine sichere und kausale Therapie.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Tachykarde Herzrhythmusstörungen sind durch eine paroxysmale oder chronisch-permanente Erhöhung der Vorhof- und/oder Kammerfrequenz gekennzeichnet. Sie werden in supraventrikuläre (SVT) und ventrikuläre Tachyarrhythmien (VT) unterteilt, je nachdem, ob anatomische Strukturen oberhalb oder unterhalb der Bifurkation des His-Bündels beteiligt sind. Eine Tachykardie liegt bei >3 konsekutiven Tachykardieimpulsen vor.

Die klinische Symptomatik ist altersabhängig:

  • Säuglinge: Rasche Entwicklung einer Herzinsuffizienz bei Frequenzen >250/min aufgrund verkürzter diastolischer Füllung.
  • Kinder/Jugendliche: Palpitationen, Schwindel, Unwohlsein. Synkopen sind selten.
  • Chronische Tachykardien: Gefahr der Tachykardie-induzierten Kardiomyopathie mit schwerer Einschränkung der linksventrikulären Funktion.

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst das 12-Kanal-Ruhe-EKG, Langzeit-EKG und die Echokardiographie. Zur Demaskierung spezifischer Rhythmusstörungen können medikamentöse Provokationstests eingesetzt werden:

MedikamentIndikation / Ziel
AdenosinDifferentialdiagnose und Therapie bei Vorhoftachykardien und breiten QRS-Komplexen
Ajmalin / FlecainidBrugada-Syndrom (Expression des typischen EKG-Musters)
AdrenalinVerdacht auf Long-QT-Syndrom (LQTS) Typ 1 oder CPVT

Akuttherapie der Supraventrikulären Tachykardie (SVT)

Vor und während jeder Akutbehandlung muss eine EKG-Aufzeichnung erfolgen. Bei hämodynamisch stabilen Patienten sind vagale Manöver (z.B. Eisbeutel auf das Gesicht bei Säuglingen) der erste Schritt.

WirkstoffDosierungBemerkung
Adenosin0,1-0,3 mg/kg i.v. (max. 12 mg)Mittel der 1. Wahl, als rascher Bolus
Verapamil0,1 mg/kg i.v. (max. 5 mg)Kontraindiziert bei Säuglingen, Einsatz erst ab Schulalter
Amiodaron5 mg/kg i.v. über 30 minBei frühem Rezidiv, gefolgt von Dauerinfusion
Propafenon1-2 mg/kg langsam i.v.Alternativ bei frühem Rezidiv

Achtung: Die i.v.-Therapie mit einem Beta-Blocker wird zur Akuttherapie aufgrund der negativ inotropen Wirkung nicht empfohlen.

Spezifische SVT-Formen und Dauertherapie

Präexzitationssyndrome (WPW-Syndrom)

Akzessorische Leitungsbahnen sind die häufigste Ursache der SVT im Kindesalter.

  • Säuglinge: Meist spontanes Sistieren im 1. Lebensjahr. Medikamentöse Prophylaxe ist primär indiziert.
  • Kinder >15 kg & Jugendliche: Die Katheterablation ist die kausale Therapie der Wahl (Erfolgsrate >95%, AV-Block-Risiko <1%).
  • Kontraindikationen: Digoxin und Verapamil dürfen bei Präexzitationssyndromen nicht verabreicht werden, da sie die Überleitung über die akzessorische Bahn beschleunigen und Kammerflimmern auslösen können.

AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT)

Zweithäufigste SVT im Kindesalter. Es besteht kein Risiko für einen plötzlichen Herztod. Die selektive Ablation des langsam leitenden Schenkels hat bei Kindern eine Erfolgsrate von >96%.

Ventrikuläre Tachykardien (VT) und Kammerflimmern (VF)

Die Akuttherapie richtet sich nach der Hämodynamik. Von der primären intravenösen Gabe von Antiarrhythmika bei instabilen Patienten wird abgeraten.

Maßnahme1. SchockBei Erfolglosigkeit
Kardioversion (synchronisiert bei VT)1 J/kg2 J/kg
Defibrillation (asynchron bei VF/instabiler VT)4 J/kg4 J/kg

Pädiatrische Flächenelektroden (4,5 cm) sollten bei Kindern unter 10 kg verwendet werden.

Angeborene Arrhythmiesyndrome (Ionenkanalerkrankungen)

Diese Erkrankungen beruhen auf Genmutationen und können zu polymorphen VT (Torsade des Pointes) oder Kammerflimmern führen. Eine molekulargenetische Diagnostik ist bei Indexpatienten und Familienangehörigen indiziert.

SyndromEKG-MerkmalTherapie der Wahl
Long-QT-Syndrom (LQTS)Verlängerte QTc-ZeitBeta-Blocker (Nadolol, Propranolol), ggf. ICD
Brugada-Syndrom (BrS)ST-Hebungen rechtspräkordialICD-Implantation, konsequente Fiebersenkung
CPVTBelastungsinduzierte polymorphe VTBeta-Blocker, Flecainid, striktes Sportverbot
Short-QT-Syndrom (SQTS)QTc ≤340 msChinidin, ICD-Implantation

Bei allen Ionenkanalerkrankungen gilt: Ein überlebter Kreislaufstillstand ist eine Klasse-I-Indikation für eine ICD-Implantation.

💡Praxis-Tipp

Geben Sie Verapamil niemals bei Neugeborenen und Säuglingen zur Tachykardie-Durchbrechung. Bei hämodynamischer Instabilität ist die sofortige elektrische Kardioversion (1 J/kg) das Mittel der Wahl – verzögern Sie diese nicht durch medikamentöse Versuche.

Häufig gestellte Fragen

Adenosin i.v. als rascher Bolus (0,1-0,3 mg/kg, maximal 12 mg) ist das Mittel der ersten Wahl bei hämodynamisch stabilen Patienten.
Verapamil darf erst ab dem Schulalter (>5 Jahre) eingesetzt werden. Bei Neugeborenen und Säuglingen ist es streng kontraindiziert.
Als Richtwert für die Durchführung einer Katheterablation (z.B. bei WPW oder AVNRT) gilt ein Körpergewicht von >15 kg.
Bei der synchronisierten Kardioversion werden initial 1 J/kg, bei Erfolglosigkeit 2 J/kg empfohlen. Bei der asynchronen Defibrillation werden 4 J/kg angewendet.
Digoxin und Verapamil sind kontraindiziert, da sie die antegrade Refraktärzeit der akzessorischen Leitungsbahn verkürzen und bei Vorhofflimmern zu Kammerflimmern führen können.

Verwandte Leitlinien