WHO2021

Symptomatische STI: Diagnostik und Therapie-Empfehlung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) stellen weltweit ein erhebliches Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Die WHO-Leitlinie (2021) zum Management symptomatischer STI zielt darauf ab, die Übertragung zu stoppen und schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.

Ein zentraler Ansatz ist das syndromische Management, insbesondere in ressourcenlimitierten Umgebungen. Es basiert auf der Identifikation von Symptomkomplexen wie Ausfluss oder Ulzera, um eine sofortige Therapie am Tag der Erstvorstellung zu ermöglichen.

Die zunehmende antimikrobielle Resistenz, insbesondere bei Neisseria gonorrhoeae, erfordert standardisierte und evidenzbasierte Behandlungsprotokolle. Gleichzeitig wird der Einsatz von molekularen Schnelltests (NAAT) empfohlen, sofern diese zeitnah verfügbar sind.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management symptomatischer STI:

Diagnostik

Laut Leitlinie wird die Nutzung qualitätsgesicherter molekularer Assays (z. B. NAAT) zur Erregerbestimmung empfohlen (starke Empfehlung). Die Testergebnisse sollten idealerweise am selben Tag vorliegen, um eine gezielte Therapie zu ermöglichen.

Stehen keine zeitnahen molekularen Tests zur Verfügung, wird ein syndromischer Ansatz empfohlen. Dies stellt sicher, dass Betroffene noch am Tag der Erstvorstellung behandelt werden.

Urethraler Ausfluss beim Mann

Es wird empfohlen, bei urethralem Ausfluss primär auf Neisseria gonorrhoeae (NG) und Chlamydia trachomatis (CT) zu testen und entsprechend zu behandeln. Bei negativen Tests, aber persistierendem Ausfluss, sollte eine Therapie gegen Mycoplasma genitalium und Trichomonas vaginalis erfolgen.

Ohne Testmöglichkeit wird eine sofortige syndromische Therapie gegen NG und CT empfohlen.

Vaginaler Ausfluss

Die Leitlinie empfiehlt bei vaginalem Ausfluss eine Therapie gegen NG, CT und Trichomonas vaginalis am selben Tag. Bei Vorliegen eines zähen oder dünnflüssigen Ausflusses wird zusätzlich eine Behandlung der bakteriellen Vaginose empfohlen.

Bei typischem krümeligem Ausfluss und Juckreiz wird eine Therapie gegen Candida albicans angeraten.

Unterbauchschmerzen bei Frauen

Bei sexuell aktiven Frauen mit Unterbauchschmerzen und zervikalem Bewegungsschmerz wird eine sofortige syndromische Therapie der Beckenentzündung (PID) empfohlen.

Zusätzlich wird zu einer Testung auf NG, CT und Mycoplasma genitalium geraten, um die Partnerbehandlung zu unterstützen. Eine klinische Kontrolle sollte nach drei Tagen erfolgen.

Genitale und anorektale Ulzera

Es wird empfohlen, anogenitale Ulzera molekularbiologisch auf Herpes-simplex-Virus (HSV) und Treponema pallidum (Syphilis) zu untersuchen. Ohne Testmöglichkeit wird eine sofortige syndromische Therapie gegen beide Erreger empfohlen.

Eine Therapie gegen Haemophilus ducreyi (Ulcus molle) wird nur in Regionen empfohlen, in denen Fälle gemeldet werden.

Anorektaler Ausfluss

Bei anorektalem Ausfluss nach rezeptivem Analverkehr wird eine Testung und gezielte Therapie gegen NG und CT empfohlen. Bei begleitenden anorektalen Schmerzen sollte laut Leitlinie zusätzlich gegen HSV behandelt werden.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Erstlinien- und Alternativtherapien für die häufigsten Erreger:

Gonorrhoe und Chlamydien (Urethritis, Zervizitis, Proktitis)

ErregerErstlinientherapieAlternative Therapie
Neisseria gonorrhoeaeCeftriaxon 250 mg i.m. (Einzeldosis) + Azithromycin 1 g p.o. (Einzeldosis)Cefixim 400 mg p.o. (Einzeldosis) + Azithromycin 1 g p.o. (Einzeldosis)
Chlamydia trachomatisDoxycyclin 100 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage)Azithromycin 1 g p.o. (Einzeldosis)
Mycoplasma genitaliumAzithromycin 500 mg p.o. (Tag 1), dann 250 mg p.o. (Tag 2-5)Keine Angabe

Vaginale Infektionen

IndikationErstlinientherapieAlternative Therapie
Bakterielle VaginoseMetronidazol 400/500 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage) ODER 2 g p.o. (Einzeldosis)Clindamycin 300 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage)
Trichomonas vaginalisMetronidazol 2 g p.o. (Einzeldosis)Metronidazol 400/500 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage)
Candida albicansMiconazol 200 mg vaginal (zur Nacht für 3 Tage)Fluconazol 150 mg p.o. (Einzeldosis)

Genitale Ulzera

IndikationErstlinientherapieAlternative Therapie
Syphilis (Frühstadium)Benzathin-Penicillin 2,4 Mio. IE i.m. (Einzeldosis)Doxycyclin 100 mg p.o. (2x täglich für 14 Tage)
HSV (Primärinfektion)Aciclovir 400 mg p.o. (3x täglich für 10 Tage)Valaciclovir 500 mg p.o. (2x täglich für 10 Tage)
HSV (Rezidiv, episodisch)Aciclovir 400 mg p.o. (3x täglich für 5 Tage)Valaciclovir 500 mg p.o. (2x täglich für 5 Tage)

Kontraindikationen

Laut Leitlinie wird der Einsatz von Metronidazol im ersten Trimenon der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, der Nutzen überwiegt die potenziellen Risiken.

Es wird darauf hingewiesen, dass Erythromycin bei der Behandlung von Syphilis in der Schwangerschaft die Plazentaschranke nicht vollständig passiert. Das Neugeborene muss in diesem Fall nach der Geburt separat behandelt werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass eine Verzögerung der Therapie bis zum Eintreffen von Laborergebnissen vermieden werden sollte. Wenn molekulare Schnelltests nicht am selben Tag verfügbar sind, wird ein sofortiger syndromischer Behandlungsbeginn empfohlen, um die Infektionskette rasch zu unterbrechen und Komplikationen zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird bei fehlender Testmöglichkeit eine sofortige syndromische Therapie empfohlen. Diese deckt standardmäßig Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis ab.

Die Leitlinie empfiehlt eine duale Therapie aus Ceftriaxon 250 mg intramuskulär und Azithromycin 1 g oral, jeweils als Einzeldosis. Dies gilt für Regionen ohne verlässliche Daten zur lokalen Resistenzlage.

Es wird empfohlen, bei rezidivierenden oder bläschenförmigen Ulzera primär an eine Herpes-simplex-Infektion zu denken. Die Leitlinie rät in diesen Fällen zu einer antiviralen Therapie, beispielsweise mit Aciclovir.

Eine Überweisung zur chirurgischen oder gynäkologischen Beurteilung wird unter anderem bei Verdacht auf eine ektopische Schwangerschaft, bei Abwehrspannung oder bei einer tastbaren Raumforderung empfohlen. Auch bei fehlendem Ansprechen auf eine ambulante Therapie wird eine stationäre Abklärung angeraten.

Die empfohlene Erstlinientherapie besteht aus einer oralen Einzeldosis von 2 g Metronidazol. Alternativ wird eine siebentägige Therapie mit 400 bis 500 mg Metronidazol zweimal täglich genannt.

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Quelle: Guidelines for the management of symptomatic sexually transmitted infections (WHO, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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