Flüssigkeitstherapie bei Verbrennung: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Verbrennungen können zu einem lebensbedrohlichen distributiven Schock und einer systemischen Entzündungsreaktion führen. Eine adäquate und zeitnahe Flüssigkeitstherapie ist daher essenziell, um ein Multiorganversagen zu verhindern.
Traditionell wird die betroffene Körperoberfläche (TBSA) mit der Neunerregel geschätzt und die Flüssigkeitsmenge über die Parkland-Formel berechnet. Dies erfordert jedoch das genaue Körpergewicht, welches im präklinischen Setting häufig nicht bekannt ist.
Die "Rule of Tens" (Zehnerregel) wurde speziell für die präklinische Versorgung entwickelt, um die initiale Flüssigkeitsgabe zu vereinfachen. Sie zielt darauf ab, eine schrittweise Reperfusion zu ermöglichen und Komplikationen durch Volumenüberladung zu vermeiden.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur initialen Volumentherapie:
Initiale Flüssigkeitsberechnung
Die Leitlinie beschreibt die "Rule of Tens" als vereinfachte Methode zur Berechnung der initialen intravenösen Flüssigkeitsrate. Hierbei wird die betroffene Körperoberfläche (TBSA) zunächst auf den nächsten Zehnerschritt aufgerundet.
Die initiale Laufrate in Milliliter pro Stunde ergibt sich laut Leitlinie aus der Multiplikation der aufgerundeten TBSA mit dem Faktor 10.
Gewichtsadaption
Für die Anwendung der Zehnerregel werden folgende gewichtsspezifische Anpassungen beschrieben:
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Bei einem Körpergewicht zwischen 40 und 80 kg ist keine genaue Gewichtskenntnis erforderlich.
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Bei einem Gewicht über 80 kg wird empfohlen, die Rate um 100 ml/h für jede weiteren 10 kg Körpergewicht zu erhöhen.
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Bei Patienten unter 40 kg ist die Zehnerregel nicht anwendbar. Hier wird stattdessen die Nutzung der Neunerregel in Kombination mit der Parkland- oder modifizierten Brooke-Formel empfohlen.
Monitoring und Komplikationsmanagement
Es wird betont, dass die Flüssigkeitsrate im Verlauf an objektive Parameter wie Urinausscheidung, mittleren arteriellen Druck und Serumlaktat angepasst werden sollte.
Die Leitlinie warnt vor einer Überwässerung, da diese ein Kompartmentsyndrom begünstigen kann. Bei tiefen oder zirkulären Verbrennungen der Extremitäten (über 75 %) besteht ein besonders hohes Risiko.
Bei klinischen Zeichen eines Kompartmentsyndroms (wie Schmerz, Blässe oder Pulslosigkeit) wird eine sofortige chirurgische Vorstellung zur möglichen Fasziotomie oder Escharotomie empfohlen.
Dosierung
| Patientengewicht | Empfohlene Methode | Initiale Flüssigkeitsrate (ml/h) |
|---|---|---|
| Unter 40 kg | Parkland- oder modifizierte Brooke-Formel | Individuelle Berechnung nach Formel |
| 40 bis 80 kg | Rule of Tens | % TBSA (aufgerundet auf nächste 10) × 10 |
| Über 80 kg | Rule of Tens (modifiziert) | [% TBSA (aufgerundet auf 10) × 10] + 100 je 10 kg über 80 kg |
Kontraindikationen
Die "Rule of Tens" ist bei Patienten mit einem Körpergewicht von unter 40 kg (überwiegend pädiatrische Patienten) kontraindiziert, da die Formel für diese Gewichtsklasse nicht korrigiert ist. In diesen Fällen wird auf alternative Berechnungsmodelle verwiesen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass eine rein visuelle Einschätzung der verbrannten Körperoberfläche häufig zu einer Überschätzung von bis zu 20 % führt. Dies birgt das Risiko einer Überwässerung, welche ein lebensbedrohliches Kompartmentsyndrom oder ein Lungenödem auslösen kann. Es wird daher empfohlen, die Flüssigkeitsgabe engmaschig anhand objektiver Perfusionsparameter zu reevaluieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die betroffene Körperoberfläche (TBSA) auf den nächsten Zehnerschritt aufgerundet und mit 10 multipliziert. Das Ergebnis entspricht der initialen intravenösen Laufrate in Milliliter pro Stunde.
Die Leitlinie definiert eine schwere Verbrennung bei Erwachsenen ab einer betroffenen Körperoberfläche von 20 Prozent. Bei Kindern gilt bereits eine betroffene Fläche von mehr als 10 Prozent als schwere Verbrennung.
Die Parkland-Formel erfordert das genaue Körpergewicht des Patienten zur Berechnung der Flüssigkeitsmenge. Da dieses im präklinischen Setting häufig nicht bekannt ist, kann es zu fehlerhaften Schätzungen und inadäquater Therapie kommen.
Bei Patienten über 80 Kilogramm wird die nach der Zehnerregel berechnete Basisrate angepasst. Es wird empfohlen, für jede weiteren 10 Kilogramm Körpergewicht zusätzlich 100 Milliliter pro Stunde zu verabreichen.
Eine Überwässerung kann laut Leitlinie zu einem kardiopulmonalen Versagen durch Volumenüberlastung führen. Zudem steigt das Risiko für ein Kompartmentsyndrom, welches eine sofortige chirurgische Intervention erfordert.
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Quelle: StatPearls: EMS Burn Rule of Tens (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.