Thermische Verbrennungen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Thermische Verbrennungen stellen weltweit eine signifikante Ursache für Morbidität und Mortalität dar. Die StatPearls-Leitlinie bietet einen umfassenden Überblick über die Pathophysiologie, Evaluation und das Management dieser Verletzungen.
Die lokale Gewebeschädigung wird in drei Zonen eingeteilt: die zentrale Koagulationszone mit maximaler Schädigung, die umgebende Stasezone und die periphere Hyperämiezone. Eine adäquate Therapie ist entscheidend, um eine Ausweitung der Nekrose in der Stasezone zu verhindern.
Bei großflächigen Verbrennungen kommt es zu einer massiven systemischen Entzündungsreaktion. Diese führt zu einer erhöhten Kapillarpermeabilität, was lebensbedrohliche Hypotonie, Lungenödeme und ein dem septischen Schock ähnliches Bild auslösen kann.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management thermischer Verbrennungen:
Initiale Evaluation und Diagnostik
Die Erstversorgung sollte primär gemäß den ATLS-Richtlinien (Airway, Breathing, Circulation) erfolgen. Es wird empfohlen, die betroffene Körperoberfläche (TBSA) bei Erwachsenen mit der Neunerregel und bei Kindern mit dem Lund-Browder-Schema zu berechnen.
Zur Basisdiagnostik gehören laut Leitlinie ein großes Blutbild, ein metabolisches Profil, Gerinnungsparameter sowie ein Urin-Drogenscreening. Bei Verdacht auf ein Inhalationstrauma wird die Bestimmung des Carboxyhämoglobins empfohlen.
Einteilung der Verbrennungstiefe
Die Leitlinie klassifiziert die Verbrennungstiefe anhand klinischer Merkmale:
| Grad | Betroffene Schichten | Klinisches Bild | Heilungsdauer |
|---|---|---|---|
| Erstgradig | Epidermis | Erythem, Schmerz, keine Blasen | 3-5 Tage |
| Zweitgradig (oberflächlich) | Papilläre Dermis | Blasen, feucht, rosafarben, wegdrückbar | 10-15 Tage |
| Zweitgradig (tief) | Retikuläre Dermis | Weiß, wachsartig, nicht wegdrückbar, weniger schmerzhaft | 3-5 Wochen (mit Narbenbildung) |
| Drittgradig | Komplette Epidermis und Dermis | Lederartig, trocken, thrombosierte Gefäße, schmerzlos | Länger (chirurgische Intervention nötig) |
| Viertgradig | Subkutanes Fett, Muskeln, Knochen | Tiefe Gewebezerstörung | Amputation/Transplantation erforderlich |
Kriterien für ein Verbrennungszentrum
Eine Verlegung in ein spezialisiertes Verbrennungszentrum wird unter anderem in folgenden Fällen empfohlen:
-
TBSA von 10 % oder mehr bei zweitgradigen oder tieferen Verbrennungen
-
Verbrennungen an Gesicht, Händen, Füßen, Genitalien, Perineum oder großen Gelenken
-
Chemische oder elektrische Verbrennungen sowie Inhalationstraumata
Chirurgische Therapie und Monitoring
Für tiefe zweitgradige oder drittgradige Verbrennungen wird eine frühzeitige chirurgische Exzision und Spalthauttransplantation innerhalb von zehn Tagen empfohlen. Dies senkt das Infektionsrisiko und reduziert die Narbenbildung signifikant.
Zirkuläre Verbrennungen erfordern ein engmaschiges Monitoring auf ein Kompartmentsyndrom. Bei entsprechenden Anzeichen wird eine umgehende Escharotomie oder Fasziotomie empfohlen.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt für die Volumentherapie bei Verbrennungen ab 20 % TBSA kristalloide Lösungen, wobei Ringer-Laktat bevorzugt wird. Die berechnete Menge wird zur Hälfte in den ersten 8 Stunden und zur anderen Hälfte in den folgenden 16 Stunden verabreicht.
| Formel | Berechnung | Zielparameter |
|---|---|---|
| Parkland-Formel | 4 ml × % TBSA × Körpergewicht (kg) | Urinausscheidung 0,5-1 ml/kg/h |
| Modifizierte Brooke-Formel | 2 ml × % TBSA × Körpergewicht (kg) | Urinausscheidung 0,5-1 ml/kg/h |
Für die topische Wundversorgung werden folgende antimikrobielle Substanzen beschrieben:
| Medikament | Indikation / Eigenschaft | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Silbersulfadiazin | Standardtherapie, gute Penetration | Breites Spektrum, weniger schmerzhaft |
| Silbernitrat | Oberflächliche Verbrennungen | Einsatz bei Sulfa-Allergie |
| Mafenidacetat | Sehr tiefe, kontaminierte Wunden, Ohrmuschel | Hervorragende Knorpelpenetration, schmerzhaft |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, verbrannte Areale mit Eis zu kühlen, da dies zu weiteren Gewebeschäden und Hypothermie führen kann.
Ebenso wird von der Anwendung von Salben oder Hausmitteln bei schweren Verbrennungen abgeraten, da diese ernsthafte Infektionen verursachen können.
💡Praxis-Tipp
Ein unauffälliger Carboxyhämoglobin-Wert schließt ein Inhalationstrauma nicht sicher aus. Da die Halbwertszeit von Carboxyhämoglobin unter 100 % Sauerstoffgabe auf unter vier Stunden sinkt, können verzögert abgenommene Laborwerte falsch-negativ ausfallen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Parkland-Formel (4 ml × % TBSA × kg) oder die modifizierte Brooke-Formel (2 ml × % TBSA × kg). Die Hälfte der berechneten Menge wird in den ersten 8 Stunden verabreicht, der Rest in den folgenden 16 Stunden.
Eine Verlegung wird unter anderem bei zweitgradigen Verbrennungen von über 10 % der Körperoberfläche empfohlen. Auch Verbrennungen an Gesicht, Händen, Füßen oder Genitalien sowie Inhalationstraumata stellen laut Leitlinie eine Indikation dar.
Für Verbrennungen der Ohrmuschel wird Mafenidacetat empfohlen. Dies begründet die Leitlinie mit der hervorragenden Knorpelpenetration des Wirkstoffs.
Frühe Warnzeichen sind laut Leitlinie Schmerzen, die nicht zum Befund passen, sowie Parästhesien und Poikilothermie. Ein fehlender Puls oder Lähmungen treten erst im Spätstadium auf.
Es wird empfohlen, tiefe zweitgradige und drittgradige Verbrennungen innerhalb von zehn Tagen chirurgisch zu exzidieren und zu transplantieren. Dies beschleunigt die Heilung und senkt das Infektionsrisiko signifikant.
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Quelle: StatPearls: Acute and Chronic Thermal Burn Evaluation and Management (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.