Gesichtsverbrennungen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Gesichtsverbrennungen stellen eine erhebliche funktionelle und ästhetische Herausforderung dar. Die StatPearls-Leitlinie betont, dass neben der Sicherung der Atemwege auch der Erhalt von spezialisierten Sinnesfunktionen wie Sehen, Hören und Riechen im Fokus der Akutversorgung steht.
Die häufigsten Ursachen sind thermische Verletzungen, gefolgt von chemischen und elektrischen Traumen. Besonders bei Kindern und vulnerablen Gruppen wird empfohlen, stets auch auf Anzeichen von Misshandlung oder Vernachlässigung zu achten, da das Gesicht bei nicht-akzidentellen Traumen häufig betroffen ist.
Aufgrund der komplexen Anatomie und der weitreichenden psychologischen Folgen ist ein multidisziplinärer Ansatz zwingend erforderlich. Die Behandlung erstreckt sich laut Leitlinie oft über Monate bis Jahre und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Notfallmedizinern, Chirurgen, Augenärzten und psychologischem Fachpersonal.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Gesichtsverbrennungen:
Akutmanagement und Atemwege
Das initiale Management sollte strikt den ATLS-Prinzipien folgen. Es wird empfohlen, den Verbrennungsprozess sofort zu stoppen und kontaminierte Kleidung vorsichtig zu entfernen.
Da sich ein Schleimhautödem bei Gesichts- und Inhalationstraumen extrem schnell entwickeln kann, wird eine frühzeitige Intubation empfohlen. Die Leitlinie nennt folgende Kriterien, bei denen eine Intubation stark erwogen werden sollte:
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Vollschichtige Gesichtsverbrennungen
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Stridor oder akute Atemnot
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Sichtbare Schwellungen in der Laryngoskopie
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Alterierter Bewusstseinszustand oder hämodynamische Instabilität
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Hypoxie oder Hyperkapnie
Diagnostik und Evaluation
Die betroffene Körperoberfläche (TBSA) sollte präzise berechnet werden, wobei nur zweit- und drittgradige Verbrennungen in die Berechnung der Flüssigkeitsresuscitation einfließen. Zur Beurteilung der Verbrennungstiefe wird folgende Klassifikation herangezogen:
| Verbrennungstiefe | Betroffene Schichten | Klinisches Erscheinungsbild | Schmerzhaftigkeit |
|---|---|---|---|
| Oberflächlich | Nur Epidermis | Rötung, blass werdend bei Druck | Schmerzhaft |
| Oberflächlich-dermal | Epidermis und obere Dermis | Rötung, Blasenbildung, blass werdend | Schmerzhaft |
| Tief-dermal | Epidermis und tiefe Dermis | Marmoriert, feucht, Blasenbildung | Schmerzhaft bei Druck |
| Vollschichtig | Gesamte Dermis bis Subkutis | Verbrennungsschorf (Eschar) | Schmerzlos |
Bei Verdacht auf ein Inhalationstrauma wird eine Untersuchung auf Kohlenmonoxid- und Zyanidvergiftung empfohlen. Bei persistierender Laktatazidose trotz Flüssigkeitsgabe sollte eine empirische Therapie mit Hydroxocobalamin erfolgen.
Wundversorgung und topische Therapie
Für die initiale Reinigung des Gesichts wird milde Seife und Wasser oder eine ausgiebige Spülung mit Kochsalzlösung empfohlen. Aggressives Schrubben ist zu vermeiden, um das Gewebe zu schonen.
Als topische Antimikrobiotika für das Gesicht werden Mupirocin oder antibiotische Kombinationssalben (z.B. Bacitracin) empfohlen. Für Verbrennungen an Ohren und Nase wird Mafenid hervorgehoben, da es Knorpelgewebe effektiv penetriert.
Spezifische Gesichtsregionen
Bei jeglicher Beteiligung der Augenlider oder Augen wird eine sofortige Spülung und eine frühzeitige ophthalmologische Vorstellung empfohlen. Die Hornhaut sollte kontinuierlich befeuchtet und mittels Fluoreszein auf Defekte untersucht werden.
Bei Verbrennungen der Ohren wird von Kompressionsverbänden abgeraten, um Knorpelnekrosen zu vermeiden. Bei Verbrennungen der Mundwinkel wird der frühzeitige Einsatz von dynamischen Schienen empfohlen, um einer Mikrostomie vorzubeugen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht folgende Warnhinweise und Kontraindikationen aus:
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Chlorhexidin ist im Gesicht kontraindiziert, da es bei Augenkontakt toxisch auf die Hornhaut wirkt.
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Jodhaltige Lösungen werden aufgrund ihrer gewebefärbenden Eigenschaften im Gesicht nicht empfohlen.
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Silbersulfadiazin sollte im Gesicht nur mit äußerster Vorsicht und niemals in Augennähe angewendet werden, da es zu Hautverfärbungen und Reizungen führen kann.
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Eine routinemäßige systemische Antibiotikaprophylaxe wird nicht empfohlen, da sie das Risiko für sekundäre Infektionen (z.B. Pneumonien) und resistente Erreger erhöht.
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Der Einsatz von depolarisierenden Muskelrelaxanzien (wie Succinylcholin) ist ab 48 Stunden nach dem Verbrennungsereignis kontraindiziert.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist die tückische Dynamik von Atemwegsödemen bei Gesichtsverbrennungen. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die Schleimhautschwellung extrem schnell und unerwartet auftreten kann. Daher wird eine frühzeitige Intubation empfohlen, noch bevor ein offensichtlicher Atemwegskompromiss eintritt, um spätere, lebensbedrohliche Intubationsbedingungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie gelten unter anderem vollschichtige Gesichtsverbrennungen, Stridor, Atemnot und Schwellungen in der Laryngoskopie als klare Indikatoren. Auch ein veränderter Bewusstseinszustand oder hämodynamische Instabilität werden als Kriterien für eine rasche Atemwegssicherung genannt.
Es wird die Anwendung von Mupirocin oder antibiotischen Kombinationssalben empfohlen, da diese gut verträglich sind und häufige Verbandswechsel erlauben. Für Verbrennungen an Ohren und Nase wird spezifisch Mafenid hervorgehoben, da es das Knorpelgewebe gut penetriert.
Die Leitlinie empfiehlt eine sofortige und ausgiebige Spülung mit mindestens 1.000 ml Kochsalzlösung für mindestens 15 Minuten. Auf neutralisierende Substanzen sollte strikt verzichtet werden, da diese durch exotherme Reaktionen weitere thermische Schäden verursachen können.
Eine routinemäßige systemische Antibiotikaprophylaxe wird bei Verbrennungspatienten ausdrücklich nicht empfohlen. Die Leitlinie warnt, dass dies das Risiko für sekundäre Infektionen erhöht und die Resistenzbildung fördert.
Die initiale Flüssigkeitsgabe sollte sich nach der Parkland-Formel richten, basierend auf der betroffenen Körperoberfläche. Im weiteren Verlauf wird empfohlen, die Therapie streng an der Urinausscheidung zu titrieren, wobei ein Zielwert von 0,5 ml/kg/h bei Erwachsenen angestrebt wird.
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Quelle: StatPearls: Facial Burns (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.