Thermische Verbrennungen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Thermische Verbrennungen sind die häufigste Art von Brandverletzungen und machen laut der StatPearls-Leitlinie etwa 86 Prozent der Aufnahmen in Verbrennungszentren aus. Sie entstehen typischerweise durch Kontakt mit heißen Oberflächen, heißen Flüssigkeiten, Dampf oder Flammen.
Die Hautschäden werden in drei Zonen eingeteilt: die zentrale Koagulationszone mit irreversibelem Zelltod, die umgebende Stasiszone mit verminderter Durchblutung und die äußere Hyperämiezone. Bei großflächigen Verbrennungen von über 20 Prozent der Körperoberfläche (TBSA) kommt es zusätzlich zu einer systemischen Entzündungsreaktion.
Dieser systemische Flüssigkeitsverlust und die verminderte Herzleistung können zu einem lebensbedrohlichen Verbrennungsschock führen. Daher ist eine rasche und strukturierte Evaluation entscheidend für das Überleben.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:
Klassifikation der Verbrennungstiefe
Die Leitlinie teilt thermische Verbrennungen in drei Schweregrade ein:
| Grad | Betroffene Schichten | Klinisches Bild | Schmerzhaftigkeit |
|---|---|---|---|
| Oberflächlich (1. Grad) | Nur Epidermis | Rot, weich, keine Blasen, wegdrückbar | Sehr schmerzhaft |
| Teilhautverlust (2. Grad) | Epidermis und Dermis | Rot, feucht, Blasenbildung, wegdrückbar | Sehr schmerzhaft |
| Vollhautverlust (3. Grad) | Alle Hautschichten | Weiß, braun oder verkohlt, lederartig, nicht wegdrückbar | Wenig bis kein Schmerz |
Einteilung des Schweregrads
Die Zuweisung in die entsprechende Versorgungsstufe richtet sich nach der Ausdehnung und Tiefe der Verletzung:
| Schweregrad | Kriterien (Erwachsene) | Versorgungsort |
|---|---|---|
| Schwer (Major) | > 25 % TBSA oder > 10 % drittgradig oder Beteiligung von Gesicht/Perineum/Extremitäten | Verbrennungszentrum |
| Mittelschwer (Moderate) | 15-20 % TBSA zweitgradig oder 2-10 % drittgradig, keine Gefährdung von Gesicht/Perineum | Stationäre Aufnahme |
| Leicht (Minor) | < 15 % TBSA, keine Beteiligung von Gesicht/Perineum | Ambulante Behandlung |
Diagnostik und Evaluation
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Die Ausdehnung der Verbrennung wird bei Erwachsenen nach der Neunerregel geschätzt (Kopf 9 %, Arme je 9 %, Rumpf vorne/hinten je 18 %, Beine je 18 %, Perineum 1 %).
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Die Handfläche der betroffenen Person entspricht etwa 1 Prozent der Körperoberfläche.
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Es wird empfohlen, aktiv nach Anzeichen eines Inhalationstraumas zu suchen, wie versengte Nasenhaare, Ruß im Sputum oder Atemnot.
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Bei Verdacht auf ein Inhalationstrauma oder bei Atemnot wird eine frühzeitige Intubation empfohlen.
Akuttherapie und Wundversorgung
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Der Verbrennungsprozess muss sofort gestoppt werden, wobei kleine Areale mit Leitungswasser oder Kochsalzlösung gekühlt werden können.
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Bei großflächigen Verbrennungen warnt die Leitlinie vor einer extensiven Kühlung, da dies zu einer Hypothermie führen kann.
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Bei Verbrennungen von mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche wird eine Flüssigkeitsreanimation mit Kristalloiden nach der Parkland-Formel empfohlen.
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Zirkuläre, drittgradige Verbrennungen erfordern eine Escharotomie, um ein Kompartmentsyndrom zu verhindern.
Lokale Wundbehandlung
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Große, gespannte oder über Gelenke reichende Blasen sollten debridiert werden.
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Kleine Blasen sowie Blasen an Handflächen oder Fußsohlen werden laut Leitlinie intakt gelassen.
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Für zweitgradige Verbrennungen wird die Anwendung topischer antibiotischer Salben mit einem absorbierenden Verband empfohlen.
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Bei einer geplanten Verlegung in ein Verbrennungszentrum sollten die Wunden lediglich gereinigt und abgedeckt werden, ohne topische Cremes aufzutragen.
Kontraindikationen
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Extensive Kühlung: Bei großflächigen Verbrennungen wird vor einer ausgedehnten Kühlung gewarnt, da ein hohes Risiko für eine Hypothermie besteht.
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Silbersulfadiazin: Die Leitlinie weist darauf hin, dass Silbersulfadiazin zunehmend obsolet wird, da es die Wundheilung verzögern kann.
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Überwässerung: Bei der Flüssigkeitsreanimation wird vor einer Überwässerung gewarnt, da diese ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS) auslösen kann.
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Topische Cremes vor Verlegung: Vor einem Transfer in ein Verbrennungszentrum sollen keine Salben oder Cremes aufgetragen werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass Verbrennungen dynamische Verletzungen sind, deren Tiefe und Ausmaß bei der Erstuntersuchung oft schwer exakt zu beurteilen sind. Es wird daher empfohlen, die Patienten nach einigen Tagen erneut zu untersuchen, um die Wunden neu zu evaluieren. Zudem wird darauf hingewiesen, bei Verbrühungen durch Eintauchen in heiße Flüssigkeiten stets an eine mögliche Kindesmisshandlung zu denken.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für Erwachsene die Neunerregel. Dabei zählen Kopf und Arme jeweils 9 Prozent, die Rumpfvorder- und -rückseite sowie die Beine jeweils 18 Prozent und das Perineum 1 Prozent.
Eine Verlegung wird bei schweren Verbrennungen empfohlen, etwa bei über 25 Prozent betroffener Körperoberfläche bei Erwachsenen. Auch drittgradige Verbrennungen über 10 Prozent oder die Beteiligung von Gesicht, Perineum und Extremitäten erfordern laut Leitlinie eine spezialisierte Behandlung.
Gemäß der Leitlinie sollten große, gespannte Blasen sowie solche, die über Gelenke reichen, debridiert werden. Kleine Blasen und Blasen an Handflächen oder Fußsohlen werden hingegen intakt gelassen.
Bei Verbrennungen von mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche wird eine Flüssigkeitsreanimation empfohlen. Diese erfolgt laut Leitlinie bevorzugt mit Kristalloiden basierend auf der Parkland-Formel.
Die Leitlinie rät davon ab, vor der Verlegung in ein Verbrennungszentrum topische Cremes oder Salben aufzutragen. Die Wunden sollten lediglich gereinigt und trocken abgedeckt werden.
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Quelle: StatPearls: Thermal Burns (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.