Tierbisse: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie behandelt das klinische Management von Tierbissen, die eine komplexe Herausforderung durch Infektionsrisiken und Gewebeschäden darstellen. Hunde- und Katzenbisse machen dabei über 95 Prozent der Fälle in Notaufnahmen aus.
Hunde verursachen häufig Quetsch- und Risswunden, während Katzenbisse meist tiefe Stichwunden hinterlassen. Letztere weisen aufgrund der tiefen Inokulation von Erregern eine hohe Infektionsrate von etwa 30 Prozent auf.
Die Wundinfektionen sind typischerweise polymikrobiell und spiegeln die Mundflora des Tieres wider. Zu den häufigsten Erregern zählen Pasteurella-, Staphylococcus- und Streptococcus-Spezies sowie Anaerobier.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik
Es wird eine umfassende Anamnese zum Unfallhergang, zum Tier und zum Impfstatus der betroffenen Person empfohlen.
Bei klinischen Infektionszeichen rät die Leitlinie zur Entnahme von Wundabstrichen vor Beginn einer Antibiotikatherapie.
Zudem wird zu Röntgenaufnahmen geraten, um Frakturen, Fremdkörper oder Gasbildung im Weichteilgewebe auszuschließen.
Wundversorgung
Laut Leitlinie ist eine zeitnahe Wundreinigung durch Spülung und das Debridement von nekrotischem Gewebe essenziell.
Es wird empfohlen, Katzenbisse, tiefe Stichwunden und Wunden im Gelenkbereich offen zu lassen.
Bei unkomplizierten Hundebissen kann eine primäre Wundnaht erwogen werden, insbesondere im Gesicht aus kosmetischen Gründen.
Infektionsprophylaxe
Die Leitlinie empfiehlt folgende prophylaktische Maßnahmen:
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Auffrischung der Tetanusimpfung, falls die letzte Dosis länger als 5 Jahre (bei verschmutzten Wunden) zurückliegt
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Evaluierung einer Tollwut-Postexpositionsprophylaxe (Impfung an den Tagen 0, 3, 7 und 14 plus Immunglobulin) bei Hochrisikokontakten
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Gabe von prophylaktischen Antibiotika bei allen Bissen, die die Epidermis durchdringen
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Besondere Überwachung von Bissen an Händen, Füßen und im Genitalbereich aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende medikamentöse Therapieansätze für Tierbisse:
| Indikation | Medikament | Dosierung / Dauer |
|---|---|---|
| Prophylaxe bei Hunde- und Katzenbissen | Amoxicillin-Clavulansäure | Kinder: 50 mg/kg; Dauer: 7 Tage (bei Wundverschluss) |
| Prophylaxe bei Penicillinallergie | Doxycyclin oder TMP-SMX + Metronidazol/Clindamycin | Nach klinischem Ermessen |
| Katzenkratzkrankheit (Bartonella henselae) | Azithromycin | Nach klinischem Ermessen |
| Rattenbissfieber | Penicillin G oder Ceftriaxon | Intravenöse Gabe |
| Tularämie (moderat bis schwer) | Streptomycin oder Gentamicin | Nach klinischem Ermessen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät explizit davon ab, tiefe Stichwunden, Katzenbisse sowie Wunden mit Gelenkbeteiligung primär zu verschließen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, Bisse an den Händen zu unterschätzen, da hier aufgrund der kleinen Kompartimente und des fehlenden Schutzgewebes fast ein Drittel aller Verletzungen infiziert wird. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei immunsupprimierten Personen die klassischen Infektionszeichen wie Rötung und Schwellung abgeschwächt sein können.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt Amoxicillin-Clavulansäure als Mittel der ersten Wahl. Bei einer Penicillinallergie wird auf Doxycyclin oder Trimethoprim-Sulfamethoxazol in Kombination mit Metronidazol oder Clindamycin verwiesen.
Eine Tollwutprophylaxe wird bei unklarem Expositionsrisiko oder Bissen von Hochrisikotieren wie Fledermäusen empfohlen. Laut Leitlinie umfasst diese eine Impfserie an den Tagen 0, 3, 7 und 14, oft in Kombination mit Immunglobulin.
Es wird empfohlen, Katzenbisse und tiefe Stichwunden grundsätzlich offen heilen zu lassen. Bei unkomplizierten Hundebissen, insbesondere im Gesicht, kann laut Leitlinie eine primäre Naht aus kosmetischen Gründen erfolgen.
Bei Katzenbissen wird am häufigsten Pasteurella multocida isoliert. Zudem wird auf Bartonella henselae hingewiesen, den Erreger der Katzenkratzkrankheit, welcher mit Azithromycin behandelt wird.
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Quelle: StatPearls: Animal Bites (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.