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WHO2013

Tollwut (Rabies): WHO-Leitlinie zu Diagnostik & Klinik

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Tollwut wird meist durch Hunde übertragen und betrifft überproportional arme, ländliche Bevölkerungsgruppen in Asien und Afrika.
  • Das Rabiesvirus dringt über Wunden oder Schleimhäute ein und wandert über retrograden axonalen Transport in das ZNS.
  • Die Inkubationszeit variiert zwischen 5 Tagen und mehreren Jahren, liegt aber typischerweise bei 2 bis 3 Monaten.
  • Das erste spezifische klinische Symptom ist neuropathischer Schmerz an der Bissstelle.
  • Der Goldstandard der Post-mortem-Diagnostik ist der direkte Fluoreszenz-Antikörper-Test (FAT) an Hirngewebe.
  • Zur Intra-vitam-Diagnostik eignen sich drei Speichelproben (im Abstand von 3-6 Stunden), Hautbiopsien aus dem Nacken und Haarfollikel.
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Hintergrund

Tollwut (Rabies) ist eine akute, progressive Enzephalitis oder Meningoenzephalitis, die durch Lyssaviren verursacht wird. Sie weist die höchste Letalitätsrate aller bekannten Infektionskrankheiten auf. Die Krankheitslast ist in Asien und Afrika am höchsten, wobei die Übertragung hauptsächlich durch Hunde erfolgt. Tollwut betrifft überproportional arme, ländliche Gemeinschaften und insbesondere Kinder. Da die Krankheit häufig fehldiagnostiziert wird und die Überwachung in vielen Entwicklungsländern mangelhaft ist, wird die tatsächliche Sterblichkeit oft unterschätzt.

Klassifikation der Lyssaviren

Lyssaviren gehören zur Ordnung der Mononegavirales und zur Familie der Rhabdoviridae. Die Gattung Lyssavirus wird in verschiedene Spezies unterteilt, wobei das klassische Rabiesvirus für die überwiegende Mehrheit der humanen Tollwutfälle weltweit verantwortlich ist.

SpeziesPrimärer WirtGeografische Verbreitung
Rabies virus (RABV)Fleischfresser, FledermäuseWeltweit (außer Australien, Antarktis)
European bat lyssavirus 1 & 2Insektenfressende FledermäuseEuropa
Australian bat lyssavirusFlughunde, FledermäuseAustralien
Duvenhage virusInsektenfressende FledermäuseSubsahara-Afrika

Pathogenese

Das Rabiesvirus dringt über Wunden oder direkten Kontakt mit Schleimhäuten in den Körper ein. Intakte Haut kann das Virus nicht durchdringen.

Nach der Replikation im Muskelgewebe an der Eintrittspforte gelangt das Virus in motorische Axone und wandert über einen schnellen retrograden Transport (5–100 mm/Tag) in das zentrale Nervensystem (ZNS). Die Inkubationszeit hängt von der Virusmenge, der Dichte der motorischen Endplatten an der Wunde und der Nähe zum ZNS ab. Sie variiert zwischen 5 Tagen und mehreren Jahren, beträgt aber in der Regel 2 bis 3 Monate.

Nach der Ausbreitung im ZNS wandert das Virus zentrifugal über anterograden Transport in periphere Organe wie Speicheldrüsen, Haut, Haarfollikel und innere Organe.

Klinische Präsentation

Das erste spezifische Symptom ist ein neuropathischer Schmerz an der Bissstelle, verursacht durch Virusreplikation in den Spinalganglien und eine zelluläre Immunantwort. Klinisch manifestiert sich Tollwut in zwei Hauptformen:

Klinische FormLeitsymptomePathophysiologie
Furiose TollwutHydrophobie, Aerophobie, Spasmen, Agitation, VerwirrtheitHohe Viruslast im Gehirn, Bewusstsein bleibt anfangs erhalten
Paralytische TollwutSchwäche, Myödem, Piloerektion, FaszikulationenPeriphere Axonopathie/Myelinopathie, geringere Viruslast im Gehirn

Ohne intensivmedizinische Behandlung tritt der Tod in der Regel innerhalb von 2 Wochen nach Auftreten der ersten klinischen Symptome ein.

Diagnostik

Die klinische Diagnose einer Enzephalitis ist oft schwierig, weshalb Verdachtsfälle laborchemisch bestätigt werden sollten.

Intra-vitam-Diagnostik (am lebenden Patienten)

Für die Diagnose am lebenden Patienten eignen sich Sekrete und Gewebe. Ein negatives Ergebnis schließt eine Tollwutinfektion jedoch nicht sicher aus, da das Virus intermittierend ausgeschieden wird.

  • Speichel: Drei Proben im Abstand von 3–6 Stunden.
  • Hautbiopsie: Aus dem Nackenbereich (inklusive Haarfollikel mit peripheren Nerven).
  • Liquor & Serum: Nachweis von virusneutralisierenden Antikörpern (treten meist erst 7–8 Tage nach Symptombeginn auf).

Post-mortem-Diagnostik

Der bevorzugte Probenort für die Post-mortem-Diagnostik ist Hirngewebe (insbesondere Hirnstamm und Kleinhirn).

MethodeIndikation / BemerkungBewertung
Direkter Fluoreszenz-Antikörper-Test (FAT)Nachweis von Virusantigenen in Hirn- oder HautabstrichenGoldstandard, schnell, sensitiv und spezifisch
RT-PCRNachweis viraler RNA in Speichel, Liquor, Haut oder UrinHohe Sensitivität, besonders für Intra-vitam-Diagnostik
VirusisolierungZellkultur (Neuroblastom-Zellen) oder Tierversuch (Mäuse)Zellkultur ist effizienter und schneller (1-2 Tage) als der Tierversuch

Hinweis: Die Untersuchung von Hornhautabstrichen (Cornea) wird aufgrund der Verletzungsgefahr und unzuverlässiger Ergebnisse nicht als Routinetest empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Entnehmen Sie zur Intra-vitam-Diagnostik bei Tollwut-Verdacht unbedingt drei Speichelproben im Abstand von 3 bis 6 Stunden sowie eine Hautbiopsie aus dem Nackenbereich, da das Virus nur intermittierend ausgeschieden wird.

Häufig gestellte Fragen

Die Inkubationszeit variiert stark zwischen 5 Tagen und mehreren Jahren, liegt aber in den meisten Fällen bei 2 bis 3 Monaten.
Nein, das Rabiesvirus kann intakte Haut nicht durchdringen. Es benötigt Wunden oder direkten Kontakt mit Schleimhäuten, um in den Körper zu gelangen.
Das erste spezifische klinische Symptom ist ein neuropathischer Schmerz an der Bissstelle, der durch die Virusreplikation in den Spinalganglien verursacht wird.
Der direkte Fluoreszenz-Antikörper-Test (FAT) an Hirngewebe (bevorzugt Hirnstamm und Kleinhirn) ist der Goldstandard für die Post-mortem-Diagnostik.
Am sensitivsten sind drei Speichelproben (im Abstand von 3-6 Stunden entnommen) sowie Hautbiopsien und Haarfollikel aus dem Nackenbereich.

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