ClariMedClariMed
WHO2024

Tollwut-PEP: WHO-Leitlinie 2024 zur Postexpositionsprophylaxe

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Wundspülung mit Wasser und Seife für 15 Minuten ist eine lebensrettende Sofortmaßnahme.
  • Die Indikation zur PEP richtet sich nach den WHO-Expositionskategorien (I-III) und dem Tierstatus.
  • Tollwut-Immunglobulin (RIG) muss so vollständig wie möglich in und um die Wunde infiltriert werden.
  • Die WHO empfiehlt ein verkürztes 1-Wochen-Impfschema (Tage 0, 3, 7) mit intradermaler Applikation.
  • Bei Fledermausexposition besteht immer ein hohes Risiko (Kategorie III), Nagerbisse erfordern hingegen keine PEP.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach einer potenziellen Tollwutexposition ist eine lebensrettende Maßnahme. Die aktuelle WHO-Leitlinie (2024) fokussiert sich auf eine sofortige Wundversorgung, eine präzise Risikobewertung und ein ressourcenschonendes, intradermales Impfschema.

Wundversorgung

Die gründliche Wundreinigung ist essenziell, um die Viruslast mechanisch zu reduzieren.

  • Spülung: Wunde(n) für 15 Minuten mit reichlich Wasser und Seife spülen.
  • Antiseptikum: Anschließend ein Antiseptikum (z. B. Povidon-Jod) auftragen.
  • Tetanus & Antibiotika: Tetanus-Impfstatus prüfen und ggf. auffrischen. Bei tiefen Wunden Breitbandantibiotika erwägen.
  • Wundverschluss: Wunden nicht nähen oder eng verbinden. Falls eine Naht unumgänglich ist, sollte diese erst einige Stunden nach der Infiltration von Tollwut-Immunglobulin (RIG) erfolgen und locker ausgeführt werden.

Risikobewertung und WHO-Kategorien

Die Indikation zur PEP richtet sich nach der Art der Exposition und dem beteiligten Tier. Nagerbisse erfordern in der Regel keine PEP. Bei Fledermäusen ist bei jedem Kontakt von einer schweren Exposition auszugehen.

WHO-KategorieExpositionsartPEP-Indikation
Kategorie IIntakte Haut (Berühren, Füttern, Belecken)Keine PEP erforderlich (nur Wundwaschung)
Kategorie IIOberflächliche Kratzer/Schürfwunden ohne Blutung, Knabbern an unbedeckter HautImpfung erforderlich
Kategorie IIITiefe/blutende Wunden, Schleimhautkontakt mit Speichel, FledermauskontaktImpfung + RIG sofort erforderlich

Hinweis: Hochrisikoareale für Bisse sind Kopf, Hals, Gesicht, Genitalien und Hände.

Passive Immunisierung (RIG / RmAbs)

Tollwut-Immunglobulin (RIG) oder monoklonale Antikörper (RmAbs) neutralisieren das Virus lokal, bevor die aktive Impfung wirkt.

PräparatDosierungBemerkung
Humanes RIG (hRIG)20 IE/kg KGPriorisiert zu verwenden
Equines RIG (eRIG)40 IE/kg KGAnaphylaxie-Bereitschaft sicherstellen
RmAbs (Cocktail)40 IE/kg KGMonoklonale Antikörper
  • Applikation: Die gesamte Dosis (oder so viel wie anatomisch möglich) muss in und um die Wunde(n) infiltriert werden.
  • Restmenge: Eine intramuskuläre Injektion von restlichem RIG fernab der Wunde bietet keinen zusätzlichen Schutz (Ausnahme: Fledermausexposition, Aerosole oder Verdacht auf unentdeckte Wunden).
  • Kontraindikation: Patienten, die in der Vergangenheit bereits eine vollständige Tollwut-Impfserie erhalten haben, dürfen kein RIG erhalten.

Aktive Immunisierung (Impfung)

Die WHO empfiehlt bevorzugt die intradermale (ID) Applikation von Zellkulturimpfstoffen, da diese dosis-, kosten- und zeitsparend ist.

TagSchema (Intradermal)Bemerkung
Tag 02 Injektionen à 0,1 mlJe eine Injektion in beide Deltamuskeln (bei Kindern <2 J. anterolateraler Oberschenkel)
Tag 32 Injektionen à 0,1 mlWie Tag 0
Tag 72 Injektionen à 0,1 mlWie Tag 0
  • Technik: Die Injektion muss eine sichtbare Quaddel (6-8 mm, Orangenhaut-Aspekt) erzeugen.
  • Glutealregion: Impfstoffe dürfen niemals gluteal injiziert werden.
  • Vorimmunisierte Patienten: Bei Re-Exposition erhalten diese nur Auffrischungen (z.B. Tag 0 und 3), aber kein RIG.

Besondere Patientengruppen

  • Schwangere & Stillende: Die Tollwut-PEP ist sicher und uneingeschränkt indiziert.
  • Immunsupprimierte: Erfordern eine besonders sorgfältige Wundreinigung, immer RIG (auch bei Kategorie II) und eine vollständige Impfserie. Eine Titerkontrolle (RFFIT/FAVN) 2-4 Wochen nach der Impfung ist zwingend.
  • HIV-Patienten: Gelten bei stabiler antiretroviraler Therapie und normalen CD4-Werten nicht als immunsupprimiert.

💡Praxis-Tipp

Infiltrieren Sie Tollwut-Immunglobulin (RIG) immer direkt in und um die Wunde. Eine intramuskuläre Injektion fernab der Wunde ist wirkungslos. Nähen Sie Bisswunden nach Möglichkeit nicht.

Häufig gestellte Fragen

Nein, laut WHO übertragen Nagetiere (wie Mäuse oder Ratten) in der Regel keine Tollwut. Eine PEP ist nicht indiziert.
Ja, die Tollwut-PEP ist in der Schwangerschaft und Stillzeit absolut sicher und aufgrund der Letalität der Erkrankung zwingend indiziert.
Beginnen Sie sofort mit der Impfung und verweisen Sie den Patienten an ein Zentrum mit RIG. RIG kann bis maximal Tag 7 nachgereicht werden.
Nein. Patienten mit einer dokumentierten früheren Tollwut-Impfung erhalten bei Re-Exposition nur Auffrischungs-Impfungen, aber niemals RIG.
Es werden 0,1 ml im 45-Grad-Winkel in die obere Hautschicht injiziert, bis eine 6-8 mm große Quaddel (Orangenhaut-Aspekt) entsteht.

Verwandte Leitlinien