Selpercatinib bei RET-mutiertem MTC: Therapie-Nutzen
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen von Selpercatinib bewertet. Der Wirkstoff wird zur Erstlinientherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem, RET-mutiertem medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC) eingesetzt.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Behandlung mit Vandetanib oder Cabozantinib fest. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der offenen, randomisierten Phase-3-Studie LIBRETTO-531.
In dieser Studie wurde Selpercatinib direkt mit der vom Prüfarzt gewählten Vergleichstherapie verglichen. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, während für die Nutzenbewertung patientenrelevante Endpunkte wie Gesamtüberleben, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen im Fokus standen.
Empfehlungen
Das IQWiG leitet aus den vorliegenden Daten folgende Bewertungen ab:
Gesamtaussage
In der Gesamtschau überwiegen bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem RET-mutiertem MTC deutlich die positiven Effekte von Selpercatinib. Das IQWiG sieht einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Überleben und Symptomatik
Laut Dossierbewertung zeigen sich deutliche klinische Vorteile für Selpercatinib:
-
Für das Gesamtüberleben ergibt sich ein Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen.
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Bei der patientenberichteten Symptomatik (unter anderem Fatigue, Schmerzen, Übelkeit, Appetitverlust und Diarrhö) zeigen sich Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen, der überwiegend als beträchtlich eingestuft wird.
Lebensqualität
Die Auswertungen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität fallen laut IQWiG ebenfalls positiv aus:
-
Es zeigen sich Anhaltspunkte für einen erheblichen Zusatznutzen beim globalen Gesundheitsstatus sowie bei der Rollen-, emotionalen und sozialen Funktion.
-
Bei der körperlichen Funktion zeigt sich ein Vorteil (erhebliches Ausmaß) spezifisch für Personen unter 65 Jahren.
Nebenwirkungen
In der Kategorie der Nebenwirkungen überwiegen gemäß der Bewertung die positiven Effekte:
-
Es gibt einen Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden (erhebliches Ausmaß) bei den schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad >= 3).
-
Demgegenüber stehen vereinzelte negative Effekte, wie ein höherer Schaden bei Mundtrockenheit und erhöhter Alaninaminotransferase (ALT). Diese stellen das erhebliche Ausmaß des Zusatznutzens jedoch nicht infrage.
Dosierung
Die Dokumentation nennt folgende Dosierungsempfehlungen für die orale Einnahme von Selpercatinib:
| Patientengruppe | Dosis |
|---|---|
| Körpergewicht unter 50 kg | 120 mg 2-mal täglich |
| Körpergewicht ab 50 kg | 160 mg 2-mal täglich |
Die Behandlung sollte bis zum Krankheitsprogress oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität fortgesetzt werden.
Kontraindikationen
Gemäß den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung werden folgende Hinweise formuliert:
-
Vor Therapiebeginn muss das Vorliegen einer RET-Genmutation durch einen validierten Test bestätigt werden.
-
Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren sollte vermieden werden.
-
Eine parallele Verabreichung mit empfindlichen CYP2C8- und CYP3A4-Substraten sollte ebenfalls vermieden werden.
-
Der Einsatz in der Schwangerschaft und bei gebärfähigen Frauen ohne Verhütungsmittel wird nicht empfohlen.
-
Das Stillen sollte während der Therapie und für mindestens eine Woche danach eingestellt werden.
-
Selpercatinib sollte bei Kindern unter 12 Jahren nicht angewendet werden.
💡Praxis-Tipp
Laut den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung wird eine engmaschige Überwachung der Leberwerte (ALT und AST) sowie des Blutdrucks und des QTcF-Intervalls empfohlen. Insbesondere in den ersten drei Monaten der Therapie sollten die Leberwerte alle zwei Wochen kontrolliert werden.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG sieht einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen für Selpercatinib in der Erstlinie im Vergleich zu Vandetanib oder Cabozantinib. Dies basiert auf Vorteilen beim Gesamtüberleben, der Lebensqualität und einem geringeren Risiko für schwere Nebenwirkungen.
Die Dosierung erfolgt gewichtsadaptiert. Bei einem Körpergewicht ab 50 kg werden zweimal täglich 160 mg eingenommen, bei unter 50 kg sind es zweimal täglich 120 mg.
Laut Dossierbewertung zeigt Selpercatinib insgesamt ein günstigeres Nebenwirkungsprofil als die Vergleichstherapien, insbesondere bei schweren Ereignissen. Es wird jedoch auf ein erhöhtes Risiko für Mundtrockenheit und erhöhte Leberwerte (ALT) hingewiesen.
Ja, es wird vorausgesetzt, dass das Vorliegen einer RET-Genmutation vor Beginn der Behandlung durch einen validierten Test bestätigt wird.
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Quelle: IQWiG A25-71 : Selpercatinib (RET-mutiertes medulläres Schilddrüsenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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