Sachkunde Kardiovaskuläre Prävention: Anforderungen
Hintergrund
Kardiovaskuläre Erkrankungen zählen zu den häufigsten Morbiditäts- und Mortalitätsursachen. Eine strukturierte und professionelle Prävention ist daher ein zentraler Baustein in der kardiologischen Patientenversorgung.
Um die Qualität in diesem Bereich zu sichern, bietet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) den Nachweis der Sachkunde „Spezielle kardiovaskuläre Prävention“ an. Das zugrundeliegende Curriculum wurde ursprünglich im Jahr 2019 publiziert.
Das vorliegende Addendum der DGK aus dem Jahr 2021 aktualisiert die Anforderungen an die Fortbildungsnachweise. Es definiert, welche neuen Module und Online-Formate zur Erlangung des Sachkundenachweises anerkannt werden.
Klinischer Kontext
Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen weltweit und in Deutschland die führende Todesursache dar. Die Prävalenz von Risikofaktoren wie arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus und Dyslipidämie ist in der alternden Bevölkerung anhaltend hoch.
Die Grundlage der meisten kardiovaskulären Ereignisse ist die Atherosklerose, ein chronisch-progredienter, inflammatorischer Prozess der Gefäßwand. Endotheliale Dysfunktion, Lipidablagerungen und Plaquebildung führen letztlich zu Ischämien durch Stenosen oder akute Gefäßverschlüsse.
Eine strukturierte kardiovaskuläre Prävention ist essenziell, um die Morbidität und Mortalität signifikant zu senken. Durch frühzeitige Interventionen können sowohl Erstereignisse als auch Rezidive effektiv verhindert werden.
Die Risikostratifizierung erfolgt klassischerweise über etablierte Scoring-Systeme, die Alter, Geschlecht, Blutdruck, Cholesterinwerte und Raucherstatus einbeziehen. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie die Dopplersonografie der Carotiden oder das Koronarkalk-Scoring zum Einsatz, um subklinische Organschäden zu detektieren.
Wissenswertes
Zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos werden validierte Scoring-Systeme wie der SCORE2 oder SCORE2-OP verwendet. Diese integrieren Faktoren wie Alter, Geschlecht, systolischen Blutdruck, Non-HDL-Cholesterin und Raucherstatus zur Berechnung des 10-Jahres-Risikos für fatale und nicht-fatale Ereignisse.
Lipoprotein(a) ist ein genetisch determinierter, unabhängiger Risikofaktor für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen. Eine einmalige Bestimmung im Leben wird empfohlen, um Patienten mit sehr hohen Werten zu identifizieren und das Gesamtrisiko besser einordnen zu können.
Die Indikation zur medikamentösen antihypertensiven Therapie richtet sich nach der Höhe des Blutdrucks und dem kardiovaskulären Gesamtrisiko. Bei Werten ab 140/90 mmHg wird in der Regel eine medikamentöse Behandlung eingeleitet, sofern Lebensstilmodifikationen nicht ausreichen.
Zu den effektivsten Maßnahmen zählen der absolute Rauchstopp, eine mediterrane Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität. Zudem wird eine Gewichtsreduktion bei Adipositas sowie ein moderater Umgang mit Alkoholkonsum angeraten.
Das Koronarkalk-Scoring mittels nativer Computertomografie kann bei Patienten mit mittlerem kardiovaskulärem Risiko als Re-Klassifikator dienen. Es hilft bei der Entscheidung, ob präventive Maßnahmen wie eine Statintherapie intensiviert werden sollten.
Die Primärprävention zielt darauf ab, das Auftreten eines ersten kardiovaskulären Ereignisses durch Risikofaktorkontrolle zu verhindern. Die Sekundärprävention fokussiert sich auf Patienten mit bereits manifester Erkrankung und erfordert meist deutlich strengere Zielwerte, beispielsweise bei der LDL-Cholesterin-Senkung.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Bei der Einreichung der Unterlagen für den Sachkundenachweis ist zwingend auf den zeitlichen Umfang der Online-CMEs zu achten. Es reicht nicht aus, lediglich einzelne kurze Online-Seminare zu absolvieren, sondern es muss ein kumulierter Nachweis von mindestens 6 Stunden zu präventionsrelevanten Themen erbracht werden.
Häufig gestellte Fragen
Als Grundlage wird die Absolvierung eines Grund- und Aufbaukurses „Spezielle kardiovaskuläre Prävention“ gefordert. Diese können laut DGK-Addendum zukünftig auch als Online-Kurs angeboten werden.
Neben dem Grund- und Aufbaukurs ist die erfolgreiche Teilnahme an mindestens einem weiteren anerkannten Fortbildungsmodul erforderlich.
Ja, Online-CMEs von Präventions-Seminaren der DGK-Akademie werden als Fortbildungsmodul anerkannt. Voraussetzung ist jedoch ein Nachweis über insgesamt mindestens 6 Stunden zu präventionsrelevanten Themen.
Das Dokument nennt explizit Themen wie Atherosklerose, Herz-Diabetes und Psychokardiologie als anerkannte präventionsrelevante Schwerpunkte.
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Quelle: Addendum zur Sachkunde „Spezielle kardiovaskuläre Prävention“ der DGK Erweiterung Fortbildungsmodul-Nachweise zur Erlangung des Sachkundenachweises (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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