Sachkunde kardiovaskuläre Prävention: DGK-Curriculum
📋Auf einen Blick
- •Voraussetzung für die Sachkunde sind mindestens 3 Jahre Weiterbildung in der Inneren Medizin oder Kardiologie.
- •Das Curriculum erfordert einen Grundkurs, einen Aufbaukurs sowie ein weiteres spezifisches Fortbildungsmodul.
- •Zentrale Themen sind Risikostratifikation, Lebensstilinterventionen, Diabetestherapie und Psychokardiologie.
- •Die Zertifizierung erfolgt über eine Multiple-Choice-Prüfung, bei der 60 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden müssen.
- •Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) zertifiziert ergänzend Blutdruck-Apps anhand von 22 strengen K.-o.-Kriterien.
Hintergrund
Die Sachkunde „Spezielle kardiovaskuläre Prävention“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zielt darauf ab, das theoretische Wissen über die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Ärzteschaft zu vertiefen und die praktische Umsetzung in der Patientenversorgung zu verbessern. Voraussetzung für den Erwerb ist eine Ausbildung in der Inneren Medizin/Kardiologie für mindestens 3 Jahre (in der Regel in der Basisweiterbildung „common trunk“).
Struktur der Sachkunde
Um die Sachkunde zu erlangen, müssen Ärzte verschiedene Module erfolgreich absolvieren. Der Fokus liegt auf einer hohen Umsetzbarkeit in die klinische Praxis.
- Grundkurs: Spezielle kardiovaskuläre Prävention
- Aufbaukurs: Spezielle kardiovaskuläre Prävention
- Zusatzmodul: Mindestens ein weiteres anerkanntes Fortbildungsmodul (Bundesärztekammer-Curriculum „Tabakentwöhnung“, DGK-Akademiekurs „Sportkardiologie“ oder DGK-Akademiekurs „Psychokardiologische Grundversorgung“)
Themengebiete des Curriculums
Das Curriculum ist in verschiedene inhaltliche Blöcke unterteilt, die sowohl individualmedizinische als auch bevölkerungsbezogene Präventionsansätze abdecken.
| Themenblock | Wichtige Inhalte & Konzepte |
|---|---|
| Risikostratifikation | Risiko-Scores, Knöchel-Arm-Index, Kardio-CT, Biomarker, Genetik |
| Lipide & Blutdruck | Statine, PCSK9-Inhibitoren, Blutdruckzielwerte, Endorganschäden |
| Lebensstil & Sport | Rezept auf Bewegung, Activity Tracker, Trainingsprogramme bei KHK/Herzinsuffizienz |
| Rauchen & Ernährung | 5A-Schema zur Raucherentwöhnung, E-Zigaretten, mediterrane Diät, „obesity paradox“ |
| Herz & Diabetes | SGLT2-Inhibitoren, GLP-1-Agonisten, Kombination von Diabetes- und Herzinsuffizienztherapie |
| Psychokardiologie | Motivierende Gesprächsführung, Verhaltensmodifikation, psychosoziale Barrieren |
| Bevölkerungsbezogene Prävention | Präventionsgesetz, Maßnahmen in Schulen und Betrieben, Telemedizin |
Erfolgskontrolle
Die Überprüfung des erworbenen Wissens erfolgt streng standardisiert:
- Pro Unterrichtseinheit werden 2 Multiple-Choice-Fragen gestellt.
- Die Prüfung gilt als bestanden, wenn 60 % der Fragen richtig beantwortet wurden.
- Bei Nichtbestehen erfolgt ein Nachgespräch (Kolloquium), in dem über die erfolgreiche Teilnahme entschieden wird.
Exkurs: DHL-Prüfsiegel für Blutdruck-Apps
Im Rahmen der digitalen Prävention und Therapieunterstützung zertifiziert die Deutsche Hochdruckliga (DHL) seit November 2019 Blutdruck-Apps. Da viele Gesundheits-Apps keine zugelassenen Medizinprodukte sind, bietet das Siegel Patienten und Ärzten Orientierung.
Die Apps werden von Experten und Betroffenen auf Neutralität, Evidenz, Leitlinienkonformität und Datenschutz geprüft. Es existiert eine Liste mit 22 K.-o.-Kriterien. Verstößt eine App gegen auch nur eines dieser Kriterien (z. B. fehlendes Impressum, mangelnde Leitlinienkonformität oder unzureichende Qualifikation der Entwickler), wird das Prüfsiegel verweigert.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie in der Praxis konkrete Hilfsmittel zur Patientenmotivation, wie das 'Rezept auf Bewegung', und empfehlen Sie zur Therapieunterstützung ausschließlich Blutdruck-Apps, die das offizielle DHL-Prüfsiegel tragen.