Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen: DGOOC Leitlinie
Hintergrund
Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der älteren Bevölkerung und ihre Inzidenz steigt stetig an. Sie entstehen oft durch Bagatelltraumata und führen zu einem Strukturwandel des betroffenen Bewegungssegments mit zunehmender Kyphosierung der Wirbelsäule.
Die Folgen dieser Frakturen werden im klinischen Alltag häufig unterschätzt. Neben chronischen Schmerzen und einer Einschränkung der Mobilität kommt es zu einer Abnahme des Lungenvolumens und einer signifikant erhöhten Mortalität, die im Langzeitverlauf sogar jene von Hüftfrakturen übersteigen kann.
Zudem besteht nach einer ersten Sinterungsfraktur ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko für weitere Frakturen, insbesondere an den direkt angrenzenden Wirbelkörpern. Eine strukturierte Diagnostik und eine risikoadaptierte Therapieentscheidung sind daher essenziell, um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen.
Empfehlungen
Die DGOOC-Leitlinie (2025) formuliert folgende Kernempfehlungen zur Behandlung osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen:
Klinische und radiologische Diagnostik
Bei Verdacht auf eine Fraktur wird initial ein konventionelles Röntgen im Stehen empfohlen. Dies dient der besseren Beurteilung dynamischer Deformitäten und der Lastübertragung.
Aufgrund der geringen Sensitivität des Röntgens sind bei dringendem klinischem Verdacht weitere Schnittbilduntersuchungen (MRT, CT) erforderlich. Eine MRT mit STIR-Sequenz wird besonders zur Bestimmung des Frakturalters und bei unklaren Befunden empfohlen.
Zur Beurteilung der Knochenqualität können Hounsfield-Units (HU) aus der Computertomographie herangezogen werden. Als Standardverfahren zur definitiven Osteoporosediagnostik wird weiterhin die DXA-Messung empfohlen.
Therapieentscheidung (OF-Score)
Die Indikationsstellung zur konservativen oder operativen Therapie sollte strukturiert anhand des OF-Scores erfolgen. Ein Wert unter 6 Punkten spricht für eine konservative Therapie, ab 6 Punkten liegt eine relative oder absolute Operationsindikation vor.
| Merkmal | Schweregrad | Punkte |
|---|---|---|
| Morphologie (OF 1-5) | 1-5 | 2-10 |
| Knochendichte | T-Score < -3 | 1 |
| Dynamik der Sinterung | Ja / Nein | 1 / -1 |
| Schmerz (unter Analgesie) | VAS >= 4 / < 4 | 1 / -1 |
| Neurologie (frakturbedingt) | Ja | 1 |
| Mobilisation (unter Analgesie) | Nein / Ja | 1 / -1 |
| Gesundheitszustand | ASA >3, Demenz, BMI <20, Unselbständigkeit, aktive Gerinnungshemmung | Je -1 (maximal -2) |
Konservative Therapie
Die konservative Therapie ist die erste Wahl bei Frakturen der Typen OF 1, OF 2 und teilweise OF 3. Sie zielt auf Schmerzlinderung und eine frühzeitige Mobilisation ab.
Folgende Maßnahmen werden laut Leitlinie empfohlen:
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Medikamentöse Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema
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Zeitnaher Beginn einer antiosteoporotischen Medikation
-
Physiotherapie mit Fokus auf Kraft- und Gleichgewichtstraining
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Vermeidung von strikter Bettruhe zur Prävention von Dekonditionierung
Eine generelle Orthesenbehandlung wird nicht empfohlen. Sie kann jedoch individuell zur subjektiven Schmerzlinderung und Stabilisierung erwogen werden.
Operative Therapie
Bei akuten Frakturen mit neurologischen Ausfällen wird eine operative Intervention innerhalb von 24 Stunden empfohlen.
Für die operative Versorgung ohne neurologische Defizite gelten folgende Grundsätze:
-
Isolierte Zementaugmentation nur bei primär stabilen Frakturen mit erhaltener Rahmenstruktur
-
Bevorzugung der Kyphoplastie gegenüber der Vertebroplastie bei kyphotischer Deformität
-
Hybridstabilisierung (zementaugmentierte Instrumentierung plus Augmentation) bei instabilen OF 3 und OF 4 Frakturen
-
Verzicht auf rein ventrale Operationsverfahren ohne dorsale Instrumentierung
Nachsorge und Monitoring
Es werden frühzeitige klinische und radiologische Kontrollen im Stehen empfohlen. Diese sollten nach Erstmobilisation sowie nach 2, 4 und 6 Wochen erfolgen.
Bei Veränderungen der klinischen oder radiologischen Basisfaktoren unter konservativer Therapie wird eine sofortige Neuberechnung des OF-Scores empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Bettruhe als primäre Therapieform auszudehnen. Die damit verbundene kardiopulmonale und muskuloskelettale Dekonditionierung erhöht das Komplikationsrisiko bei geriatrischen Menschen erheblich, weshalb eine schnellstmögliche, schmerzadaptierte Mobilisation angestrebt werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Indikation primär über den OF-Score gestellt. Bei einem Wert von über 6 Punkten wird eine Operation empfohlen, während bei unter 6 Punkten ein konservatives Vorgehen indiziert ist.
Initial wird ein konventionelles Röntgen im Stehen empfohlen. Bei dringendem klinischem Verdacht und unklarem Befund sollte gemäß Leitlinie zwingend eine MRT oder CT angeschlossen werden.
Die Leitlinie empfiehlt bei akuten osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen mit neurologischen Defiziten eine zeitnahe operative Dekompression innerhalb der ersten 24 Stunden.
Es wird generell von einer prophylaktischen Augmentation der Anschlusssegmente abgeraten. Ausnahmen bilden laut Leitlinie lediglich Sandwich-Wirbelkörper, intraoperative Zementaustritte in die Bandscheibe oder persistierende kyphotische Deformitäten.
Die Leitlinie beschreibt HU als geeigneten Parameter zur Beurteilung der Knochenqualität. Bei deutlich erniedrigten Werten unter 120 HU sollte eine dezidierte Knochendichtemessung mittels DXA eingeleitet werden.
Eine generelle Empfehlung zur Orthesenbehandlung wird von der Leitlinie nicht ausgesprochen. Die Verordnung sollte nur nach individueller Prüfung erfolgen, um eine subjektive Schmerzlinderung zu erzielen.
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Quelle: DGOOC: Diagnostik und Therapie osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen (DGOOC, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.