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Querschnitt-Osteoporose: S1-Leitlinie (AWMF/DMGP)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die DXA-Messung sollte bei akuter Querschnittlähmung innerhalb von 12 Wochen an beiden Hüften erfolgen.
  • Verlaufskontrollen werden ausschließlich an den Hüften durchgeführt, wobei der niedrigere T-Score maßgeblich ist.
  • Eine spezifische Osteoporosetherapie (meist Off-Label) kann ab einem T-Score von ≤ -2,0 erwogen werden.
  • Zur Basistherapie gehören 1.000 mg Calcium (bevorzugt über die Nahrung) und 800–1.000 IE Vitamin D3 täglich.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES) zeigt osteoanabole Effekte und wird 3-5 Mal wöchentlich empfohlen.
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Hintergrund

Die Osteoporose ist eine häufige sekundäre Komplikation der Querschnittlähmung, die zu einer gesteigerten Knochenfragilität und einem erhöhten Frakturrisiko führt. Der Knochenabbau manifestiert sich hauptsächlich subläsional (untere Extremität), wo die Knochenmineraldichte um bis zu 40–70 % reduziert sein kann. Die Lendenwirbelsäule (LWS) weist hingegen oft normale oder leicht überdurchschnittliche Dichtewerte auf. Die maximale Knochenresorption wird zwischen 10 und 16 Wochen nach Eintritt der Querschnittlähmung erreicht.

Diagnostik und Verlaufskontrolle

Die DXA-Messung gilt als Goldstandard. Bei einer akut eingetretenen, voraussichtlich rollstuhlpflichtigen Querschnittlähmung (AIS A-C) sollte eine Basisdiagnostik erfolgen.

ZeitpunktLokalisationBemerkung
Basisdiagnostik (< 12 Wochen)Beide Hüften (ggf. + LWS)Dient der Ausgangswertbestimmung und dem Ausschluss vorbestehender Osteoporose.
VerlaufskontrollenNur beide HüftenLWS-Messungen sind im Verlauf wegen degenerativer Veränderungen nicht verwertbar. Der niedrigere der beiden Hüftwerte ist maßgeblich.

Empfohlenes Schema für Verlaufskontrollen:

  • 1, 2 und 3 Jahre nach Eintritt der Querschnittlähmung
  • 5, 7 und 9 Jahre nach Eintritt
  • 12, 15 und 18 Jahre nach Eintritt
  • Anschließend abhängig vom weiteren Verlauf (alle 3-5 Jahre)

Ein Osteoporose-Basislabor wird bei Auftreten erniedrigter Knochendichtewerte (Osteopenie/Osteoporose) empfohlen, um Pathologien und Kontraindikationen auszuschließen.

Basistherapie

Die Basistherapie soll bei allen rollstuhlpflichtigen querschnittgelähmten Menschen durchgeführt werden, unabhängig vom Ausmaß der Osteoporose.

  • Calcium: 1.000 mg/Tag (bevorzugt über die Nahrung, nur bei Mangel supplementieren)
  • Vitamin D3: 800–1.000 IE/Tag (ohne messwertgesteuerte Kontrollen empfohlen)
  • Ernährung: Mangel an Vitamin K, Vitamin B, Folsäure und Eiweiß vermeiden
  • Körperliche Aktivität: Förderung von Muskelkraft und Koordination zur Sturzprävention
  • Hilfsmittel: Individuelle Rollstuhlanpassung zur Reduktion der Sturzgefahr

Spezifische medikamentöse Therapie

Die Indikation zur spezifischen Therapie richtet sich bei Querschnittgelähmten nicht nach dem regulären DVO-Risikorechner, da die Querschnittlähmung ein dominanter, dort nicht ausreichend abgebildeter Risikofaktor ist.

Therapieschwelle: Ein T-Score von ≤ -2,0 an den Hüften.

WirkstoffBemerkung / Evidenz bei Querschnittlähmung
AlendronatZeigt positive Ergebnisse zur Stabilisierung der Knochenparameter
ZoledronatEinmalige i.v.-Gabe kann Knochenparameter im ersten Jahr stabilisieren
DenosumabPositiv bewertet, Cave: Rebound-Effekt nach Absetzen (Anschlusstherapie nötig!)
TeriparatidAnwendungsdauer auf max. 24 Monate (Lebenszeit) begrenzt, danach antiresorptive Anschlusstherapie

Hinweis: Die spezifische Osteoporosetherapie bei Querschnittgelähmten erfolgt in der Regel im Off-Label-Use und erfordert eine besondere Patientenaufklärung. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 3–5 Jahre, solange der T-Score ≤ -2,0 bleibt.

Wichtige Sicherheitsmaßnahmen:

  • Vor Beginn einer antiresorptiven Therapie (Bisphosphonate, Denosumab) sollte eine zahnärztliche Kontrolle und ggf. Sanierung erfolgen (Risiko der Kiefernekrose).
  • Auf ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Versorgung achten (Gefahr der Hypokalzämie).

Nicht-pharmakologische Therapie

Die Funktionelle Elektrostimulation (FES) (z. B. FES-Cycling oder Knieflexion/-extension) hat einen nachgewiesenen osteoanabolen Effekt bei Patienten mit intaktem unterem Motoneuron.

  • Umfang: 3 bis 5 Einheiten pro Woche
  • Dauer: Jeweils 30 bis 60 Minuten
  • Zeitraum: Über 6 bis 12 Monate
  • Wichtig: Die Stimulation muss gegen Widerstand erfolgen und eine sichtbare Muskelkontraktion auslösen. Bei bestehender Osteoporose ist auf die Frakturgefahr zu achten.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei chronisch Querschnittgelähmten auf DXA-Messungen der Lendenwirbelsäule. Messen Sie stattdessen immer beide Hüften und ziehen Sie den niedrigeren T-Score zur Therapieentscheidung (Schwelle: -2,0) heran.

Häufig gestellte Fragen

Ab einem T-Score von -2,0 oder darunter, gemessen an den Hüften. Der reguläre DVO-Risikorechner findet hier keine Anwendung.
Initial (innerhalb von 12 Wochen) beide Hüften und ggf. die LWS. Im weiteren Verlauf sollten ausschließlich beide Hüften gemessen werden, da die LWS durch degenerative Veränderungen oft falsche Werte liefert.
Nein, sie erfolgt in der Regel als Off-Label-Use, sofern keine generalisierte Osteoporose vorliegt. Eine besondere Aufklärungspflicht gegenüber dem Patienten ist daher zwingend.
Empfohlen werden 1.000 mg Calcium (bevorzugt über die Nahrung) und 800-1.000 IE Vitamin D3 täglich als Basistherapie.
Die Anwendungsdauer ist auf maximal 24 Monate (bezogen auf die gesamte Lebenszeit) begrenzt. Im Anschluss muss eine antiresorptive Anschlusstherapie erfolgen.

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