Hodgkin Lymphom: S3-Leitlinie Diagnostik & Therapie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Jede ungeklärte Lymphknotenschwellung >4 Wochen erfordert eine histologische Abklärung durch Lymphknotenexstirpation.
- •Das initiale Staging umfasst CT von Hals, Thorax, Abdomen sowie ein PET/CT zur exakten Stadieneinteilung.
- •Auf eine Knochenmarkbiopsie kann bei unauffälligem PET/CT im initialen Staging verzichtet werden.
- •Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation unter Berücksichtigung von Risikofaktoren.
- •Frühe Stadien werden primär mit einer kombinierten Chemo-Strahlentherapie (2 Zyklen ABVD) behandelt.
Hintergrund
Das Hodgkin Lymphom präsentiert sich typischerweise mit schmerzlosen Lymphknotenschwellungen (meist zervikal) und B-Symptomatik (Fieber >38°C, Nachtschweiß, Gewichtsverlust >10% in 6 Monaten). Die S3-Leitlinie definiert klare Standards für die Diagnostik, Stadieneinteilung und primäre Therapie.
Diagnostik und Histologie
Jede ungeklärte Lymphknotenschwellung, die länger als vier Wochen persistiert oder progredient ist, soll histologisch abgeklärt werden.
- Diagnosesicherung: Exstirpation eines ganzen Lymphknotens (keine alleinige Feinnadelaspiration).
- Referenzpathologie: Eine Beurteilung durch einen Referenzpathologen soll angestrebt werden.
- Zeitrahmen: Die Ausbreitungsdiagnostik soll innerhalb von 4 Wochen abgeschlossen sein.
Apparative Diagnostik
| Untersuchung | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| CT (Hals, Thorax, Abdomen) | Soll | Mit Kontrastmittel. Lymphknoten >10 mm (Kurzachse) bzw. inguinal >15 mm sind suspekt. |
| PET/CT | Soll | Zum initialen Staging und zur Planung einer involved-site Bestrahlung. |
| Knochenmarkbiopsie | Soll nicht | Verzicht bei Ausschluss eines Knochenmarkbefalls im PET/CT. |
| Röntgen-Thorax | Soll | p.a. und seitlich (zur Bestimmung des Risikofaktors "Großer Mediastinaltumor"). |
Stadieneinteilung und Risikofaktoren
Die Einteilung erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation:
| Stadium | Definition |
|---|---|
| I | Befall einer Lymphknotenregion oder ein lokalisierter extralymphatischer Befall |
| II | Befall von 2 oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells |
| III | Befall von 2 oder mehr Lymphknotenregionen/Organen auf beiden Seiten des Zwerchfells |
| IV | Diffuser/disseminierter Befall extralymphatischer Organe |
Zusätze: A (keine B-Symptome), B (B-Symptome vorhanden).
Risikofaktoren für die Therapieentscheidung:
- Großer Mediastinaltumor (>= 1/3 des Thorax-Querdurchmessers)
- Extranodalbefall
- Hohe BSG (>= 50 mm/h bei A-Symptomen, >= 30 mm/h bei B-Symptomen)
- Befall von 3 oder mehr Lymphknotenarealen
Therapie früher Stadien
Frühe Stadien umfassen die Stadien IA, IB, IIA und IIB (ohne Risikofaktoren).
| Therapie | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Chemo-Strahlentherapie | Soll | Primärtherapie der Wahl. Alleinige Bestrahlung soll nicht erfolgen (Ausnahme: NLPHL Stadium IA). |
| Chemotherapie-Regime | Soll | 2 Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin). |
| PET/CT nach 2 Zyklen | Kann | Individuelle Entscheidung (z.B. bei jungen Patientinnen) zur Abwägung der Strahlentherapie. |
Psychoonkologie und Fertilitätserhalt
- Psychoonkologie: Jedem Patienten soll zeitnah ein psychoonkologisches Gespräch angeboten werden.
- Fertilität: Bei nicht abgeschlossener Familienplanung soll vor Therapiebeginn über fertilitätserhaltende Maßnahmen aufgeklärt werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei einem unauffälligen initialen PET/CT auf die routinemäßige Knochenmarkbiopsie. Klären Sie junge Patienten vor Therapiebeginn (innerhalb des 4-Wochen-Fensters) unbedingt über fertilitätserhaltende Maßnahmen auf.