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Leitlinienprogramm Onkologie / DKG / DGHO / AWMF2019HämatologieOnkologie

Hodgkin Lymphom: S3-Leitlinie Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie / DKG / DGHO / AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Jede ungeklärte Lymphknotenschwellung >4 Wochen erfordert eine histologische Abklärung durch Lymphknotenexstirpation.
  • Das initiale Staging umfasst CT von Hals, Thorax, Abdomen sowie ein PET/CT zur exakten Stadieneinteilung.
  • Auf eine Knochenmarkbiopsie kann bei unauffälligem PET/CT im initialen Staging verzichtet werden.
  • Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation unter Berücksichtigung von Risikofaktoren.
  • Frühe Stadien werden primär mit einer kombinierten Chemo-Strahlentherapie (2 Zyklen ABVD) behandelt.
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Hintergrund

Das Hodgkin Lymphom präsentiert sich typischerweise mit schmerzlosen Lymphknotenschwellungen (meist zervikal) und B-Symptomatik (Fieber >38°C, Nachtschweiß, Gewichtsverlust >10% in 6 Monaten). Die S3-Leitlinie definiert klare Standards für die Diagnostik, Stadieneinteilung und primäre Therapie.

Diagnostik und Histologie

Jede ungeklärte Lymphknotenschwellung, die länger als vier Wochen persistiert oder progredient ist, soll histologisch abgeklärt werden.

  • Diagnosesicherung: Exstirpation eines ganzen Lymphknotens (keine alleinige Feinnadelaspiration).
  • Referenzpathologie: Eine Beurteilung durch einen Referenzpathologen soll angestrebt werden.
  • Zeitrahmen: Die Ausbreitungsdiagnostik soll innerhalb von 4 Wochen abgeschlossen sein.

Apparative Diagnostik

UntersuchungEmpfehlungBemerkung
CT (Hals, Thorax, Abdomen)SollMit Kontrastmittel. Lymphknoten >10 mm (Kurzachse) bzw. inguinal >15 mm sind suspekt.
PET/CTSollZum initialen Staging und zur Planung einer involved-site Bestrahlung.
KnochenmarkbiopsieSoll nichtVerzicht bei Ausschluss eines Knochenmarkbefalls im PET/CT.
Röntgen-ThoraxSollp.a. und seitlich (zur Bestimmung des Risikofaktors "Großer Mediastinaltumor").

Stadieneinteilung und Risikofaktoren

Die Einteilung erfolgt nach der Cotswold-modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation:

StadiumDefinition
IBefall einer Lymphknotenregion oder ein lokalisierter extralymphatischer Befall
IIBefall von 2 oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells
IIIBefall von 2 oder mehr Lymphknotenregionen/Organen auf beiden Seiten des Zwerchfells
IVDiffuser/disseminierter Befall extralymphatischer Organe

Zusätze: A (keine B-Symptome), B (B-Symptome vorhanden).

Risikofaktoren für die Therapieentscheidung:

  • Großer Mediastinaltumor (>= 1/3 des Thorax-Querdurchmessers)
  • Extranodalbefall
  • Hohe BSG (>= 50 mm/h bei A-Symptomen, >= 30 mm/h bei B-Symptomen)
  • Befall von 3 oder mehr Lymphknotenarealen

Therapie früher Stadien

Frühe Stadien umfassen die Stadien IA, IB, IIA und IIB (ohne Risikofaktoren).

TherapieEmpfehlungBemerkung
Chemo-StrahlentherapieSollPrimärtherapie der Wahl. Alleinige Bestrahlung soll nicht erfolgen (Ausnahme: NLPHL Stadium IA).
Chemotherapie-RegimeSoll2 Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin).
PET/CT nach 2 ZyklenKannIndividuelle Entscheidung (z.B. bei jungen Patientinnen) zur Abwägung der Strahlentherapie.

Psychoonkologie und Fertilitätserhalt

  • Psychoonkologie: Jedem Patienten soll zeitnah ein psychoonkologisches Gespräch angeboten werden.
  • Fertilität: Bei nicht abgeschlossener Familienplanung soll vor Therapiebeginn über fertilitätserhaltende Maßnahmen aufgeklärt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei einem unauffälligen initialen PET/CT auf die routinemäßige Knochenmarkbiopsie. Klären Sie junge Patienten vor Therapiebeginn (innerhalb des 4-Wochen-Fensters) unbedingt über fertilitätserhaltende Maßnahmen auf.

Häufig gestellte Fragen

Jede ungeklärte Lymphknotenschwellung, die länger als 4 Wochen persistiert oder eindeutig progredient ist, soll durch Biopsie abgeklärt werden.
Nein, die Diagnose soll an einem ganzen Lymphknoten gestellt werden. Eine alleinige Zytologie ist nicht ausreichend.
Nein, wenn das initiale PET/CT keinen Anhalt für einen Knochenmarkbefall zeigt, soll auf die Biopsie verzichtet werden.
Es sollen 2 Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) in Kombination mit einer Strahlentherapie gegeben werden.
Eine PET/CT-Untersuchung sollte zur Planung einer involved-site Bestrahlung durchgeführt werden, um das Zielvolumen exakt zu definieren.

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