DLBCL Leitlinie: Diagnostik & Staging (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die offene Lymphknotenexzision ist der Goldstandard zur Diagnosesicherung; eine alleinige Zytologie ist unzureichend.
- •Immunhistochemie und molekulare Diagnostik (FISH) sind zur genauen Subtypisierung essenziell.
- •Das Staging und die Organfunktionsdiagnostik sollen innerhalb von 2 Wochen abgeschlossen sein.
- •Die PET/CT ist das empfohlene Standardverfahren (Empfehlungsgrad A) für das initiale Staging bei kurativem Ansatz.
- •Bei älteren Patienten wird ein geriatrisches Assessment zur Einteilung in die Kategorien fit, unfit und frail empfohlen.
Hintergrund
Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist mit einem Anteil von etwa 30 % das häufigste Non-Hodgkin-Lymphom. Das mediane Alter bei Diagnose liegt bei etwa 65 Jahren. Unbehandelt verläuft die Erkrankung rasch progredient, ist jedoch bei rechtzeitigem Therapiebeginn oft heilbar. Typische Krankheitserscheinungen umfassen Lymphknotenschwellungen, Organfunktionsstörungen sowie B-Symptome (Fieber >38°C, Nachtschweiß, Gewichtsverlust >10 % in 6 Monaten).
Diagnosesicherung und Biopsie
Die exakte histologische Sicherung ist essenziell. Die Begutachtung sollte durch eine erfahrene Referenzpathologie erfolgen.
| Biopsie-Verfahren | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Offene Biopsie (Exzision) | Soll angestrebt werden | Goldstandard; höchste diagnostische Sicherheit |
| Stanzbiopsie (CT/Sono-gesteuert) | Sollte bei hohem Risiko erfolgen | Alternative bei schwer zugänglichen Läsionen oder hoher Komorbidität |
| Zytologisches Aspirat | Soll nicht verwendet werden | Für eine sichere Diagnosestellung unzureichend |
Pathologisch-anatomische Diagnostik
Die histomorphologische Diagnose soll durch immunhistochemische Zusatzuntersuchungen (z. B. CD20, CD79a, IRF4/MUM, CD138) abgesichert werden.
- Zur Abgrenzung von verwandten Entitäten (z. B. Burkitt-Lymphom, High-grade B-Zell-Lymphom) sollten ergänzende (interphasen-)zytogenetische Untersuchungen (FISH) auf Rearrangements von MYC, BCL2 und BCL6 durchgeführt werden.
- Eine darüber hinausgehende molekulare Risikostratifizierung wird mangels therapeutischer Konsequenzen derzeit nicht empfohlen.
Staging und prätherapeutische Maßnahmen
Nach Diagnosesicherung sollen Ausbreitungsdiagnostik, Risikobeurteilung und Organfunktionsdiagnostik innerhalb von 2 Wochen abgeschlossen sein. Etwaige fertilitätserhaltende Maßnahmen sollten innerhalb von 4 Wochen beendet sein.
Bildgebung
| Verfahren | Indikation | Evidenz / Empfehlung |
|---|---|---|
| PET/CT (mit FDG) | Soll bei kurativem Therapiekonzept durchgeführt werden | Empfehlungsgrad A. Goldstandard; höhere Sensitivität für extranodale und ossäre Manifestationen als CT |
| Kontrastmittel-CT | Alternative bei fehlender PET/CT-Verfügbarkeit | Unterlegen bei der Erkennung von Knochenmark- und Organbefall |
Geriatrisches Assessment
Da das DLBCL überwiegend im fortgeschrittenen Lebensalter diagnostiziert wird, sollte bei älteren Patienten (ab 60-65 Jahren) vor Therapiebeginn ein geriatrisches Assessment erfolgen, um die Therapieverträglichkeit abzuschätzen.
| Stufe | Maßnahme | Ziel / Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Screening | z. B. G8-Score | Identifikation von Patienten mit Einschränkungen |
| 2. Assessment | Umfassende Evaluation (CGA) | Erfassung von Komorbiditäten (CIRS-G), ADL, IADL |
| Klassifikation | Einteilung in Gruppen | Fit, unfit oder frail (hinfällig) |
Organfunktionsdiagnostik
Vor Therapiebeginn soll eine umfassende Überprüfung der Organfunktionen erfolgen, um die Therapietoleranz zu sichern:
- Blutbildung: Blutbild, Gerinnung (Fibrinogen, INR, PTT)
- Herz: EKG, Echokardiographie
- Leber und Nieren: Klinische Chemie (Kreatinin, Harnsäure, Bilirubin, Transaminasen, LDH)
- Chronische Infektionen: HIV, Hepatitis B und C
- Schilddrüse: TSH basal
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei Verdacht auf ein DLBCL auf rein zytologische Punktionen. Streben Sie stets eine offene Lymphknotenexzision an und fordern Sie bei älteren Patienten prätherapeutisch ein geriatrisches Assessment (z. B. G8-Score) an.