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Hodgkin-Lymphom: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert die komplette Lymphknotenexstirpation; eine Feinnadelbiopsie ist obsolet.
  • Das FDG-PET-CT ist der Goldstandard für das initiale Staging und die Therapiebeurteilung.
  • Auf eine Knochenmarkstanzbiopsie kann dank der hohen Treffsicherheit des PET-CTs verzichtet werden.
  • Die Therapie erfolgt risikoadaptiert mittels Chemotherapie und ggf. niedrig dosierter Bestrahlung.
  • Spätfolgen wie Sekundärmalignome und Kardiotoxizität erfordern eine strukturierte, langfristige Nachsorge.
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Hintergrund

Das Hodgkin-Lymphom (HL) ist ein vorwiegend das lymphatische Gewebe betreffender, pauzizellulärer Tumor. Histologisch ist es durch den Nachweis von einkernigen Hodgkin-Zellen und/oder mehrkernigen Reed-Sternberg-Zellen in einem entzündlichen Begleitinfiltrat charakterisiert. Die Tumorzellen machen dabei nur etwa 1 % der Gesamtzellen aus.

Es gibt zwei Altersgipfel: zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sowie jenseits des 70. Lebensjahres. Eine Assoziation mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) sowie mit Immundefektsyndromen ist bekannt.

Klassifikation

Nach der WHO-Klassifikation wird grundlegend zwischen dem klassischen Hodgkin-Lymphom (cHL) und dem nodulär Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom (NLPHL) unterschieden.

TypAnteilImmunphänotypBemerkung
Klassisches HL (cHL)ca. 90 %CD30+, oft CD15+Unterteilung in 4 Subtypen (Nodulär sklerosierend, Mischtyp, Lymphozytenreich, Lymphozytenarm)
NLPHLca. 10 %CD20+, oft CD79a+Eigene Entität maligner B-Zell-Neoplasien; erfordert separate, mildere Therapieprotokolle

Stadieneinteilung

Die Ausbreitung wird nach der modifizierten Ann-Arbor-Klassifikation eingeteilt:

StadiumDefinition
IBefall einer einzelnen Lymphknotenregion oder lokalisierter Befall eines extralymphatischen Organs (IE)
IIBefall von 2 oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite
IIIBefall von Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells
IVDisseminierter Befall eines oder mehrerer extralymphatischer Organe

Zusätzlich erfolgt die Einteilung in A- und B-Kategorien:

  • A: Fehlen von Allgemeinsymptomen
  • B: Vorliegen von B-Symptomatik (Gewichtsverlust >10 % in 6 Monaten, Fieber >38°C, starker Nachtschweiß)

Leitsymptome

In ca. 90 % der Fälle manifestiert sich das HL durch schmerzlose, chronisch progrediente Lymphknotenschwellungen (meist zervikal und mediastinal). Bei großen Mediastinaltumoren können Husten, Luftnot oder eine obere Einflussstauung auftreten. Etwa ein Drittel der Patienten zeigt eine B-Symptomatik.

Diagnostik

Die initiale Diagnostik zielt auf eine exakte histologische Sicherung und ein präzises Staging ab.

  • Histologie: Extirpation eines repräsentativen, kompletten Lymphknotens. Eine Feinnadelbiopsie ist obsolet (Gefahr des "sampling errors").
  • Bildgebung: Das FDG-PET-CT (oder PET-MRT) ist der wesentliche Bestandteil der initialen Stagingdiagnostik und der Responsebeurteilung.
  • Knochenmarkbiopsie: Auf eine Knochenmarkstanzbiopsie kann aufgrund der hohen Treffsicherheit des FDG-PET verzichtet werden.
  • Labor: Blutbild, BSG, Leber-/Nierenwerte, LDH, Serologie (EBV, CMV, HIV, Hepatitis).
  • Fertilitätserhalt: Einleitung von Maßnahmen (Kryokonservierung) vor Chemotherapiebeginn.

Therapie

Die Behandlung erfolgt risikoadaptiert in Therapieoptimierungsstudien. Ziel ist eine hohe Heilungsrate bei gleichzeitiger Minimierung von Spätfolgen.

ModalitätStrategieBemerkung
ChemotherapieRisikoadaptierte ZyklenanzahlVerzicht auf procarbazin-haltige Regime (z. B. Ersatz durch Dacarbazin) zur Reduktion der Gonadotoxizität
StrahlentherapiePET-gesteuerte IndikationNur bei unzureichendem Ansprechen (PET-positiv nach Chemo); Bestrahlung als "involved field" oder "involved node"
NLPHL-TherapieReduzierte IntensitätBei Stadium IA oft Resektion ausreichend; sonst milde Chemo (z. B. CVP)

Nachsorge und Spätfolgen

Aufgrund der exzellenten Prognose (Überlebensraten >90 %) ist das Management von Spätfolgen essenziell. Zu den wichtigsten Risiken zählen:

  • Sekundärmalignome: Mammakarzinome (Screening ab 25. Lebensjahr nach Thoraxbestrahlung), Schilddrüsenkarzinome, solide Tumoren.
  • Kardiotoxizität: Nach Anthrazyklin-Gabe oder Mediastinalbestrahlung (EKG/Echo alle 2-3 Jahre).
  • Endokrinologie: Schilddrüsenfunktionsstörungen, Infertilität.
  • Fatigue: Lang anhaltendes Erschöpfungssyndrom.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie zur histologischen Sicherung immer eine komplette Lymphknotenexstirpation durch. Eine Feinnadelaspiration ist aufgrund der geringen Anzahl an Tumorzellen (pauzizellulär) obsolet und führt häufig zu falschen Ergebnissen.

Häufig gestellte Fragen

Zur B-Symptomatik zählen ein unerklärlicher Gewichtsverlust von mehr als 10 % in den letzten sechs Monaten, unerklärtes persistierendes Fieber über 38°C und starker Nachtschweiß.
Nein, durch die hohe diagnostische Treffsicherheit der funktionellen Bildgebung (FDG-PET) kann heutzutage auf eine Knochenmarkstanzbiopsie verzichtet werden.
Das nodulär Lymphozyten-prädominante Hodgkin-Lymphom (NLPHL) gilt als eigene Entität, exprimiert den B-Zell-Marker CD20+ und wird aufgrund seiner besonderen Biologie mit einer deutlich geringeren Therapieintensität behandelt.
Die Indikation zur Strahlentherapie wird zunehmend PET-gesteuert gestellt. Oft wird nur noch bei unzureichendem Ansprechen (PET-Positivität nach der Chemotherapie) im Bereich der initial betroffenen Regionen bestrahlt.

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